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MI | 11.04.2012
Michaelergruft (Bild: Michaelerkirche)
KULTUR
Särgerenovierung in der Michaelergruft
Keine letzte Ruhe finden 50 Särge der Wiener Michaelergruft. Ein australischer Rüsselkäfer und steigende Luftfeuchtigkeit führten zum Verfall der Stücke, die nun restauriert werden. Der Sarginhalt bleibt in der Gruft.
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Insgesamt beherbergt die Wiener Michaelergruft an die 200 Holz- und Metallsärge aus der Zeit der Renaissance und des Barock. Seit aber die Luftschächte im 20. Jahrhundert zugemauert wurden, stiegen die Feuchtigkeit und die Temperaturen in der Begräbnisstätte an. Ein rapider Verfall, vor allem der Holzsärge, setzte damit ein.

Lüftungstechnische Maßnahmen waren erste Schritte, um diesen zu stoppen. Nach Musterrestaurierungen an drei Exemplaren startet jetzt die Renovierung der von 50 weiteren, stark verschmutzten und von Schimmel befallenen Särgen.

Sie werden dabei in eigens für diesen Zweck gezimmerten Kisten via Kühl-Lastkraftwagen abtransportiert. Die sterblichen Überreste der Verstorbenen werden unterdessen von der Bestattung umgebettet.
Michaelergruft (Bild: Michaelerkirche) Australischer Rüsselkäfer in Wiener Gruft
Vor ihrer Rückkehr in die Gruft von St. Michael werden die, zum Teil bemalten Holzoberflächen und Fassungen der Totenbehältnisse gereinigt und konserviert. Ziel der Maßnahmen ist ein Erhalt des "Status Quo." Eine Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands wird nicht angestrebt.

"Die Restaurierung der Särge ist der Beginn der zweiten Etappe" einer Überholung der Gruft, betonte der Wiener Landeskonservator Friedrich Dahm. Die erste habe vor sechs Jahren mit einer Bestandsaufnahme begonnen. Dabei habe man ein "extremes Raumklima" festgestellt, das durch hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen bis zu 20 Grad Celsius gekennzeichnet gewesen sei.

Dadurch habe sich auch eine, ursprünglich in Australien beheimatete Art des Rüsselkäfers in der Gruft ausgebreitet, die, so Dahm, dem Holz großen Schaden zugefügt hatte.
Klimaanlage und Lüftungsschächte
Künftig wolle man durch den Einbau einer Klimaanlage sowie mittels der neuerlichen Öffnung der geschlossenen Lüftungsschächte die Probleme in den Griff bekommen. Bisher konnten erste Erfolge erzielt werden: Der Rüsselkäfer ist in der Gruft so gut wie verschwunden.

Die Kosten der Restaurierung würden sich auf über 500.000 Euro belaufen, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ). Von der Stadt kämen dafür 150.000 Euro. Weitere Mittel werden vom Bund, der Erzdiözese und der Pfarre selbst aufgebracht.

Geplant ist auch die Sanierung der übrigen Särge. Ein Vorhaben, dessen Finanzierung noch nicht gesichert ist.

Hellin Sapinski, wien.ORF.at
Michaelergruft (Bild: Michaelerkirche)
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