Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Schwangerschaftstest (Bild: Fotolia/Rob Byron)
GESELLSCHAFT
Fristenlösung: Streit auch nach 35 Jahren
Seit 35 Jahren gibt es die Fristenlösung in Österreich. Ex-SPÖ-Frauenministerin Johanna Dohnal forderte nun erneut Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche auf Krankenschein. Doch diese Haltung polarisiert.
Kritik: Abtreibung in Wien de facto privatisiert.
Kein ausreichendes Angebot
Für eine "Entkriminalisierung" sprach sich Dohnal im Zuge einer Pressekonferenz aus. Es gebe für Frauen auch jetzt noch "eklatante pragmatische Rückschritte", wobei derzeit immer wieder das Krisenargument angeführt werde.

Ein Schwangerschaftsabbruch gelte nach wie vor als Verbrechen, das nur unter bestimmten Bedingungen straffrei sei, kritisierte auch Monika Vana, nicht amtsführende Stadträtin und Frauensprecherin der Grünen in Wien.

Stattdessen müsse dieser endlich zu einer normalen, medizinischen Leistung werden, die - wie in vielen anderen europäischen Ländern - von den Krankenkassen bezahlt werden solle. In Wien sei Abtreibung de facto privatisiert, da es bis auf die Semmelweisklinik in den öffentlichen Spitälern kein ausreichendes Angebot gebe.
Österreich ist Spitzenreiter bei Abbrüchen
Österreich zählt mit 30.000 bis 40.000 Abbrüchen laut Christian Fiala, Leiter des Gynmed-Ambulatoriums, jährlich zu den Spitzenreitern Europas. Schuld daran sei unter anderem, dass Verhütungsmittel hierzulande nicht auf Krankenschein zu bekommen seien, verwies der Mediziner auf die kürzliche Debatte über die rezeptfreie Abgabe der "Pille danach".

Außerdem sei die Sexualerziehung mangelhaft, begleitende Maßnahmen fehlten: "Kondomautomaten in Schulen aufzustellen ist momentan politisch nicht einmal diskutierbar."
Gesetz seit 1975
Das im Jänner 1975 verabschiedete Gesetz zur Fristenlösung ermöglicht Frauen, ihre Schwangerschaft innerhalb der ersten drei Monate straffrei abzubrechen. Ex-SPÖ-Frauenministerin Johanna Dohnal war damals maßgeblich an der Durchsetzung der Regelung beteiligt.
Gegner: Widerstand bei "Neuerungen"
"Vehementesten Widerstand" kündigte unterdessen die Organisation "Aktion Leben" an, wenn der Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetz genommen werden würde. Es sei absolut untragbar und mit der Menschenwürde unvereinbar, Ungeborenen jeglichen Schutz zu entziehen, hieß es.

Die "Aktion Leben" fordert eine jährliche Statistik und regelmäßige Erhebungen über Motive für Schwangerschaftsabbrüche, die Einrichtung eines staatlichen Hilfsfonds für Schwangere in Not sowie kontinuierliche Werbung für Schwangerenberatung.
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