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MI | 11.04.2012
Christian Stürmer (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)
KULTUR
Bundeshymne: Streit über Stürmer-Version
Um eine Version der Bundeshymne, gesungen von Christina Stürmer im Rahmen einer PR-Kampagne des Unterrichtsministeriums, ist ein Rechtsstreit entbrannt. Die Erben der Textdichter verlangen Unterlassungserklärungen.
Verlag spricht von einer Textänderung.
"Eingriff in Persönlichkeitsurheberrecht"
Stürmer singt in ihrer Version von der Heimat "großer Söhne und Töchter". Diese Textänderung, im Original ist nur von Söhnen die Rede, sei ein "Eingriff in das Persönlichkeitsurheberrecht", sagte Ulrich Schulenburg, Geschäftsführer des Sessler-Verlags, der die Erben der Textdichterin Paula von Preradovic vertritt.

Zudem hält Schulenburg eine "poppige Version" der Bundeshymne generell für eine Absurdität: "Das kann nicht im Sinne des Staates sein." Der Verlag vertritt auch die Erben von Victor Keldorfer und Max Schönherr, von denen die Chor- und Orchesterbearbeitung der ursprünglich Wolfgang Amadeus Mozart zugeschriebenen Freimaurerkantate stammt.
Textblatt der Bundeshymne (Bild: APA/Günter R. Artinger) Werk soll "unangetastet" bleiben
Der Verlag verlangt nun über Rechtsanwalt Georg Zanger von Stürmer und dem Unterrichtsministerium binnen drei Tagen Unterlassungserklärungen.

Sollten diese bis Montag nicht eintreffen, werde er eine Unterlassungsklage einbringen, so Zanger. Gleichzeitig sollen dann die Ansprüche der Erben per einstweiliger Verfügung durchgesetzt werden. In der Causa gehe es nicht um Geld, sondern darum, "dass das Werk unangetastet bleibt", so Zanger.
Anwälte sprechen von notwendig gewordener sprachlicher Anpassung.
Anwälte: Keine Bearbeitung, nur Anpassung
Die Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner, die die für die Kampagne zuständige Agentur Lowe GGK vertritt, zeigt sich über die Aufregung verwundert. Von Preradovic habe alle Rechte am Text an die Republik übertragen, so Gerald Ganzger.

Bei dem Zusatz "und Töchter" handle es sich nicht um eine Bearbeitung, sondern um eine bloße Anpassung. Diese sei durch die Sensibilisierung im Umgang mit Sprache notwendig geworden. Durch den Zusatz seien weder Sinn noch Qualität des Textes verändert worden.
Ministerium bleibt gelassen
Das Unterrichtsministerium will die Kampagne trotz der angekündigten Unterlassungsklage nicht stoppen. "Wir stehen etwaigen rechtlichen Schritten vollkommen gelassen gegenüber", sagte eine Sprecherin von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ).

Stürmer selbst hat sich zu den rechtlichen Aspekten nicht geäußert, sagte aber im Interview mit Ö3, dass sie mit "viel Reaktionen" gerechnet habe.
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