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MI | 11.04.2012
Emmerich auf Stephansdom (Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER)
CHRONIK
Aktionskünstler kreuzigt sich auf Stephansdom
Aus Protest gegen den Missbrauch in der Kirche hat sich am Donnerstag der Künstler Emmerich Weissenberger symbolisch auf dem Stephansdom gekreuzigt. Er wurde wegen schwerer Sachbeschädigung angezeigt.
Emmerich auf Stephansdom (Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER)
Aktionistisches Gedenken an Missbrauchsopfer.
Lendenschurz und Stacheldrahtkrone
Mit einem Lendenschurz bekleidet und einer Krone aus Stacheldraht auf dem Kopf kletterte Weissenberger gegen 10.00 Uhr über ein Baugerüst auf den Eingang des Domes und schnitt kurz darauf von innen einen Spalt in die Plane.

Zwischen zwei von ihm gestalteten Totentüchern kroch er schließlich selbst, mit Seilen an den Armen gesichert, an die Außenseite und lehnte sich so für etwa eine Viertelstunde in der Pose des Gekreuzigten aus der Gerüstplane.

"Am Tag der Kreuzigung Christi kreuzige ich mich selbst, stellvertretend für alle Ohnmächtigen. Es ist ein Hilfeschrei, denn Kunst ist immer wahrhaftig. Die Kirche, so wie sie ihr Antlitz heute zeigt, ist es nicht", erklärte Weissenberger in einer Aussendung über seine Aktion.
Video von der Aktion

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Eingangstor wurde geschlossen.
Von Polizei mitgenommen
Aus Angst, der Künstler könne herabstürzen und jemanden verletzen, ließ Dompfarrer Toni Faber das Tor des Stephansdoms verschließen. Als die Feuerwehr den Platz rund um den Eingang abgesperrt und ein Sprungkissen aufgestellt hatte, war der Künstler allerdings bereits wieder hinter der Plane verschwunden - um deren Spalt anschließend zu vernähen.

Weissenberger wurde von der Polizei mitgenommen. Er wird nun wegen schwerer Sachbeschädigung angezeigt, weil er einen Spalt in die Staubplane des Gerüsts geschnitten hatte.
Dompfarrer wenig erfreut
Aufmerksamkeit erregte der Künstler durch die Aktion vor allem bei den Passanten auf dem Stephansplatz und den Touristen, die wegen der Sperre auf den Eintritt in den Dom warten mussten.

Dompfarrer Faber wusste nichts von der Aktion und war wenig begeistert: "Ich halte es absolut nicht für richtig, dass ich vorher nicht informiert wurde", sagte er. "Ich bin ein Mann, mit dem man sprechen kann, und stehe für die Freiheit der Kunst." Es sei aber "nicht in Ordnung" , seinen Protest mit Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch zu verbinden.

Weissenberger hatte die Aktion allerdings in einem dreiminütigen Kunstvideo im Internet angekündigt. Zu sehen ist er darin blutüberströmt als Christus und bei der Herstellung der Totentücher.
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