Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Vatertiger mit zwei Jungen (Bild: Norbert Potensky)
Schönbrunn
Tigermännchen kümmert sich um Nachwuchs
Im Tiergarten Schönbrunn hat der Vater der Tigerzwillinge die Rolle des toten Weibchens übernommen. Diese "familiäre" Zuneigung sei bei Tigermännchen ungewöhnlich, hieß es vom Tiergarten.
Vater zeigt sich "familienfreundlich"
Das Gehege der Sibirischen Tiger im Tiergarten Schönbrunn ist derzeit Schauplatz einer ungewöhnlichen tierischen Familiengeschichte. Nach dem Tod des Weibchens übernahm das Vatertier überraschend ihre Rolle und sorgt nun für die acht Monate alten Tigerzwillinge.

Der Tiger und sein Nachwuchs bauten ein enges Verhältnis zueinander auf und verbringen viel Zeit gemeinsam. Der Vater und die Jungtiere spielen und raufen miteinander, wie der Tiergarten Schönbrunn mitteilte. Sie zeigen auch typisches Sozialverhalten - wie gegenseitiges Ablecken und Zusammenstecken der Köpfe.
Tiger mit zwei Jungtieren (Bild: Norbert Potensky)
Normalerweise leben Tigermännchen als Einzelgänger.
Sehr untypisches Verhalten
Dieses Verhalten sei bei Tigermännchen sehr untypisch, sagte ein Veterinärmediziner des Zoos gegenüber wien.ORF.at. In freier Wildbahn leben die Tiere als Einzelgänger und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Weibchen. Auch in Zoos bauen die Männchen nur selten ein Nahverhältnis zum Nachwuchs auf.

In Schönbrunn war zuvor auch die Beziehung zwischen der Mutter und dem Vater der Zwillinge außergewöhnlich eng. Deshalb entschied man sich nach dem Wurf, den Vater nicht wie üblich von der Mutter mit ihren Jungen zu trennen.
Tigervater (re.) mit Nachwuchs im Tiergarten Schönbrunn (Bild: Norbert Potensky)
Die zwei jungen Tiger beim Spielen (Bild: Norbert Potensky) Mutter zum Jahreswechsel eingeschläfert
Gegen Ende des vergangenen Jahres verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Weibchens zusehends. Mehrere unheilbare Tumore führten schließlich zum Entschluss, das Tier von seinem Leid zu befreien. Am 31. Dezember 2008 wurde es eingeschläfert.

Die jungen Tiger waren zu diesem Zeitpunkt schon "aus dem Gröbsten heraus", wie es im Zoojargon heißt. Sie hätten auch ohne elterliche Zuwendung überleben können. Trotzdem übernahm das Vatertier die Rolle des Weibchens und kümmert sich seither um seinen Nachwuchs.
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