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MI | 11.04.2012
 Der Trauerzug mit dem Sarg des Kunstsammlers Rudolf Leopold (Bild: APA/Roland Schlager)
KULTUR
Rudolf Leopold in Grinzing beigesetzt
Im Kreise seiner Hinterbliebenen und zahlreicher Kollegen aus der Kunstwelt und heimischen Politik wurde der Sammler Rudolf Leopold auf dem Grinzinger Friedhof beigesetzt. In der Kirche fand nur ein Teil der Trauergäste Platz.
Neben der Familie nahmen zahlreiche Museumsdirektoren von Leopold Abschied.
"Schöpfer eines Gesamtkunstwerks"
Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) würdigte den in der Vorwoche im Alter von 85 Jahren Verstorbenen als "Schöpfer eines Gesamtkunstwerks", der Grinzinger Pfarrer Hubert Ritt als "Freigeist", der sich "nicht einordnen ließ" und der ehemalige Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM) und langjährige Freund, Wilfried Seipel, betonte, seine "reichhaltige Hinterlassenschaft" in Form seiner Kunstsammlung sei selbst Leopolds würdigster Nachruf.

In der kleinen Friedhofskirche in Grinzing fand gerade einmal ein Bruchteil der Trauergäste Platz, darunter neben Leopolds Ehefrau Elisabeth, seinem Bruder Günther, seinen Kindern Rudolf, Diethard und Gerda sowie deren Partnern und Kindern, auch zahlreiche Kollegen aus dem Kunstbetrieb.

Die Museumsdirektoren Sabine Haag (KHM) und Edelbert Köb (MUMOK), Museumsquartier-Chef Wolfgang Waldner, das Team des Leopold Museums mit Geschäftsführer Peter Weinhäupl, die Mitglieder des Vorstands der Stiftung Leopold, aber auch Künstler wie Robert Hammerstiel, Erich Lessing oder Linde Waber nahmen Abschied.
Die Witwe Elisabeth Leopold (l.) und Tochter Gerda Leopold im Trauerzug mit dem Sarg des Kunstsammlers Rudolf Leopold (Bild: APA/Roland Schlager)
"Er hat das Loslassen nicht gelernt"
Der Weg zur ehrenhalber gewidmeten Grabstätte war geziert von Blumenkränzen und Dankesworten durch Freunde, Bewunderer, aber auch Kunstinstitutionen wie das Belvedere und die Albertina.

"Er hat das Loslassen nicht gelernt", sagte Ritt in seiner Charakterisierung Leopolds. "So bleibt er eine Persönlichkeit, die unbedingt weiterlebt". Leopolds bleibendes Erbe unterstrich auch Häupl: "Wir begegnen ihm an so vielen Punkten in dieser Stadt - und an ihnen allen ist kulturelle Attraktivität oder, einfach formuliert, Schönheit." Für die "Krönung" seiner Sammlertätigkeit, die Stiftung und das Museum als "Juwel der Stadt", sei ihm Wien "zu allerhöchstem Dank verpflichtet".

Als Sammler habe Leopold "tief empfundenes ästhetisches Erleben mit echter Kennerschaft" verbunden, "Leidenschaft und Wissenschaft" hätten eine seltene Einheit gebildet.
Der Sarg des Kunstsammlers Rudolf Leopold am offenen Grab (Bild: APA/Roland Schlager)
Seipel mahnte Schutz der Sammlung ein
"Anfangs waren es die Schmetterlinge, gefolgt von den Briefmarken", erinnerte Seipel. Ein Besuch im Kunsthistorischen Museum sei es gewesen, der die Wende zur Kunst brachte. Seipel mahnte allerdings ein, dass Leopolds "großartige Leistung als Sammler" auch in Zukunft "mit nachhaltigem Respekt" behandelt werde.

So dürfe sie nicht etwa "durch Zusammenführung mit gleichartigen Sammlungen zerstört werden", wies der ehemalige Museumsgeneral etwaige Begehrlichkeiten anderer Kunstmuseen zurück. Auch Stiftungs-Vorstandsmitglied und Sektionschef im Kulturministerium, Helmut Moser, versprach, "das Werk im Sinne des Sammlers fortzusetzen".
Größte private Kunstsammlung Österreichs.
Sammlung seit 2001 im Leopold Museum
Leopold hat die größte private Kunstsammlung Österreichs zusammengetragen, die seit 2001 in dem eigens dafür errichteten Leopold Museum im Wiener Museumsquartier ausgestellt wird.

Die etwa 5.000 Objekte der Sammlung wurden Mitte der 90er Jahre geschätzt. Der Wert wurde mit 7,9 Milliarden Schilling (574 Millionen Euro) beziffert. Insgesamt 2,2 Milliarden Schilling (160 Mio. Euro) hatte die Republik Österreich und die Österreichische Nationalbank bis 2007 in Ratenzahlungen zu überweisen.
Sammler mit Genie und Leidenschaft
Auf der Homepage des Leopold Museums wird das Wesen des Sammlers mit den Worten "Erregung, Wahnsinn, Genie und Leidenschaft" beschrieben.

Rudolf Leopold selbst hatte über die Auswahl seiner Sammlung gemeint: "Was mich nicht erregt, interessiert mich nicht." Auf die Frage, ob die Sammlung je komplett sein werde, antwortete Leopold: "Es gibt nur den Punkt, wo kein Geld mehr da ist."

Peter Weinhäupl, der Kaufmännische Leiter des Museums, sagte zum Tod von Rudolf Leopold: "Wir werden Rudolf Leopold vermissen, aber seiner Leistung ist im Leopold Museum ein einzigartiges Denkmal gesetzt, ein Geschenk an alle Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber dieser Welt."
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