Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Eingang zur Österreichischen Nationalbibliothek (Bild: ORF)
RESTITUTION
Symbolische Übergabe von NS-Raubgut
Die Restitution geraubter Bücher aus der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) nähert sich ihrem Abschluss: Am Dienstag wurden 8.363 Bücher an den Österreichischen Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus übergeben.
"Beschämend, dass so lange Zeit" verging
Bereits in den vergangenen Jahren waren die Rückgaben an die Erben namentlich bekannter Vorbesitzer beinahe abgeschlossen, nun wurde auch das "erblose" Raubgut restituiert - und unmittelbar zurückgekauft.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) wurden als symbolische Geste drei Exemplare aus dem Bestand geraubter Bücher überreicht. Bei dieser Gelegenheit versprach sie die Erforschung auch aller in der Parlamentsbibliothek lagernden Bücher auf ihre Herkunft.

"Es ist traurig und beschämend, dass eine so lange Zeit vergehen musste - 65 Jahre - bis die letzten Reste der NS-Raubzüge in der Österreichischen Nationalbibliothek bereinigt werden konnten", sagte ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger.
"ÖNB darf dunkle Flecken nicht akzeptieren"
"Gleichzeitig aber bin ich erleichtert, dass damit endlich die unheilvolle Kette von aktiver Verstrickung und Mitschuld während der NS-Zeit und von bewussten Versäumnissen und Verzögerungen in der Nachkriegszeit zu einem Ende gelangt ist", so Rachinger.

Sie bekräftigte weiters, dass eine Institution wie die ÖNB, die ein Ort von nationalem Gedächtnis sei, dunkle Flecken in ihrer eigenen Geschichte am wenigsten akzeptieren könne.
Um 135.000 Euro zurückgekauft
Bei dem Konvolut der Druckschriften handelt es sich ausschließlich um Objekte, die keinerlei Hinweis auf ihre ehemaligen Besitzer tragen. Es sind zum überwiegenden Teil Bücher aus kleinen Privatbibliotheken emigrierter oder deportierter Wiener Juden, die ohne jedes Verzeichnis per LKW von der Gestapo in die damalige Nationalbibliothek geliefert wurden.

Erst 2002 hatte die ÖNB begonnen, sämtliche Erwerbungen während der NS-Zeit systematisch zu untersuchen, 35.217 Einzelobjekte konnten seither an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden.

Der nun dem Nationalfonds übergebene und um 135.000 Euro rückgekaufte "erblose" Bestand beinhaltet sowohl Kinderbücher, wissenschaftliche Standardwerke als auch theologische Abhandlungen aus dem 17. Jahrhundert.
Prammer: Museen profitierten von Raubkunst
"Bewusst als Gedenkfeier", musikalisch umrahmt von Kammermusik verfolgter jüdischer Komponisten, wurde der Vormittag auch nach den Worten von Nationalratspräsidentin Prammer gestaltet.

"Für jene hunderte oder tausende Menschen, deren Schicksal auch nach langen Recherchen" nicht ausfindig gemacht werden konnte. Gleichzeitig betonte Prammer, dass österreichische Museen, die geraubte Kunstwerke "bis in das 21. Jahrhundert" ausgestellt hätten, von den NS-Raubzügen profitierten.

In diesem Zusammenhang kündigte sie die genaue Erforschung auch aller in der Parlamentsbibliothek lagernden Bücher an und rechnet noch in diesem Jahr mit ersten konkreten Ergebnissen.
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