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MI | 11.04.2012
Achim Benning
MENSCHEN
Ex-Burgtheater-Chef Achim Benning wird 75
Zehn Jahre lang, von 1976 bis 1986, war er Direktor des Burgtheaters. Am Mittwoch feierte Achim Benning seinen 75. Geburtstag. Der ehemalige Theaterleiter, Schauspieler und Regisseur lebt nach wie vor in Wien.
Benning öffnete das Burgtheater in alle Richtungen.
Theater sanft entstaubt
Die Burg hatte er sanft entstaubt, indem er auch Regisseure wie Hans Neuenfels, Dieter Dorn, Peter Palitzsch und Adolf Dresen holte. Zudem öffnete Benning das Haus für zeitgenössische Autoren.

So brachte er unter anderem Stücke der tschechischen Dissidenten Vaclac Havel und Pavel Kohout auf die Bühne und engagierte Schauspieler aus dem "Osten".
Noch vor seiner Direktionszeit war Benning als Schauspieler und Regisseur an dem Theater engagiert.
1959 als Schauspielschüler an die Burg
1935 als Sohn eines Ingenieurs in Magdeburg geboren, verbrachte Benning seine Jugend in Braunschweig. Von 1955 bis 1960 studierte er in München und Wien Germanistik, Geschichte und Philosophie und absolvierte gleichzeitig das Max Reinhardt Seminar.

1959 wurde er von Ernst Haeusserman als Schauspielschüler ans Burgtheater geholt, wo er bald zum Ensemblemitglied avancierte. Zu seinen erfolgreichsten Rollen an der Burg gehörten unter anderem der Malcolm in Shakespeares "Macbeth", der Bürgermeister in Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" sowie die Titelrolle in Molieres "Der Geizige". Außerdem vertrat er als Ensemblevertreter die Interessen der Schauspieler.

Sein Regiedebüt gab Benning 1972 - unter der Direktion von Gerhard Klingenberg -
mit der Uraufführung von Wolfgang Hildesheimers "Mary Stuart". Es folgten Inszenierungen wie Strindbergs "Totentanz", Gorkis "Sommergäste" und Nestroys "Heimliches Geld, heimliche Liebe".
Von Unterrichtsminister Sinowatz bestellt
"Notlösung" statt Thomas Bernhard
Nach dem Abgang Klingenbergs übernahm Benning ab der Saison 1976/77 die Direktion des Burgtheaters. "Wir hatten damals im Ensemble ein ziemlich dickes Papier erarbeitet, in dem wir für sämtliche Bereiche Vorstellungen definiert haben, was sich ändern muss", erinnert sich Benning in einem Interview mit der "Presse".

"Daran war eine Reihe von Leuten beteiligt, ich war halt ein bisschen mehr tätig als die anderen, was die Formulierungen und was die Komposition dieses Konzepts betraf."

Er habe erst spät erfahren, "dass Thomas Bernhard ganz versessen darauf war, Burgtheaterdirektor zu werden. (...) Als Unterrichtsminister Sinowatz dann aber mich bestellte, galt ich den meisten als Notlösung.
"Ein langes Entschuldigungstelegramm von Sinowatz an Bernhard, in dem er die gewählte "Hauslösung" verteidigte, ist derzeit in der Thomas Bernhard-Schau im Theatermuseum zu sehen.
Inszenierungen auch unter Peymann
Nach seinem Abschied als Direktor blieb Achim Benning während der Ära seines Nachfolgers Claus Peymann dem Burgtheater als Regisseur treu. So realisierte er etwa Nestroys "Umsonst" (1987) sowie Gorkis "Kinder der Sonne" (1988).

1989 folgte Benning einer Berufung als Direktor ans Schauspielhaus Zürich. Nach einem Disput mit den Züricher Stadtvätern über die finanzielle Ausstattung des Theaters warf Benning 1992, zwei Jahre vor Ende seines Vertrags, das Handtuch. Danach war der Spezialist für Nestroy, Feydeau, Tschechow und Schnitzler als freier Regisseur, unter anderem auch weiter an der Burg, tätig.
Birgit Doll und Karlheinz Hackl im Cechov-Stück "Platonov"
Am Akademietheater war unter anderem 1995 Bennings erfolgreiche Inszenierung von Tschechows "Platonov" zu sehen.
Benning: "Wenn man alt ist, ist man alt"
Benning, der verheiratet ist und drei Kinder hat, wurde 1976 zum Kammerschauspieler ernannt. 1981 wurde er mit der Kainz-Medaille der Stadt Wien ausgezeichnet.

Heute arbeite er nicht mehr für das Theater und lese auch lieber, als ins Theater zu gehen, sagte er der "Presse": "Man muss wissen, wann die eigene Zeit vorbei ist. Wenn man alt ist, ist man alt. Aus."
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