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MI | 11.04.2012
Desmond Tutu
MENSCHEN
Desmond Tutu ist Ehrendoktor der Uni Wien
Für seinen Beitrag zur Befreiungstheologie hat der südafrikanische Theologe Desmond Tutu an der Uni Wien das Ehrendoktorat erhalten. Der Friedensnobelpreistäger ist auch bekannt für seinen gewaltfreien Widerstand gegen die Apartheid.
Der Rektor der Universität Wien Georg Winckler (li.) und Erzbischof Desmond Tutu (Bild: APA/Georg Hochmuth) Südafrika als Beispiel nehmen
Die Feier fand im Großen Festsaal der Universität statt. In seiner Dankesrede erinnerte Tutu an die historische Entwicklung Südafrikas. "Hier sind wir, ein freies Südafrika, ein demokratisches Südafrika", sagte Tutu.

Die ganze Welt könne am Beispiel Südafrika sehen, was möglich sei. Er erinnerte an noch zu erfüllende humanitäre Aufgaben in Sri Lanka, Burma, Pakistan, Afghanistan, Darfur und Somalia. Außerdem erklärte er, dass er daran glaube, dass eines Tages Juden und Palästinenser Seite an Seite leben würden.
Dekan James Loader, Rektor der Universität Wien Georg Winckler und Erzbischof Desmond Tutu (Bild: APA/Georg Hochmuth)
Versöhnung wird noch Zeit brauchen
"Es ist wunderbar zu sehen, wenn die Kinder in die selben Schulen gehen und es gemischte Ehepaare gibt", sagte der Bischof später im Gespräch mit Kathpress.

Allerdings werde der Versöhnungsprozess zwischen Schwarzen und Weißen noch viel Zeit brauchen. Die Menschen seien mehr als 300 Jahre getrennt worden. Zu glauben, dass es schon nach so kurzer Zeit eine vollständige Versöhnung geben könne, sei "schlichtweg unrealistisch", so Tutu.
Desmond Tutu (Bild: Keystone/Martial Trezzini)
Eine wichtige Rolle spielte Tutu im Kampf gegen die Apartheid.
1984 bekam er den Nobelpreis
Desmond Tutu gilt als einer der weltweit bedeutendsten Theologen. Sein Wirken hat nicht nur in Südafrika, sondern auch international ein großes Echo gefunden. In seiner Theologie geht es vor allem um Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und ein friedliches Zusammenleben.

1984 erhielt Desmond Tutu den Friedens-Nobelpreis für seinen gewaltfreien Einsatz gegen die Rassentrennung. Ein paar Jahre später wurde die Apartheid abgeschafft.
Benefizkonzert in Lutherischen Stadtkirche
In Wien erhielt Tutu das Ehrendoktorat auf Antrag des Dekans der Evangelisch-Theologischen Fakultät, James-Alfred Loader. Der Südafrikaner kämpfte mit Tutu jahrelang gegen die Apartheid.

Aktuell setzt sich Tutu vor allem gegen die Ausbreitung von HIV und Aids in Südafrika ein, wobei ihm die Sorge um Aids-Waisenkinder ein besonderes Anliegen ist. Für diese setzt er sich mit seiner "Desmond Tutu HIV Foundation" ein.

Am Samstag gibt es dafür in der Lutherischen Stadtkirche ein Benefiz-Konzert, bei dem auch Tutu anwesend sein wird.
Desmond Tutu
Desmond Mpilo Tutu wurde am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klerksdorp in Transvaal geboren. Sein Vater vom Stamm der Xhosa konvertierte zum anglikanischen Glauben. Tutu wurde 1961 zum anglikanischen Priester geweiht, danach lebte und studierte er viele Jahre in Großbritannien und Pretoria.
Wurde 1986 Erzbischof von Kapstadt
1975 kehrte Tutu endgültig nach Südafrika zurück und geriet schon bald in Konflikt mit der Regierung, die er für die blutigen Rassenunruhen 1976 in Soweto verantwortlich machte. 1977 wurde Tutu Bischof von Lesotho. Ein Jahr später wählte ihn der Südafrikanische Kirchenrat (SACC), eine der wichtigsten Institutionen im Kampf gegen die Rassentrennung, zum Generalsekretär.

Den Höhepunkt seiner geistlichen Karriere erreichte Tutu 1986, als er zum Erzbischof von Kapstadt ernannt und damit als erster Schwarzer Oberhaupt der anglikanischen Kirche in Südafrika wurde.
Bei seinen farbigen Landsleuten wurde Tutu zum Volkshelden, der Regierung war er ein Dorn im Auge.
Mehrmals Pass abgenommen
Die Behörden zogen dem streitbaren Geistlichen mehrmals den Pass ein. Doch Tutu ließ sich in seinem Kampf gegen das Apartheidregime nicht beirren. Als dann Präsident Frederik Willem de Klerk im Herbst 1989 den Dialog mit der schwarzen Bevölkerung aufnahm, war Tutu einer seiner ersten Gesprächspartner.

Tutu wurde zu einem der entschiedensten Gegenspieler der regierenden Nationalen Partei (NP). Obwohl sein Pass mehrfach konfisziert wurde, ließ sich der gewandte Redner nicht davon abhalten, in alle Welt zu reisen und dort die Apartheid zu geißeln.

Tutus Buch "God has a Dream", in dem er die Grundzüge seiner Theologie darlegt, wurde in zahlreiche europäische Sprachen und darüber hinaus ins Russische und Chinesische übersetzt.
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