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MI | 11.04.2012
Harald Gremel, Leiter der Aktion "Geisterwald" (Bild: APA/Roland Schlager)
CHRONIK
Kinderpornoproduzent festgenommen
Erstmals hat die Polizei im Zuge der internationalen Aktion "Geisterwald" einen Produzenten von Kinderpornos in Österreich ausgeforscht. Ein 41-jähriger Wiener fiel dabei durch besonders schweren Missbrauch auf.
Die Mutter des Kindes gab an, vom Missbrauch nichts bemerkt zu haben.
Wiener fiel als besonders brutal auf
"Er war der Star des Forums", beschrieb Harald Gremel vom Bundeskriminalamt (BK) den 41-jährigen Wiener. Er sei durch besonders schweren Kindesmissbrauch, seine aggressive Sprache und seine Brutalität aufgefallen. Der Vater dreier eigener Kinder soll demnach seine Taten in einem pädophilen Internet-Forum angekündigt und am Tag darauf Aufnahmen davon angeboten haben.

Der Verdächtige wurde bereits im Mai verhaftet. Die Mutter des von ihm missbrauchten Mädchens will nichts mitbekommen haben. Es sei ihr aber "komisch" vorgekommen, dass der Mann mit ihrer Tochter in einem Zimmer schlief und dieses auch absperrte, wie sie bei den Einvernahmen aussagte.
Opfer sind acht bis zwölf Jahre alt.
Zwei Festnahmen in Kärnten und Vorarlberg
Dem Mann auf die Spur kam das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) im Jänner, seit Mai ermittelten auch österreichische Kriminalisten. Jetzt wurden neben dem Wiener noch zwei Männer in Kärnten und Vorarlberg festgenommen. Auch sie sollen Kinder missbraucht und fotografiert haben. Anders als der Wiener Verdächtige sollen sie aber keine Aufnahmen in das Forum gestellt haben.

Die missbrauchten Kinder, zwei Mädchen und ein Bub, sind acht bis zwölf Jahre alt. Sie stammen aus der Verwandtschaft und dem nahen Umfeld der mutmaßlichen Täter.
Aktion unter der Leitung des deutschen BKA in mehreren Ländern.
"Geisterwald": 178 Hausdurchsuchungen
Alle drei Verdächtigen waren in einem gut getarnten und abgesicherten Kinderporno-Internet-Forum aktiv. Die Festnahmen fanden im Rahmen der Aktion "Geisterwald", benannt nach einem pädophilen Internet-Forum, statt, die das BK Wien gemeinsam mit Landeskriminalämtern und dem BKA in der Nacht auf Mittwoch durchgeführt hatte.

Insgesamt wurden bei der Aktion 22 Verdächtige festgenommen, darunter neben den drei in Österreich zwölf in Deutschland. 178 Hausdurchsuchungen fanden in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Spanien, Bulgarien, Kanada und den USA statt. Die Ermittler stellten insgesamt etwa 220 Computer und rund 17.000 Speichermedien sicher.

In Deutschland klickten für die Administratoren des Forums die Handschellen. Sie waren selbst an keinen sexuellen Handlungen beteiligt. Der Hauptadministrator sitzt in der Schweiz in Haft. Das Forum wurde am Mittwoch abgedreht. Damit sei die Szene "nicht trockengelegt", sagte Gremel. Die Ermittlungen gingen weiter.
Sichergestellte Computer und Festplatten (Bild: APA/Roland Schlager)
Missbrauchstätern drohen bis zu zehn Jahre Haft.
Hohe Dunkelziffer befürchtet
In der Nacht auf Mittwoch gab es zusätzlich noch Hausdurchsuchungen bei zwei mutmaßlichen Kinderpornokonsumenten in der Steiermark. Sie wurden auf freiem Fuß angezeigt.

Ewald Ebner, zuständiger Büroleiter im Bundeskriminalamt, befürchtet, dass das Anschauen von Kinderpornos nur der erste Schritt von Pädophilen ist. Es bestehe immer die Gefahr, dass sie letztlich auch selbst Kindesmissbrauch begehen.

Ebner befürchtet daher eine hohe Dunkelziffer und weitere noch unaufgeklärte Fälle in Österreich. Die meisten Kinderpornos, die Österreicher anschauen, stammten aus dem Ausland, insbesondere aus Asien, sagte er. Kinderpornokonsumenten drohen nun bis zu drei Jahre Haft, Missbrauchstätern bis zu zehn Jahre.
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