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MI | 11.04.2012
Aufstand im Ghetto (Bild: Jüdisches Museum Frankfurt)
Das Leben und der Nazi-Terror im Warschauer Judenghetto
KULTUR
Ausstellung: Nazi-Gräuel als Zeichnungen
Beklemmende Bilder von Teofila Reich-Ranicki zeigt das Jüdische Museum. Die Künstlerin verarbeitete darin ihre Zeit im Ghetto. Die Sammlung wird ganz selten ausgestellt. Zu sehen sind die Werke am Judenplatz bis Jänner 2010.
Abgemagerte Kinder (Bild: Jüdisches Museum Frankfurt) Ausgemergelte Kinder und folternde Nazis
Bis auf die Knochen abgemagerte Kinder, prügelnde Nazis und der allgegenwärtige Tod: Reich-Ranicki hielt mit dem Zeichenstift den alltäglichen Schrecken auf Papier fest. Die Künstlerin überlebte als eine von wenigen zusammen mit ihrem Mann, dem deutschen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, das Ghetto in Warschau.

Im November 1940 mussten sie und ihre Familie in den von den Nazis eingerichteten "Judenbezirk" umziehen. Dort betätigte sie sich als Grafikerin. Fast alle Bilder, die jetzt in der Ausstellung im Jüdischen Museum zu sehen sind, stammen aus dieser Zeit. Die meisten entstanden 1942.
Hochzeit am Tag der ersten Deportation
Über 400.000 Menschen sperrten die Nazis ab 1940 in dem Ghetto ein, terrorisierten sie und brachten sie um. Am 22. Juli 1942 begannen die Deportationen der Warschauer Juden in das Vernichtungslager Treblinka. Am selben Tag gaben einander Teofila Langnas und Marcel Reich-Ranicki im Ghetto das Jawort.
Teofila und Marcel Reich-Ranicki (Bild: Jüdisches Museum Frankfurt)
Polnische Künstlerin mit jüdischen Wurzeln
Teofila Langnas wurde am 12. März 1920 in der polnischen Stadt Lodz geboren. Nach der Schule sollte sie in Paris Kunst studieren, doch der Einmarsch der deutschen Truppen in Polen machte das unmöglich. 1939 floh sie mit ihren Eltern nach Warschau, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte.
Juden warten auf Deportation (Bild: Jüdisches Museum Frankfurt) Selten gezeigte Ausstellung erstmals in Wien
Ein halbes Jahr nach der Hochzeit gelang den beiden am 3. Februar 1943 die Flucht. Sie lebten von da an im Untergrund und überlebten so den Holocaust. Die Mappe mit den Zeichnungen konnten die Reich-Ranickis noch vor ihrer Flucht aus dem Ghetto herausschmuggeln und verstecken lassen.

Über 50 Jahre lang hielt die Grafikerin ihre Arbeiten unter Verschluss. Erst 1999 wurden sie erstmals öffentlich gezeigt. Zusammengestellt wurde die Schau vom Jüdischen Museum in Frankfurt. Das Jüdische Museum Wien übernimmt nun diese rare Ausstellung.
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