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MI | 11.04.2012
Schiele-Bild "Wally" - laut IKG-Gutachten "Raubkunst" (Bild: LEOPOLD MUSEUM-PRIVATSTIFTUNG)
KULTUR
"Bildnis Wally" kehrt zurück
Der erst kürzlich verstorbene Sammler Rudolf Leopold hatte wie ein Löwe um das Bild gekämpft: Nun ist der jahrelange Rechtsstreit um die Rückgabe des Bildes zu seinen Gunsten entschieden: Wally kehrt nach Wien zurück.
Rückkehr nach Wien in einigen Wochen erwartet.
Stiftung Leopold zahlt 14,8 Mio. Euro
Die Tageszeitung "Der Standard" berichtete als erster über die Einigung. Demnach zahlt die Leopold Museum Privatstiftung 14,8 Mio. Euro an die Erben der Kunsthändlerin Lea Bondi-Jaray.

Es wird erwartet, dass die Stiftung das Geld durch den Verkauf anderer Kunstwerke aufbringen wird. Leopold soll noch persönlich Bilder für einen allfälligen Verkauf bestimmt haben. Diese könnten als Sicherheit für die Vorfinanzierung durch eine dritte Seite dienen.

Das Gemälde von Egon Schiele soll noch im Jewish Museum in New York ausgestellt werden, bevor es in einigen Wochen nach Wien zurückkehrt.
Leopold erwarb das Gemälde 1954 vom Belvedere.
Versehentlich an falsche Besitzer restituiert
Das 1912 entstandene "Bildnis Wally" zeigt Egon Schieles Geliebte Valerie ("Wally") Neuzil. Der Sammler Rudolf Leopold hatte das Gemälde 1954 im Tausch von der Österreichischen Galerie Belvedere erworben. Das Bild war in der Nazi-Zeit von dem Kunsthändler Friedrich Welz unter strittigen Umständen der Galeristin Lea Bondi-Jaray abgepresst worden, nach dem Krieg jedoch versehentlich an falsche Besitzer restituiert worden.

Nachdem Henry Bondi und Rita Reif 1998 in New York als Erben der ursprünglichen Besitzer für ihre Familien Ansprüche an die Bilder gestellt hatten, wurde das Bild 1998 in New York als "Diebsgut" beschlagnahmt. Das anschließende langwierige Gerichtsverfahren drehte sich vor allem um die Frage, was genau Rudolf Leopold über die Vorbesitzer und die Umstände der Besitzerwechsel gewusst hatte.
Bondi-Erben: "Sieg der Gerechtigkeit"
In einem Blog der "New York Times" haben die Erben nach Lea Bondi-Jaray zur Einigung Stellung genommen: "Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Nach über 70 Jahren wird das an Lea Bondi-Jaray begangene Unrecht endlich anerkannt und wenigstens teilweise wiedergutgemacht."

Die Erben sehen einen "historischen Vergleich, der den wahren Wert des Gemäldes widerspiegelt und Lea Bondi-Jarays Eigentümerschaft an dem Bild ebenso anerkennt wie ihre und ihrer Familie lange Suche nach Gerechtigkeit".

Die Israelitische Kultusgemeinde Wien zeigte Verständnis und Respekt für die Entscheidung der Erben: "Es ist verständlich, dass die Erben und deren Anwälte dieses unselige Kapitel nach mehr als einem Jahrzehnt zu einem Abschluss bringen wollten."

Jetzt fordert die Israelitische Kultusgemeinde die vollständige Offenlegung des Vergleichs in allen Details. Der Vergleich im Fall "Bildnis Wally" kann aber für die Kultusgemeinde kein Beispiel für andere Kunstwerke sein: "Die IKG wird jedenfalls nicht akzeptieren, dass die Erben weitere Jahre hingehalten werden um dann mit irgendwelchen Vergleichen abgespeist zu werden", heißt es in einer Aussendung.
Protest vor Leopold Museum (Bild: APA/anwora.at)
Anstoß für große "Raubkunst"-Debatte in Österreich.
Gerichtstermin in New York wohl obsolet
Ein für den 26. Juli in New York angesetzter Gerichtstermin in der Causa dürfte aufgrund der außergerichtlichen Einigung nun obsolet sein.

Für Österreich hatte der Fall "Wally" den Anstoß für eine große "Raubkunst"-Debatte geliefert, die zu dem heute gültigen Restitutionsgesetz und spektakulären Rückgabe-Fällen aus öffentlichen Museen führte.
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