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MI | 11.04.2012
Galgen (Bild: Kriminalmuseum Wien/Scharnstein)
GESCHICHTE
Letzte Hinrichtung heute vor 60 Jahren
In vielen Ländern wie den USA und China wird die Todesstrafe nach wie vor vollzogen. In Österreich liegt die letzte Hinrichtung dagegen bereits 60 Jahre zurück. Zuletzt wurde am 24. März 1950 ein Verurteilter in Wien gehängt.
(Bild: APA)
Im Innenhof des Landesgerichts fanden bis 1950 Hinrichtungen statt.
"Galgenhof" im Landesgericht
Über die Hintergründe weiß Harald Seyrl, Direktor des Wiener Kriminalmuseums, zu berichten: "Bei dem Verurteilten handelte es sich um Johann Trnka, der 1946 zwei Raubmorde begangen hatte. Um Radioapparate zu stehlen, gab er sich als Maler aus und verschaffte sich so Zutritt in die Wohnungen zweier älterer Frauen."

So wie alle zum Tode Verurteilten dieser Zeit wurde Trnka im "Galgenhof" des Landesgerichts gehängt. Als Hinrichtungsstätte diente dieser bereits seit 1876. "Bis 1919 wurden dort 13 Menschen hingerichtet, zur Zeit des Ständestaates 36 und nach 1945 31", so Seyrl. "Während der NS-Zeit wurden Hinrichtungen durch das Fallbeil in einem eigenen Raum durchgeführt. Insgesamt kamen so circa 1.100 Menschen ums Leben."

Vor 1876 hatten Hinrichtungen auf öffentlichen Plätzen stattgefunden. "Der letzte öffentliche Hinrichtungslatz war die Spinnerin am Kreuz in unmittelbarer Nähe des Hofgerichts", so Seyrl. "Auch dort wurde der Tod durch den Strick praktiziert."
Hoher Markt (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
Auch auf dem Hohen Markt wurden öffentliche Hinrichtungen durchgeführt.
Öffentliche Hinrichtungsplätze in ganzer Stadt
"Im Mittelalter dienten viele Stellen innerhalb der Inneren Stadt als Hinrichtungsstätten", so Seyrl, "darunter der Hohe Markt, der heutige Lobkowitzplatz, der Neue Markt und der Platz am Hof. In der Barockzeit wurden Hinrichtungen am Rabenstein, dem heutigen Schlickplatz, vollzogen."

"Praktiziert wurden die unterschiedlichsten Formen der Hinrichtung", so der Direktor. Von Enthauptungen über Verbrennungen, Erdolchungen oder die Vierteilung wurde dabei keine Grausamkeit ausgelassen. Auf der Gänseweide, der heutige, Weißgerber Lände, fanden bis ins 18. Jahrhundert auch Verbrennungen statt."

Im Zuge der Aufklärung wurden die grausamsten Vollstreckungsarten verboten. "Durchgeführt wurden dann eigentlich nur mehr Erhängungen", so Seyrl. In der ersten Republik wurde die Todesstrafe vollkommen abgeschafft, mit dem beginnenden Austrofaschismus 1933 aber wieder eingeführt. Das diente in erster Linie als "Rute im Fenster" für politische Gegner, so Seyrl.
Scharfrichter als Popstar
Das Berufsbild des Scharfrichters war im Laufe der Geschichte vielen Veränderungen unterworfen: "Ursprünglich waren Scharfrichter verfemt und wurden abgelehnt. Im späten Mittelalter und in der Barockzeit durften sie nicht einmal ins Gasthaus gehen", so Seyrl.

"Im 19. Jahrhundert vollzog sich ein Wandel. Der Scharfrichter von Wien wurde im Zuge der Justizreform zu einem Staatsangestellten und gewann dadurch an Ansehen." Einer von ihnen stieg regelrecht zu einem Popstar auf. "Besonders populär war Anfang des 20. Jahrhunderts Josef Lang. Der ehemalige Kaffeehausbesitzer betrieb einen richtigen Kult um seine Person", berichtete Seyrl.

"In Gesellschaft erzählte er Schauergeschichten von seinen Hinrichtungen und beeindruckte so die Damenwelt. Nach eigenen Angaben sollen sich ihm Hunderte Frauen angeboten haben", lachte Seyrl. Lang war der letzte Scharfrichter, der sich in diesem Ausmaß in der Öffentlichkeit inszenierte. Aus Angst vor Anfeindungen wollten seine Nachfolger lieber anonym bleiben.
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