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MI | 11.04.2012
Arik Brauer bei der Arbeit (Bild: dpa/A9999 Db Christian Fürst)
Geburtstag
Arik Brauer feiert 80. Geburtstag
Er ist Maler, Sänger, Bühnenbildner und Architekt. Arik Brauers künstlerisches Schaffen ist vielfältig. Der Hauptvertreter des "Phantastischen Realismus" ist am Sonntag 80 Jahre alt geworden.
Arik Brauer (Bild: dpa/VOTAVA/B0196 Votava)
Arik Brauer ist ein Künstler mit vielen Talenten.
"Magier der Fantasie und Lebensfreude"
Arik Brauer ist "ein Zauberer und Magier, der seit Jahrzehnten für Fantasie und Lebensfreude steht, aber auch für Mitmenschlichkeit und Toleranz." Mit diesen Worten bedachte der ehemalige Bundespräsident Thomas Klestil den Künstler anlässlich einer Ehrung.

Fantasie und Lebensfreude sind wohl jene Begriffe, die das reiche Leben und Werk Arik Brauers am ehesten auf den Punkt bringen. Als Maler begründete er mit Weggefährten die weltberühmte "Wiener Schule des Phantastischen Realismus". Als Sänger gehörte er ab den späten 1960er-Jahren zu den Schlüsselfiguren des beginnenden Austropop.

Der kreative Output des Multitalents macht aber auch vor weiteren Kunstformen keinen Halt. Als Bühnen- und Kostümbildner war er beispielsweise an der Pariser Oper tätig. Und seine Beschäftigung mit Architektur führte zum Bau des "Brauer-Hauses" in der Wiener Gumpendorfer Straße.
Arik Brauer: "Brot und Spiele", 1997 (l.) und "Fehdehandschuh-Friedehandschuh" 1971-1981 (r.) (Bild: APA/  Historisches Museum/GI)
Arik Brauer (Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)
Wien, Paris und Israel - der Kosmopolit Brauer hatte schon viele Wohnorte.
Reisender und Weltbürger
Gerade in seinen Liedern, die er oft im Dialekt vorträgt, zeigt sich eine tiefe Verbundenheit Brauers mit seiner Wiener Heimat. Aber wie der Künstler hat auch der Mensch Arik Brauer weit mehr als nur ein Zuhause.

Bereits während seiner Studentenzeit erkundete Arik Brauer die Welt. Mit dem Rad besuchte er in ausgedehnten Reisen weite Teile Europas, Afrikas und des Nahen Ostens. Gerade der Orient übte großen Eindruck auf ihn aus. Diese Faszination schlägt sich auch in seinem Werk nieder, in dem immer wieder orientalische Motive zu verorten sind.

Neben Wien sind Paris und Israel die zentralen Orte in Brauers Leben. In der französischen Hauptstadt verbrachte er mit seiner Frau Naomi sechs Jahre. Er begann dort seine Karriere als Maler. Den Lebensunterhalt verdiente das Paar als israelisches Gesangsduo "Nomi et Arik Bar-Orin". Die beiden waren recht bald bekannt in der Pariser Bohème.
Als Kind wäre Brauer beinahe den Nazis zum Opfer gefallen.
Schwere Kindheit in der NS-Zeit
Beinahe wäre Brauer die Chance auf seine schillernde Karriere bereits früh verwehrt gewesen. Man kann von Glück sprechen, dass der 1929 geborene Spross einer russisch-jüdischen Handwerkerfamilie die NS-Zeit überlebt hat - im Gegensatz zu seinem Vater, der im KZ starb.

Brauer blieb während der Nazi-Herrschaft in Wien. Zeitweise verbarg er sich in Verstecken. Von 1942 bis 1945 arbeitete er in der Tischlerei beim "Ältestenrat der Juden in Wien". Er baute dort Möbel für Nazi-Bonzen. Das "J" in seinem Pass hatte Brauer überklebt, was ihn laut eigener Aussage "oft gerettet, aber auch einige Male in Gefahr gebracht" hat.
Fabelwesen und fremdartig-paradiesische Landschaften prägen sein Werk.
Entwicklung des "Phantastischen Realismus"
Sobald der Krieg überstanden war, inskribierte Brauer an der vom Krieg schwer beschädigten Akademie der bildenden Künste. Die Studenten waren vorerst damit beschäftigt, die ärgsten Schäden am Gebäude zu beheben und Brennholz aus dem Wienerwald zu holen.

