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MI | 11.04.2012
Ariel Muzicant (Bild: APA/Robert Jäger)
POLITIK
Muzicants Goebbels-Vergleich sorgt für Wirbel
IKG-Präsident Ariel Muzicant hat in einem Interview für "Die Presse" FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl mit dem NS-Propagandaminister Joseph Goebbels verglichen. Die FPÖ fordert nun seinen Rücktritt.
Muzicant ortet einen Aufschwung des Rechtsextremismus in Österreich.
Muzicant: "Gehetze erinnert an Goebbels"
"Wenn ich den Herrn (FPÖ-Generalsekretär Herbert, Anm.) Kickl höre, erinnert mich dieses Gehetze und die Sprache an Joseph Goebbels", wird der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Muzicant in der Sonntagausgabe der Tageszeitung "Die Presse" zitiert.

Die FPÖ-Führung bereite den Boden für den Vormarsch des Rechtsextremismus in Österreich systematisch und absichtlich vor, so Muzicant weiter.
Ebensee als Folge der Affäre Graf
Muzicant macht die Politik für die Vorfälle in Ebensee und Antisemitismus in Österreich verantwortlich. Einer jener "Dammbrüche, für die wir jetzt die Rechnung serviert bekommen", sei die Wahl Martin Grafs zum Dritten Nationalratspräsidenten gewesen.

"Ebensee wäre nicht passiert, wenn man in der Affäre Graf gesagt hätte, da ist eine rote Linie, die wird nicht überschritten, der wird nicht gewählt." Dass die FPÖ demokratisch gewählt sei, lässt Muzicant in dem Interview nicht gelten. 1933 sei Adolf Hitler auch demokratisch legitimiert gewesen.
Die FPÖ wird laut Muzicant verharmlost.
"Alle müssten empört aufstehen"
Muzicant nahm auch SPÖ und ÖVP in die Pflicht. Wenn diese Koalitionen mit einer "offen rassistischen und antisemitischen Partei wie der FPÖ für möglich halten, weil die FPÖ ja demokratisch gewählt wurde, dann müssten alle empört aufstehen".

Es sei skandalös, dass SPÖ-Landeshauptleute von Salzburg und der Steiermark ein Taktieren mit der FPÖ in Betracht zogen. Muzicant: "Das ist eine Verharmlosung, die bei Kreisky begonnen hat, bei Kurt Waldheim explodiert ist, bei Jörg Haider weiterging und von Heinz-Christian Strache jetzt maximiert wird."
FPÖ legt Muzicant Rücktritt nahe
Empört über den Vergleich von FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl mit Joseph Goebbels hat die FPÖ reagiert. Dieser Zusammenhang sei "in seiner ganzen Dimension so derartig jenseitig und verantwortungslos, dass er sich entgegen seiner offenkundigen Intention gegen sich selber richtet", sagte FPÖ-Vizechef Norbert Hofer.

Hofer legte Muzicant den Rücktritt nahe: "Wenn ein historisch problematischer Sager eines ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns dazu geführt hat, dass dieser sein Amt aufgeben musste, dann soll sich Herr Muzicant in einem nachdenklichen Moment die Frage stellen, ob dieser Maßstab vor dem Hintergrund seiner aberwitzigen Anschuldigungen im Zusammenhang mit seinem Amt als Präsident der Kultusgemeinde nicht ebenfalls anzuwenden wäre."
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