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MI | 11.04.2012
Gironcoli (Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)
MENSCHEN
Bildhauer Bruno Gironcoli gestorben
Der Bildhauer Bruno Gironcoli ist am Freitag nach langer, schwerer Krankheit in der Rudolfstiftung gestorben. Der 73-Jährige galt als einer der bedeutendsten österreichischen Künstler der Gegenwart.
Gironcoli-Skulptur (Bild: APA/MARKUS LEODOLTER)
Gironcoli produzierte Unverwechselbare Skulpturen.
Skulpturen stießen auf Unverständnis
Der Bildhauer galt als großer Einzelgänger der österreichischen Kunstszene. Er erregte vor allem durch seine großen Metallskulpturen Aufsehen. Oft sind diese zwei bis drei Meter hoch und wiegen mehrere Tonnen.

Babykörper aus Aluminiumguss auf Edelweißmuster, Kornähren aus Bronze, überdimensionale Blätter aus Stahl: Gironcolis Arbeiten verwundern den Betrachter und trafen oft auf Unverständnis.

Immer wiederkehrende Themen in Gironcolis Skulpturen sind das Weibliche, die Mutter, Geburt, Sex, der Mann, Religion, die Suche nach Glück, das Scheitern und der Tod. Die Bildsprache des Künstlers richtete sich unmittelbar auf die Lebenswelt des Betrachters und integrierte auf unverwechselbare Weise Gebrauchsgegenstände mit kulturellen Symbolen.
Ausstellung in Schloss Herberstein (Bild: APA/Markus Leodolter)
Bei seinen Skulpturen zeigte Gironcoli immer wieder eine Vorliebe für glatte, fließende Oberflächen aus Aluminium oder Bronze.
Bruno Gironcoli (Bild: APA/Hans Klaus Techt) Von Wien nach Paris und wieder zurück
Gironcoli, am 27. September 1936 in Villach geboren, wuchs in Kärnten und Tirol auf. Er studierte nach einer Goldschmiedelehre Ende der 1950er Jahre Malerei an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. Anschließend hielt er sich in Paris auf, wo er in der Arbeit von Alberto Giacometti den wichtigsten künstlerischen Impuls für sich entdeckte.

Nach eigener Aussage versuchte er anfangs, "Gebilde zu erzeugen, die menschliche Umrisse zeigen, sozusagen eine Art Rechtfertigung für die Existenz dieser Beschäftigung".

Mit der Zeit verdichtete Gironcoli seine Objektarrangements zu Skulpturen mit einem barocken Symbolismus. Auf den ersten Blick erinnern die mit glänzenden Metallfarben bemalten Objekte an maschinenartige Altäre, an Raumschiffe aus einer fernen Zeit oder an fantasievolle Streitwagen.
Gironcoli-Skulpturen (Bild: dpa/A2942 Ingo Wagner)
Schwieriger Transport zu Ausstellungen
Gironcoli beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen, seine Arbeiten wurden u. a. in Bochum, Köln, Mailand, Bozen, Edinburgh, Leverkusen, Basel, Genf, Paris, Bologna, Frankfurt, Kassel und Budapest gezeigt.

Große Einzelausstellungen waren aber eher rar, weil das angesichts der Größe seiner Objekte auch eine komplizierte Logistik voraussetzt. Für eine Ausstellung in Budapest musste ein Teil der Mauern ausgebrochen werden, um eine Gironcoli-Skulptur überhaupt ins Museum zu bringen.
Gironcoli-Skulptur in Herberstein (Bild: APA/MARKUS LEODOLTER)
Skulpturen fanden auf Herberstein-Areal Platz.
Gironcoli-Museum in Herberstein
Als Universitätslehrer beeinflusste Gironcoli mit seiner Erweiterung des traditionellen Skulpturbegriffs eine ganze Künstlergeneration. Der Bildhauer leitete bis 2004 die Meisterschule für Bildhauerei der Akademie der bildenden Künste in Wien, der er seit 1977 als Nachfolger von Fritz Wotruba vorstand. 1993 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis, 2003 nahm er an der Biennale in Venedig teil.

Mit Gironcolis Emeritierung musste dringend ein neuer Unterbringungsort für seine überdimensionalen Skulpturen gefunden werden. Nachdem sich ein Depotprojekt in Bad Bleiberg zerschlagen hatte, wurde schließlich eine alte Tenne auf dem Areal von Schloss Herberstein in der Steiermark von Architekt Hermann Eisenköck umgebaut und die Gironcoli-Sammlung dort aufgestellt.

Wie der kürzlich verstorbene Alfred Hrdlicka, der mit seiner fortgesetzten Arbeit mit Hammer und Meißel Raubbau an seiner Gesundheit betrieben hatte, hatten Gironcoli die giftigen Dämpfe der von ihm verwendeten Materialien arg zugesetzt. Er starb nun nach langer schwerer Krankheit und soll in Wien beigesetzt werden.
Kulturstadtrat: "Einzigartige Stellung"
"Wir haben einen der bedeutendsten österreichischen Gegenwartskünstler verloren", erklärte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ). Mit seiner unverwechselbaren Formensprache nehme er im Feld der internationalen zeitgenössischen Skulptur eine einzigartige Stellung ein.
TV-Hinweis
In memoriam Bruno Gironcoli ändert der ORF am kommenden Montag sein Programm: ORF 2 bringt um 23.30 Uhr Otto Brusattis Porträt "Bruno Gironcoli - Der alte Mann und die Ungeborenen".
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