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MI | 11.04.2012
Kardinal Christoph Schönborn zu Christi Himmelfahrt (Bild: ORF)
KIRCHE
Schönborn: Kreuz "nicht missbrauchen"
Gegen den politischen Missbrauch des christlichen Symbols des Kreuzes hat sich Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn in seiner Predigt zu Christi Himmelfahrt ausgesprochen. Die FPÖ wies die Kritik zurück.
Schönborn stellte die christliche Symbolik des Kreuzes klar.
Kein Kampfsymbol, sondern Zeichen der Liebe
Das Kreuz als "Zeichen der Versöhnung und der Feindesliebe" darf nicht als "Kampfsymbol gegen andere Religionen, gegen andere Menschen" "politisch missbraucht" werden, betonte Schönborn ohne die FPÖ wörtlich zu nennen.

Das Kreuz Jesu sei alles andere als ein Machtsymbol. Freilich hätten auch Christen das Kreuz als Machtsymbol missbraucht. Es gehe aber vor allem darum, im Kreuz "ein Zeichen der Liebe zu sehen, die Gewalt nicht mit Gewalt, Hass nicht mit Hass beantwortet, sondern Hass und Feindschaft durch Hingabe und Verzeihen überwindet".
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Slogan auf FPÖ-Plakat zur EU-Wahl "Abendland in Christenhand" (Bild: ORF) Glaubensloses Abendland ist zu fürchten
Schönborn sprach auch den Slogan "Abendland in Christenhand" an, mit dem für die bevorstehende Europawahl geworben wird. Schönborn: "Meine Frage ist nicht, ob das Abendland in Christenhand bleibt, sondern ob es Christus im Herzen hat. Ein glaubensloses Abendland, das ist zu fürchten."
Schönborn will sich nicht in den Wahlkampf einmischen, mahnt aber christliche Grundwerte ein.
Auf Menschenwürde achten
Der Kardinal erinnerte zugleich auch daran, dass es nicht üblich sei, dass Bischöfe zu Wahldebatten Stellung nehmen. Aufgabe der Bischöfe sei es aber, die christlichen Grundwerte "einzumahnen und notfalls auch einzufordern". Das sehe er auch heute als seine Aufgabe,

Die Gläubigen sollen in politischen Angelegenheiten "nach eigenem Wissen und Gewissen in Freiheit ihre Wahl treffen". So gebe es heute in allen wahlwerbenden Parteien aktive Christen, das sei auch richtig so, "solange die Parteien im Rahmen der Verfassung und der Menschenwürde sind".
Das Christentum in Europa solle an Jesus Christus Maß nehmen, so Schönborn.
Drei Punkte, um schwierige Zeiten zu meistern
Auch er wünsche sich ein Europa, das vom Christentum geprägt ist, so Schönborn weiter, aber "von einem Christentum, das an Jesus Christus Maß nimmt". Es sei die Bergpredigt, die die Gesellschaft "menschenfreundlicher und menschenwürdiger" machen könnte.

Es sei "gut und wichtig", dass es gesellschaftliche Kräfte, auch Parteien, gibt, "die sich für humane und christliche Werte einsetzen". Schönborn nannte drei zentrale Punkte des "gemeinsamen Weges", auf dem die bevorstehenden "schwierigen Zeiten" bewältigt werden könnten:

ein "intensives Bemühen um die Familie, die das sicherste und grundlegendste soziale Netz darstellt", ein "kreativer Schutz des Lebens, des ungeborenen, des behinderten, des kranken, des alten und auch des sterbenden Lebens" und ein "vom Christentum inspirierter Umgang mit den Fremden", also den Verfolgten und den Immigranten.
Strache (Bild: APA/LUDWIG VYSOCAN) FPÖ: "Kein Missbrauch"
Die FPÖ sehe im Kreuz "ein Symbol für eine verbindende europäische Wurzeln, ein ökumenisches Symbol für Frieden, Erlösung und Befreiung eben auch unserer Kultur und unserer Werte", hieß es in einer FPÖ-Aussendung als Reaktion auf die Predigt Schönborns.

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl wies darin die Kritik Schönborns zurück. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache habe das Kreuz als "verteidigenswert gegen Entwicklungen, die genau diese historisch-kulturellen Errungenschaften in Frage stellen, hoch gehalten", hieß es weiter.

Bedauerlich fand es Kickl, das es von Seiten Schönborns keine Silbe der Zurückweisung des "absolut unhaltbaren" Antisemitismus-Vorwurfes gegen die FPÖ gegeben habe. "Wer glaubt, vor einem nicht gegebenen Missbrauch des Kreuzes warnen zu müssen, der täte gut daran, zu einer offenkundig sehr wohl vorhandenen Entgleisung durch unzulässige NS-Vergleiche ein Wort zu verlieren."
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