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MI | 11.04.2012
Götz Kauffmann (Bild: ORF)
LEUTE
Wiener Original Götz Kauffmann gestorben
Ob als Mundls Freund Kurti oder als Kaisermühlner Bezirksrat Gneisser: Götz Kauffmann schrieb TV-Geschichte. Auch auf Theater- und Kabarettbühnen war er zu Hause. Am Dienstag ist er 61-jährig in Wien verstorben.
Szene aus dem "Kaisermühlen Blues" mit Götz Kauffmann (Bild: ORF)
Seine Paraderollen lieferte Kauffmann bei "Mundl" und in "Kaisermühlen-Blues".
"Ein echter Wiener geht nicht unter"
Kauffmann war zwar nie an ganz vorderster Front, dennoch prägte er wie kaum ein anderer die Serienlandschaft im österreichischen Fernsehen. Er war in zwei der größten Erfolgsserien der ORF-Geschichte zu sehen. In "Ein echter Wiener geht nicht unter" spielte Kauffmann den Hausmeister Kurti - die Dialoge zwischen Mundl und ihm wurden zum Kult.

Nicht minder einprägsam war Kauffmanns Darstellung des tollpatschigen SPÖ-Bezirksrats Gneisser in "Kaisermühlen-Blues". Gemeinsam mit seinem ÖVP-Konterpart Schoitl (Peter Fröhlich) schmiedete er 64 Folgen lang hochtrabende Pläne, die zumeist grandios scheiterten. Die beiden Politiker wurden damit zu Aushängeschildern der beliebten Serie.

Auch in weiteren Fernsehproduktionen wirkte er mit. Dazu zählen etwa Peter Turrinis "Alpensaga", "Mozart und Meisel" sowie "Dolce Vita & Co". Im Filmsektor war er in den "Geschichten aus dem Wienerwald" zu sehen. Zuletzt schaffte sein Hausmeister Kurt im Jahr 2008 in "Echte Wiener - Die Sackbauer Saga" den Sprung auf die Kinoleinwand.
Götz Kauffmann in "Ein echter Wiener geht nicht unter" (Bild: ORF)
"Ein echter Wiener geht nicht unter": Karl Merkatz (Edmund "Mundl" Sackbauer) und Götz Kauffmann (Kurt Blahovec).
Götz Kauffmann (mitte) als schusseliger Bezirksrat Gneisser im "Kaisermühlen-Blues" (Bild: ORF)
Kauffmann als schusseliger Bezirksrat Gneisser in "Kaisermühlen-Blues".
Der vielseitige Kauffmann agierte vor der Kamera genauso souverän wie auf der Bühne.
Gelernter Orgelbauer und Schauspieler
Kauffmann wurde am 15. Jänner 1949 als Sohn eines bekannten Orgelbaumeisters in Wien geboren. Zunächst erlernte auch er das Handwerk des Orgelbaus, entschied sich jedoch bald für eine Karriere als Schauspieler. 1972 schloss er seine Ausbildung am Reinhardt-Seminar ab.

Neben seiner Rolle in der "Mundl"-Serie wirkte Kaufmann bis 1977 am Landestheater Salzburg. Auch in der Wiener Theaterszene war Kauffmann nicht unbekannt. Ab 1977 war er zum Beispiel am Raimundtheater und dem Volkstheater zu sehen. Im Rahmen der Festwochen spielte er 1980 gleich 42 Rollen in "Die letzten Tage der Menschheit".

Als Kabarettist konnte Kauffmann ebenfalls reüssieren. Nach anfänglichen Kooperationen mit Werner Schneyder und Lotte Lorenz brachte er 1983 mit "Götz-Zitate" sein erstes Soloprogramm auf die Bühne. Zahlreiche weitere Programme folgten im Laufe der 80er und 90er Jahre.
Höhen im Berufs-, Tiefen im Privatleben
Im privaten Bereich verlief das Leben Kauffmanns nicht immer so erfolgreich wie im Beruf. Kaum ein Schicksalsschlag blieb ihm erspart. Viele Jahre in seinem Leben waren geprägt von Alkoholexzessen. Kauffmann war außerdem dreimal verheiratet. Alle Ehen scheiterten.

Der Star musste auch zwei Konkursverfahren über sich ergehen lassen, litt an schweren Depressionen und verbrachte mehrere Monate in einer psychiatrischen Anstalt. Auskunft über diese Tiefflüge gab der Freimaurer Kauffmann in seiner Autobiografie.

Damit nicht genug, litt Kauffmann auch an Diabetes. Doch seinen Schmäh hatte sich Kauffmann bis zuletzt erhalten. Wie er in einem Interview sagte, nütze es nicht wehzuklagen. "Denn wenn ich mich wegen jedem Schas, der mich zwickt, aufregen würde, brauche ich mit dem Jammern gar nimma aufhören."
Merkatz würdigt "aufrechten Kollegen"
In zahlreichen Reaktionen haben Schauspiel-Kollegen und Politiker Götz Kauffmann gewürdigt. Karl Merkatz, langjähriger Serienkollege von Götz Kauffmann, bezeichnete ihn als "aufrechten Kollegen".

"Wir haben einander sehr, sehr lange gekannt und waren sehr befreundet", so Merkatz. Kauffmann sei "zu früh" verstorben, er habe durch sein langjähriges Leiden eine "schwere Last" erfahren.
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