Trotz der widrigen Umstände verlief das Studium - unter anderem bei Albert Paris Gütersloh - erfolgreich. Zusammen mit Ernst Fuchs und Anton Lehmden entwickelte er jenen figurativen, fantasievollen Malstil, der später weltweit als "Wiener Schule des Phantastischen Realismus" bekannt werden sollte.

Auch für seine zweite Karriere als Musiker legte Arik Brauer in jenen Jahren den Grundstein. Ab 1948 nahm er zusätzlich zum Kunststudium Gesangsunterricht.
Arik Brauer (Bild: APA/H. Pfarrhofer/HP)
Mit seinen Bildern erlangte Brauer Weltruhm.
Ausstellungen in London, New York, Tokio
Im Laufe seiner Pariser Zeit gelang es Brauer, seine Karriere als Maler in Gang zu bringen. Als er 1964 nach Wien zurückkehrte, hatte es der von ihm mitentwickelte "Phantastische Realismus" bereits zu großer Beliebtheit gebracht. Neben Fuchs und Lehmden sowie Rudolf Hausner und Wolfgang Hutter schloss das Publikum auch Brauers Werk bald ins Herz.

Sein figurativer Stil war von Anfang an sehr farbenfroh. Die fantastischen Aspekte äußerten sich etwa in Form von zumeist orientalisch beeinflussten Paradieswelten oder fliegenden -Fabelwesen. Eine große Liebe zum Detail und der Einsatz von Lasuren und Lichtschleiern sind ebenfalls charakteristisch für das Werk Brauers.

Seine häufig geheimnisvoll und fremd anmutenden Bilder sorgten bald auch über Frankreich und Österreich hinaus für Furore. Spätestens ab den 1970er-Jahren stellte Arik Brauer weltweit erfolgreich aus, etwa in New York, Tokio oder London.
Als Liedermacher polarisierte Brauer häufig.
Protest- und Dialektsänger
Zwar blieb Arik Brauer in erster Linie Maler. In Österreich ist er einer breiteren Öffentlichkeit aber auch als Sänger bekannt. Ab den späten 1960ern entstanden zahlreiche Alben. Mit Liedern wie "Sie ham a Haus baut" wurde er zu einer zentralen Figur bei der Entstehung des Austropop.

Neben den eher witzig gehaltenen Dialektliedern äußerte Brauer auch seinen Protest gegen gesellschaftliche Missstände in Liedern wie dem "Petroleumlied" - und machte sich damit nicht nur Freunde. Wie er auf seiner Homepage schreibt, veranlassten ihn die Drohbriefe, die er aufgrund seiner Lieder erhielt, sogar zum Kauf einer Waffe.
Arik Brauer vor der Fassade der Kirche am Tabor in Wien, deren Tryptichon er gestaltete (Bild: APA/Hans Techt/HPK)
Der vielseitige Künstler war auch als Architekt tätig.
Spätere Jahre: Architekt und Professor
Während sein Erfolg als Maler ungebrochen war, widmete sich Arik Brauer in späteren Jahren vermehrt der Architektur. Neben theoretischen Arbeiten realisierte er in Wien mit dem "Brauer-Haus" und der Fassadengestaltung einer Kirche in der Leopoldstadt zwei bedeutende praktische Projekte.

1986 kehrte Brauer an die Akademie zurück. Er wurde als Professor an seine einstige Ausbildungsstätte berufen. Bis zu seiner Emeritierung 1997 erfüllte er diese Aufgabe mit großer Freude, wie er selbst sagt.

Arik Brauer erhielt für sein Schaffen zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Österreichische Ehrenkreuz 1. Klasse. Er lebt heute mit seiner Frau Naomi, die ihm drei Töchter schenkte, in Wien und Israel.
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