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MI | 11.04.2012
Querfeld vor Cafe Museum (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
TRADITION
Cafe Museum: Loos-Interieur verschwindet
Nach heftigen Turbulenzen und einem missglückten Umbau eröffnet das Cafe Museum im Oktober wieder. Zuvor wird jedoch das nachgebaute Loos-Interieur verschwinden, so der neue Pächter Berndt Querfeld.
Cafe Museum soll wieder gemütlich werden.
Gemütlichkeit als Herausforderung
"Der Versuch, Loos nachzubauen, ist in die Hose gegangen", zog Kaffeehausmogul Querfeld zuletzt eine nüchterne Bilanz. Das Cafe Museum war 2003 radikal nach den ursprünglichen Plänen des Architekten Adolf Loos umgestaltet worden. Das sei ein durchaus mutiger Schritt gewesen, den er aber so nie gemacht hätte, resümierte Querfeld nun.

Das historische Ambiente sei von den Gästen nicht angenommen worden. Das aus dem vorvorigen Jahrhundert stammende Konzept einer "freien Tischaufstellung" habe dem heutigen Bedürfnis der Gäste nach Gemütlichkeit nicht entsprochen, so Querfeld. Diese will der Kaffeehausbetreiber ab Oktober seinen Gästen wieder bieten.

Sitzlogen, gepolstertes Mobiliar, eine neue Wandgestaltung und eine andere Beleuchtung sollen für mehr Gemütlichkeit sorgen.
Querfeld vor Cafe Museum (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
Kaffeehausbesitzer Alexander Rokitansky, Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank und der neue Pächter des Cafes Museum, Berndt Querfeld, bei der Präsentation.
Bänke und Lampen werden neu angefertigt
Das Problem dabei: Von den ursprünglichen roten Bänken hat kaum eine den Umbau 2003 überlebt bzw. wurde von Privaten ersteigert. Folglich muss Neo-Pächter Querfeld die Möbel, aber auch die Lampen und andere Interieurdetails neu anfertigen lassen.

Wobei es kein exakter Nachbau des "unglaublich modernen" Zotti-Entwurfs werden soll, wie Querfeld versicherte. So werden die Bänke künftig mit Stoff überzogen sein, auf dem das im Cafe Landtmann verwendete Muster zu sehen sein wird.

Das Investitionsvolumen für Einrichtung und Möblierung bezifferte der neue Museum-Chef mit rund einer halben Million Euro. Insgesamt werden rund 200 Gäste im Cafe Platz finden. Die dürfen übrigens rauchen, wenn auch nur in den kleineren, vom Hauptraum abgetrennten Bereichen.
Cafe Museum (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
Das Querfeld-Imperium
Der Familie Querfeld gehören neben dem Traditionshaus Landtmann an der Ringstraße unter anderem auch das Cafe Hofburg, das Cafe Mozart, das australische Bierpub Crossfield's sowie "Landtmann's Patisserie" in Liesing.
Loos-Design im Cafe Museum (Bild: APA/Barbara Gindl)
Comeback der klassischen Kaffeehausküche
Das als Künstler- und Literatencafe bekanntgewordene Traditionscafe wurde 1899 eröffnet. Architekt Loos wurde mit der Planung der Innenausstattung beauftragt. Zotti, ein Schüler von Josef Hofmann, nahm im Lokal am Karlsplatz später umfangreiche Änderungen vor. Er entschied sich unter anderem für Sitzlogen und halbrunde Bänke.

2003 folgte eine Rückkehr zum Loos-Prinzip, die jedoch von den Stammgästen nicht goutiert wurde. Neben dem Fehlschlag mit dem Konzept kamen vergangenes Jahr noch Streitigkeiten zwischen Pächter und Verpächter hinzu. 2009 wurde das Cafe geschlossen.

Dass das Pseudo-Loos-Cafe nicht funktioniert hat, dürfte laut Querfeld unter anderem an der Schlichtheit des Entwurfes gelegen sein: "Es fehlte die Gemütlichkeit." Die soll es nun wieder geben, genauso wie klassische Kaffeehausküche und Mehlspeisen - die aus der Landtmann-Tortenproduktion kommen.
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