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MI | 11.04.2012
Handzeichnung - Untergang der Ägypter im roten Meer (Bild: JMW, Sammlung IKG)
AUSSTELLUNG
Jüdisches Museum zeigt "Die Türken in Wien"
Die Ausstellung "Die Türken in Wien" im Jüdischen Museum zeigt die wechselvolle Geschichte von Vertreibung und Neuansiedlung der spanisch-türkischen Juden. Die Schau greift dabei weit in die Geschichte der Sefarden zurück.
Weit gereiste Objekte kennzeichnen
jahrhundertelange Vertreibungen
Geschichtlicher Rundgang bis nach Wien
Ein Chanukkaleuchter aus Bosnien, Porzellan aus Amsterdam, Abzeichen des Wiener Studentenvereins "Esperanza": Die Objekte, mit denen das Jüdische Museum Wien ab morgen das Schicksal der spanisch-türkischen Juden nachzeichnet, sind weit gereist.

"Wir haben dieses Thema schon einmal, 1992, behandelt", erklärte Museumsdirektor Karl Albrecht-Weinberger bei der Pressekonferenz. "Doch damals kannten wir noch nicht die Sammlung der Israelitischen Kultusgemeinde, die wir nun aufgearbeitet haben."

Dokumente und Urkunden, religiöse Objekte, Kunstwerke und Publikationen bieten Einblick in das reiche Geistesleben der sefardischen Gemeinde in Wien, die Autoren wie Elias Canetti hervorbrachte, wesentliche Impulse der rabbinischen Tradition und jüdischen Mystik vorantrieb und Brücken in den arabischen Kulturraum schlug.
Der neue sephardische Tempel in Wien (Bild: JMW, Sammlung Jüd. Museum Wien)
Ende der Sefarden in Wien kam in Etappen
Das Florieren der Gemeinde in Wien hatte mit den Friedensabkommen zwischen Habsburgern und dem Osmanischen Reich im 18. Jahrhundert seinen Anfang genommen: Sefarden türkischer Herkunft durften sich in Wien frei niederlassen.

Das Ende kam knapp 200 Jahre später in Etappen. Viele wanderten noch in den 1920er Jahren wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation ab, die übrigen, ebenso wie der eindrucksvolle Tempel in der Zirkusgasse, fielen den Pogromen und Deportationen der Nazi-Zeit zum Opfer.
1492 "erste Säuberungsaktion Europas"
Doch die Ausstellung greift in der Geschichte dieser Menschen, der Geschichte ihrer Vertreibung, viel weiter zurück: 1492 läutete die Reconquista in Spanien die Flucht von mehr als 100.000 spanischen Juden ein, wenige Jahre später auch in Portugal.

"Es war die erste Säuberungsaktion Europas", so Kuratorin Felicitas Heimann-Jelinek, und sie produzierte ein Flüchtlingsproblem, das sich über den Kontinent verstreute: Viele der Sefarden, wie die spanischen Juden genannt wurden, wandten sich Richtung Balkan, manche nach Nordwesteuropa, einige nach Italien.

Der Großteil allerdings wurde vom Osmanischen Reich aufgenommen und wanderte mit dessen Eroberungen später zurück in den Westen - und nach Wien.
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