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MI | 11.04.2012
Stephan Rudas (Bild: APA/Rene Van Bakel)
CHRONIK
Stephan Rudas gestorben
Der Psychiater, Psychoanalytiker und Psychiatriereformer Stephan Rudas ist am Samstag im Alter von 66 Jahren nach längerer Krankheit in Wien gestorben. Das teilte die Familie mit.
Begründer der PSD in Wien
Rudas' Name ist untrennbar mit den Psychosozialen Diensten (PSD) in Wien verbunden. 1977 ernannte ihn der damalige Wiener Gesundheitsstadtrat Alois Stacher (SPÖ) zum Psychiatriebeauftragten. Rudas erstellte 1979 den ersten Psychiatriezielplan Wiens und schuf die PSD, als deren Chef er erst nach 30 Jahren, Ende 2009, in Pension ging.

Rudas hatte damit ein System der flächendeckenden ambulanten Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen geschaffen. Das leerte die Psychiatriekliniken und führte zu einer drastischen Reduktion von Zwangseinweisungen.
Der Arzt ersparte der Stadt Wien ein Krankenhaus.
Beeindruckende Erfolge
Die Zahlen belegen die Auswirkungen der Wiener Psychiatriereform: Reduktion der stationären Psychiatriebetten von 3.858 (1979) auf 635 (2008), Rückgang des Anteils der Zwangsaufnahmen von 80 auf 25 Prozent, die Halbierung der in Wien jährlich registrierten Suizide von rund 400 auf etwa 200.

Die PSD betreuen mit ihren rund 240 Beschäftigten pro Jahr rund 10.000 Patienten. Es kommt zu etwa 150.000 Kontakten. Errechnet wurde, dass ohne dieses ambulante Versorgungsnetz die Stadt Wien längst ein zusätzliches Krankenhaus mit 1.500 bis 2.000 Betten für die Betreuung psychisch Kranker hätte bauen müssen.
Geboren 1944 in Budapest
Rudas wurde am 27. Mai 1944 in Budapest geboren. Mit seinen Eltern übersiedelte er nach Wien, wo er das Gymnasium besuchte, Medizin studierte und die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie absolvierte.

Rudas hinterlässt seine Frau und zwei Kinder, von denen Tochter Laura - mittlerweile Bundesgeschäftsführerin der SPÖ - in die Politik ging.

Neben seiner Tätigkeit als Arzt engagierte er sich jahrzehntelang als Anwalt der Menschen mit psychischen Leiden und wollte dem "unsichtbaren Organ Seele" in der Gesellschaft mehr Beachtung verschaffen. In öffentlichen Stellungnahmen bekämpfte er die Stigmatisierung und Diskriminierung psychisch Kranker.
Standing Ovations und Goldener Rathausmann
Nach vielen anderen Ehrungen erhielt Rudas am 19. Jänner 2010 aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der PSD und zur Verabschiedung aus seiner Spitzenposition im Wiener Rathaus aus den Händen von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) den "Goldenen Rathausmann" und Standing Ovations von Hunderten Mitstreitern und Freunden.

In seiner Dankesrede in Anwesenheit seiner Frau und seiner beiden Kinder ließ der Geehrte Zufriedenheit durchblicken: "Erstens, wenn ich wieder auf die Welt komme, werde ich wieder Psychiater. Zweitens - wieder in Wien."
"Leitfigur der Wiener Psychiatrie verloren"
"Machte Wien zu internationalem Vorbild"
"Wien verliert mit Stephan Rudas einen großen Visionär, der mit seinem Engagement für psychisch Kranke Großes geleistet hat", so Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Er, der einer der Väter der Wiener Psychiatriereform war, habe die Situation der Patienten in unserem Land enorm verbessert, und damit auch Reformen in ganz Europa angestoßen. Wien sei so zum internationalen Vorbild geworden.

Wien verliere mit Stephan Rudas "eine der Leitfiguren der Wiener Psychiatrie", hieß es in einer Aussendung der Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Die Wiener Psychiatrie funktioniere, die Patienten könnten sich darauf verlassen. "Das hat viel mit dem Wirken von Stephan Rudas zu tun", so Wehsely.
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