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MI | 11.04.2012
Honsik
GERICHT
Holocaust-Leugner fühlt sich "nicht schuldig"
Erneut hat sich Holocaust-Leugner Gerd Honsik am Montag wegen NS-Wiederbetätigung vor Gericht verantworten müssen. Er bekannte sich nicht schuldig. Zu seiner Verteidigung trug er vor Gericht eine Ballade vor. Der Prozess wurde vertagt.
Honsik betonte, immer aus Überzeugung gehandelt zu haben.
Staatsanwalt spricht von "Geschichtsfälscher"
Ausgerechnet am 120. Geburtstag von Adolf Hitler begann der Prozess gegen Honsik wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung. "120 Jahre nach seiner Geburt gibt es immer noch Leute, die Hitlers Gräueltaten leugnen. Das ist nicht nur traurig, sondern auch gefährlich", bemerkte Staatsanwalt Stefan Apostol in seinem Eröffnungsvortrag.

Honsik sei nicht "irgendein kleiner Nazi", sondern "einer der führenden Revisionisten", ein "Geschichtsfälscher" und "Blender", dem es darum gehe, in seinen Schriften "nationalsozialistisches Gedankengut wiederaufleben zu lassen". Gerade bei "Leuten mit niederer Bildung, die arbeitslos sind" finde er damit Anklang, stellte der Staatsanwalt fest.
Gerd Honsik
Verfahren auf drei Tage anberaumt
Honsik: "Habe nie etwas Falsches gesagt"
Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Honsik erklärte vor Gericht, er habe nie bewusst etwas Falsches gesagt, sondern immer aus Überzeugung gehandelt. Er sei nie Rassist, Antisemit und Nationalsozialist gewesen. "Herr Staatsanwalt, Sie haben es mit einem Humanisten zu tun", so Honsik.

Zum Beweis für seine Schuldlosigkeit trug Honsik, der als Berufsbezeichnung Schriftsteller angab, unter anderem eine selbstverfasste Ballade vor, wobei ihn hörbar die Rührung überkam und ihm die Stimme zu versagen drohte.

"Und? Was soll das jetzt?" fragte sich der vorsitzende Richter nach dem Vortrag. "Zum Beweis, dass ich kein Antisemit bin", bemerkte Honsik.
1992 verurteilt, dann geflüchtet
Honsik war bereits im Jahr 1992 auf Basis seines Buchs "Freispruch für Hitler?" von Wiener Geschworenen wegen Wiederbetätigung zu eineinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt worden.

Statt die Strafe anzutreten, setzte er sich während des offenen Rechtsmittelverfahrens nach Spanien ab, wo er 15 Jahre unbehelligt blieb und - so der Vorwurf der Anklagebehörde - weiter seinen Ruf als führender Publizist der rechtsextremen Szene gefestigt haben soll.
Tatzeitraum von 1987 bis 2003
Die Staatsanwaltschaft lastet dem mittlerweile 68-Jährigen an, während seiner Flucht in seiner Zeitschrift "Halt", in Büchern und im Internet weiter nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet zu haben. Der Tatzeitraum erstreckt sich von 1987 bis 2003. Die 90 Seiten dicke Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wien umfasst 28 Anklagepunkte.

Auf Basis eines Europäischen Haftbefehls war der 68-Jährige im August 2007 bei Malaga festgenommen und ausgeliefert worden. Das Wiener Oberlandesgericht bestätigte im Dezember 2007 die 1992 verhängte Strafe, die der gesundheitlich angeblich angeschlagene Honsik zur Gänze verbüßt hat. Seither sitzt er wieder in U-Haft.
Ankläger geht von einer "besonderen Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung" aus.
Honsik: Gaskammern nicht bestritten
Die Verteidigung beruft sich darauf, dass Honsik die NS-Verbrechen nie geleugnet habe, er habe sie lediglich bestritten. Das sei ein gewaltiger Unterschied.

Honsik erklärte weiters, er habe nicht grundsätzlich die Existenz von Gaskammern bestritten, sondern lediglich festgestellt, die angeblich im Vernichtungslager Auschwitz zum Einsatz gelangte Kammer wäre nur eine "Attrappe" gewesen. Was beispielsweise im in Südpolen gelegenen Lager Sobibor geschah, habe er nie beurteilt.

Im Fall eines Schuldspruchs drohen Honsik jetzt bis zu 20 Jahre Haft, da der Ankläger von einer "besonderen Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung" ausgeht. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt. Das Urteil soll am 27. April gesprochen werden.
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