Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Bernhard Keppler (Chemie/l.) und Heinz Mayer (Rechtswissenschaften) (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
BILDUNG
Dekane: Unipolitik "völlig jämmerlich"
Unterstützung haben die Audimax-Besetzer nun von Dekanen der Universität Wien erhalten. Die Politik agiere "völlig jämmerlich", die Studenten hätten mit vielen Forderungen recht.
Dekane sehen vieles ähnlich wie die protestierenden Studenten.
Verschulung, Einschränkung, Behinderung
Die Besetzung von Hörsälen würde den Vorlesungsbetrieb empfindlich stören, sagte der Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Heinz Mayer, am Freitag. Die Besetzer hätten aber mit vielen Forderungen recht.

So herrsche an vielen Fakultäten in unterschiedlicher Intensität die Ansicht, dass der Bologna-Prozess zu einer Verschulung, der Einschränkung der wissenschaftlichen Freiheit und zu verminderten Berufsaussichten führe.
Heinz Mayer (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer) Kritik an Faymann und Hahn
Mayer kritisierte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP): "Unsere Wissenschaftspolitik ist völlig jämmerlich." Was sollten sich Studenten denken, wenn der Kanzler an einem Abend für Zugangsbeschränkungen sei und sich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnere?

Keine Freude hat Mayer auch mit der Bedingung von Hahn, die angekündigten 34 Mio. Euro aus der Ministerreserve ausschließlich für die Lehre zu verwenden: "Dieses Auseinanderdividieren von Forschung und Lehre kann nicht sein."
Statt Unibudget bis 2020 lieber fünfjährigen Finanzplan.
34 Mio. "Etikettenschwindel"
Unter anderem in diesem Punkt erhielt Mayer Schützenhilfe von Heinz Fassmann, dem Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geografie und Astronomie: "Wir sprechen am Sonntag über Forschung und Lehre als Treibstoff einer rohstoffarmen Gesellschaft, und am Montag haben wir es schon vergessen."

Fassmann forderte einen verbindlichen fünfjährigen Finanzplan statt einer Erhöhung des Unibudgets bis 2020. Man müsse den Studenten ein Signal geben, dass ihre Anliegen ernst genommen würden.

Dazu zähle auch, den "Etikettenschwindel mit angeblich zusätzlichen 34 Mio. Euro für die Unis zu unterlassen, die ohnehin wieder nur aus dem Unibudget kommen". Wenig hält Fassmann von Hahns Hochschuldialog - "ein Gipfeltreffen mit 51 Personen, wo jeder 35 Sekunden oder eine Minute sprechen darf".
Bis zu 25.000 Euro Kosten für Besetzung pro Tag.
Ministerium statt Audimax besetzen
Auch Mayer forderte die Politik auf, mit den Studenten in einen echten Dialog zu treten. Anstatt sich der Grundsatzfrage der Unifinanzierung zu widmen, habe die Politik bei der letzten Novelle des Universitätsgesetzes bloß diskutiert, wer wie in welchen Gremien vertreten sein solle: "Man hat nur geschaut, wie die eigene Klientel bedient werden kann und welche Maßnahmen nichts kosten."

Die Besetzungen an der Uni Wien kosten laut Mayer 20.000 bis 25.000 Euro pro Tag - "wenn ich das Geld für Investitionen ausgeben könnte", so Mayer.

Aufhorchen ließ er noch mit einer an die Adresse der Audimax-Besetzer gerichteten Aussage: "Wissenschaftsministerium besetzen – wenn schon". Er habe der Vorsitzenden der Hochschülerschaft sogar angeboten, dabei mitzumachen, wenn dafür die Besetzer aus dem Audimax abzögen.
Besetzer bei Hochschuldialog dabei
Bei dem von Wissenschaftsminister Johannes Hahn initiierten Hochschuldialog werden die Besetzer des Audimax vertreten sein. Die grundsätzliche Teilnahme wurde in einem Plenum fixiert, die Form ist noch offen.

Insgesamt sind Räume an zehn Hochschulen besetzt, drei Abgeordnete müssen bestimmt werden. Diese Details werden bei einem Treffen noch geklärt.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News