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MI | 11.04.2012
Buch
KULTUR
ÖNB übernimmt Bibliothek von Schnitzler
Rund 8.000 Bücher aus der Bibliothek von Arthur Schnitzler gehen im Juli an die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) zurück. Schnitzlers Bücher waren 1940 von der Gestapo beschlagnahmt worden.
1940 "der Nationalbibliothek zur weiteren Verwertung überlassen".
Ein Stück österreichische Zeitgeschichte
Mit dieser von Schnitzlers Sohn Heinrich Schnitzler testamentarisch verfügten Übergabe der Bücher an die ÖNB werde nun eine "wertvolle Bibliothek wieder zusammengefügt, deren Schicksal Österreichs Zeitgeschichte widerspiegelt", heißt es in einer Aussendung.

1940 war die Bibliothek des 1931 verstorbenen jüdischen Schriftstellers durch die Gestapo beschlagnahmt und - wie es in einem Schreiben der Gestapo heißt - "der Nationalbibliothek zur weiteren Verwertung überlassen" worden.

Im Jahr 1946 habe der Schauspieler und Regisseur Heinrich Schnitzler seine Rückstellungsforderung an die ÖNB gerichtet.
Trotz Raubs durch die Gestapo Bücher an Nationalbibliothek vermacht.
Sohn erhielt auffindbare Werke zurück
"Der Restitutionsfall scheint symptomatisch für den Umgang der Profiteure mit ihrer Rückstellungsverpflichtung in der Nachkriegszeit: Man anerkannte zwar den Anspruch, agierte jedoch äußerst zögerlich und ließ dem Geschädigten gegenüber jede Einsicht des begangenen Unrechts vermissen", heißt es seitens der ÖNB.

Heinrich Schnitzler erhielt 1947 die noch auffindbaren Werke der Bibliothek seines Vaters zurück, habe sich jedoch "sehr enttäuscht von der unverschämten Behandlung seitens der Rückstellungspflichtigen" gezeigt, heißt es weiter.

Trotz des Verlusts eines Drittels seiner Bibliothek und der unbestritten aktiven Rolle, welche die Nationalbibliothek beim Raub seines Eigentums eingenommen hatte, habe Schnitzler sich der ÖNB dennoch verbunden gefühlt.
Schlampige Suche in der Nachkriegszeit
Testamentarisch vermachte er der Nationalbibliothek seine gesamte Bibliothek, das theaterwissenschaftliche Material sowie die Originalhandschrift der "Liebelei". Etwa die Hälfte der Bibliothek wurde bereits nach seinem Tod 1982 übernommen.

Doch erst lange nach Heinrich Schnitzlers Tod habe sich dessen Vermutung bewahrheitet: Bei der Suche der beschlagnahmten Werke in der Nachkriegszeit war nicht genau gearbeitet worden.

So wurden im Zuge der von Generaldirektorin Johanna Rachinger bei ihrem Amtsantritt initiierten Provenienzforschung weitere Objekte aus der Bibliothek Arthur Schnitzlers ausfindig gemacht und 2005 an Heinrichs Witwe Lilly Schnitzler restituiert.
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