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MI | 11.04.2012
Architekten Friedrich Kurrent, Wilhelm Holzbauer und Johannes Spalt
KULTUR
Schau zur legendären "Architektur-Boygroup"
Ihre Arbeit gilt als Meilenstein der österreichischen Architekturgeschichte: Der legendären arbeitsgruppe 4, bestehend aus Johannes Spalt, Wilhelm Holzbauer und Friedrich Kurrent, ist nun eine Ausstellung gewidmet.
Das Architekturzentrum erinnert an die wegweisende Gruppe.
Architektur in neue Sphären geführt
Auf dem für Ausstellungsplakat und Katalogcover verwendeten Foto von Franz Hubmann ist Johannes Spalt 30 Jahre alt, Wilhelm Holzbauer 20 und Friedrich Kurrent ist 19 Jahre alt.

"So jung hat diese Boygroup eine Rallye gestartet, die die österreichische Architektur in neue Sphären geführt hat. Heute gibt es nur wenige, die wissen, in welcher Breite und Tiefe sie gearbeitet haben", stellte der Leiter des Architekturzentrums Wien, Dietmar Steiner, fest.

"Dabei haben sie die Wiederentdeckung der Moderne betrieben und zugleich an ihrer Fortführung und Überwindung gearbeitet", so Steiner.
Wilhelm Holzbauer (li.), Johannes Spalt (mi.) und Friedrich Kurrent
Auch für ihre Atelierfeste berühmt
1950 wurde die arbeitsgruppe 4 gegründet. Otto Leitner war der Vierte in dem Quartett, das sich von der Salzburger Gewerbeschule her kannte und bei Gründung der Arbeitsgruppe bei Clemens Holzmeister an der Wiener Akademie der bildenden Künste studierte. Er beendete bereits 1953 die Zusammenarbeit.

Als "Dreiviertler" wurde das verbliebene Jungarchitektentrio in der Folge legendär - weniger wegen des (sehr überschaubaren) Umfangs ihres gebauten Werks, sondern wegen ihres ganzheitlichen Ansatzes, der Theorie und Praxis, Bauen und Ausstellen, Gegenwart und Geschichte umfasste.

Zudem waren ihre Atelierfeste berühmt, bei denen die bestens vernetzte arbeitsgruppe 4 die gesamte Wiener Kunstavantgarde jener Zeit empfing.
Ein riesiger Arbeitstisch in der Schau
Die Ausstellung wurde als einziger, gigantischer Arbeitstisch konzipiert, eine Hommage an die damalige Arbeitssituation im Atelier, wie sie in zahlreichen Fotos dokumentiert ist. Auf 27 Metern Länge werden in Modellen, Skizzen, Plänen, Fotos und Zeitungsausschnitten 40 der insgesamt 119 Arbeiten der arbeitsgruppe 4 präsentiert.

Verwirklicht wurde lediglich ein knappes Dutzend davon, darunter epochale Arbeiten wie das Erstlingswerk einer Kirche in Salzburg-Parsch, in dem die arbeitsgruppe 4 in ihrer architektonischen Gestaltung Ergebnisse des vatikanischen Konzils bereits vorwegnahm.
Perspektive des Innenraumes der Kirche in Salzburg-Parsch, errichtet 1955-56
Kurrent: "Es war alles zu früh"
Dass man mit Konzepten für ganglose Wohnraumschulen, die in der heutigen Diskussion über Ganztagsschulen wieder hochaktuell wirken, ebenso vergeblich hausieren ging wie mit Verbesserungsvorschlägen für den damaligen "unsozialen sozialen Wohnbau", erklärte das ehemalige Mitglied Friedrich Kurrent heute damit: "Es war alles zu früh."

Was auch auf ihre "Wiederentdeckung" von Otto Wagner, Adolf Loos und Josef Hoffmann zutrifft, die international erst Jahrzehnte später entsprechend gewürdigt wurden.
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