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MI | 11.04.2012
U6 (Bild: Wiener Linien)
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Wiener Linien in Europa Nummer drei
Das Angebot des öffentlichen Verkehrs in Wien hat bei einem europaweiten Test öffentlicher Verkehrsmittel durch Autofahrerclubs unter 23 Kandidaten gut abgeschnitten. Es belegte hinter München und Helsinki den dritten Platz.
Nur München konnte mit Sehr gut bewertet werden.
Wien und zehn andere mit Gut bewertet
Als einzige Großstadt konnte München mit einem Sehr gut bewertet werden. Die Note Gut wurde insgesamt elfmal vergeben, neben Wien unter anderem an Prag, Hamburg, Kopenhagen, Frankfurt und Barcelona.

Neunmal bewerteten die Tester das Angebot als ausreichend, zum Beispiel in Paris, London, Brüssel, Warschau und Oslo. Als mangelhaft bewertet wurde das Angebot in Ljubljana, als sehr mangelhaft in Zagreb.
Euroapaweit einheitliches Testschema
Reisezeit, Umstiegsmöglichkeiten, Information und Ticketpreise waren die Hauptkategorien des Tests. Zunächst riefen die Tester via Internet die Fahrpläne auf und bewerteten dabei gleich auch die Gestaltung der Homepage der Verkehrsbetriebe.

Danach fuhren die Prüfer nach einheitlichem Schema Verbindungen zwischen Stadtmitte und Peripherie ab. Zudem wurden noch die Bahnhöfe und die Verbindungen zwischen Flughafen und Stadtmitte geprüft.
Niederflurwagen der Wiener U-Bahn (Bild: Wiener Linien)
Niederflurwagen der Wiener U-Bahn (Bild: Wiener Linien) Wien: Barrierefreiheit top, hohe Preise
Besonders punkten konnte Wien in Hinsicht auf Barrierefreiheit. Alle zwölf Testhaltestellen waren barrierefrei, auch die Fahrkartenautomaten sind meist in rollstuhlgerechter Höhe angebracht.

Verbesserungsbedarf gibt es laut dem Test in Wien bei der Ausstattung der Bushaltestellen mit Anzeigen zur Ankunftszeit der Busse. Auch die Beschilderung der Haltestellen sei in zu kleiner Schrift gehalten. Die Fahrkartenpreise sind demnach mit 1,80 Euro im Vorverkauf eher hoch. Zu wenig kommuniziert würde die Information über Kurzstreckenfahrten zum halben Preis.

Kritisiert wurde außerdem das Park&Ride-Angebot in Wien. Die Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr sei zwar gegeben, das Parken sei aber zu teuer. Während in Wien-Hütteldorf eine Monatskarte für Park&Ride in Kombination mit einer Zeitkarte der Wiener Linien 46,80 Euro kostet, gebe es in München Monatstickets ab 7,50 Euro.
Öffentliche Verkehrsmittel im Test
* bewertet wurden Fahrzeit, Umstiegsmöglichkeiten, Information und Preise im Nahverkehr.
Verkehrsmittel in München sind am schnellsten.
München informiert in fünf Sprachen
"In München waren nahezu alle Verbindungen schneller als im europäischen Durchschnitt. Die Züge fahren schneller, die Taktdichte ist gegeben und die Umsteigeverbindungen sind gut", fasste Markus Schneider vom ÖAMTC zusammen.

Die Tickets seien aber vergleichsweise teuer, die Beratung dafür sehr kompetent. Umfassende Infos im Internet sind in fünf Sprachen verfügbar.
Schlusslicht Zagreb
Schlusslicht des vom ÖAMTC gemeinsam mit 15 europäischen Schwesternclubs durchgeführten Tests war Zagreb. Alle Verbindungen sind laut dem Test langsamer als im europäischen Vergleich. Der Flughafen ist lediglich mit Bussen erreichbar. Teilweise mangelt es sogar an grundlegenden Dingen wie Fahrplänen und eindeutigen Haltestellennamen.
Wiener Linien verweisen auf günstigen Preis
"Die Wiener Linien zeigen, dass sich ein hervorragendes Angebot und günstige Fahrpreise verbinden lassen", kommentierte Wiener-Linien-Geschäftsführer Michael Lichtenegger die Studie. Er verwies darauf, dass ein Einzelfahrschein in der Siegerstadt München um 50 Cent mehr, in Helsinki gar um 70 Cent mehr als in Wien kostet.

Auch bei den Jahreskarten sind die Wiener Linien im internationalen Vergleich besonders günstig. Bei Kosten von 458 Euro in Wien ist sie nur in Mailand, Budapest und Straßburg günstiger. Am teuersten sind Jahreskarten in Frankfurt (748 Euro), Köln (798 Euro) und London (1176 Euro).
U-Bahn-Ausbau laut FPÖ doppelt so teuer
Platz drei für Wien war der Opposition im Rathaus aber nicht genug: Der dritte Platz sei schön, aber kein Freibrief, um die Hände in den Schoß zu legen, so die Grüne Klubobfrau Maria Vassilakou. Sie forderte neben Intervallverkürzungen und billigeren Tickets auch neue Schnellstraßenbahnen und verbesserte Querverbindungen.

Ähnlich die Meinung der FPÖ: "Wien soll München werden." Die FPÖ unterstellten den Sozialdemokraten, eine Studie nach der anderen aus dem Hut zu zaubern, die besage, "dass die SPÖ Wien sehr super regiert". Dabei gehe der U-Bahn-Ausbau bei gleicher Qualität nur halb so schnell wie in München vonstatten, sei jedoch doppelt so teuer, so Verkehrssprecher Herbert Madejski.
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