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MI | 11.04.2012
Peter Weinhäupl mit Wally-Kopie (Bild: APA/Andreas Pessenlehner)
KULTUR
"Wally": Stiftung Leopold bestätigt Einigung
Die Stiftung Leopold hat bestätigt, dass der jahrelange Rechtsstreit um das Schiele-Gemälde "Bildnis Wally" beendet ist und das Bild nach Wien zurückgebracht wird. Dafür werden andere Bilder verkauft.
"Wally" wird nach Ausstellung in New York bei Sonderpräsentation in Wien ausgestellt.
Um knapp 15 Mio. Euro
"Wir dürfen mit Freuden mitteilen: Die 'Wally' wird nach Österreich zurückkehren", sagte Peter Weinhäupl, Kaufmännischer Direktor des Leopold Museums, am Mittwoch. Gemeinsam mit Elisabeth Leopold und deren Sohn Diethard gab er auch weitere Einzelheiten zur Finanzierung der Rückgabe bekannt.

Demnach sollen die 19 Mio. Dollar (14,8 Mio. Euro) über die Raiffeisenlandesbank Wien-Niederösterreich zwischenfinanziert werden. Dafür sollen fünf Schiele-Gouachen verpfändet werden.

Das Geld soll in Tranchen durch den Verkauf von Bildern aus dem Bestand der Stiftung aufgebracht werden. Der kürzlich verstorbene Sammler Rudolf Leopold habe "in einem tage-, ja wochenlangen Prozess selbst Bilder für den Verkauf ausgewählt", hieß es. Die endgültige Liste werde der Stiftungsvorstand aber erst erstellen. An eine Sonderauktion sei nicht gedacht.
Elisabeth Leopold und ihr Sohn Diethard (Bild: APA/Andreas Pessenlehner) Anwaltskosten bis zu 3,5 Mio. Euro
Die Anwaltskosten bezifferte Weinhäupl mit drei bis dreieinhalb Mio. Euro. Die knapp 15 Mio. Euro für das Gemälde seien angemessen: "Es gibt auch Menschen, die sagen, es handle sich um die 'Mona Lisa' des 20. Jahrhunderts."

"Dieses Bild ist aus diesem Haus kunstgeschichtlich nicht wegzudenken", begründete Weinhäupl die Hartnäckigkeit der Rückholversuche. Elisabeth Leopold betonte nicht nur die kunsthistorische, sondern auch die emotionale Bedeutung des Gemäldes für die Sammlung Leopold: "Wir haben es sehr geliebt."
"Wally"-Kopie (Bild: APA/Andreas Pessenlehner) Neuartiger Begleittext neben dem Bild
Das Gemälde befindet sich derzeit noch in einem US-Depot in Verwahrung und soll in den nächsten Tagen übernommen werden. Ab 29. Juli wird das Bild für drei Wochen im New Yorker Museum of Jewish Heritage gezeigt. Danach wird es nach Wien gebracht und in einer Sonderpräsentation ausgestellt werden.

Das "Bildnis Wally" soll künftig neben Schieles "Selbstporträt mit Lampionfrüchten" und dem Gemälde "Kardinal und Nonne" hängen. Ein von der Stiftung mit den Erben nach Lea Bondi-Jaray gemeinsam formulierter Text soll neben dem Bild künftig die Besitzergeschichte erläutern - für Diethard Leopold, den Sohn des verstorbenen Sammlers, ein "Novum, das ich außerordentlich begrüße".
Begleittext im Original
"Dieses Gemälde ('Bildnis Wally' von Egon Schiele) war persönliches Eigentum von Lea Bondi-Jaray, einer jüdischen Kunsthändlerin in Wien, die 1939 nach London floh, wo sie 1969 verstarb. Das Gemälde wurde 1998-2010 Gegenstand eines Gerichtsverfahrens in New York City, nachdem es das Leopold Museum 1997 als Teil einer Ausstellung von Schieles Werken aus der Sammlung des Leopold Museums dem Museum of Modern Art in New York (MoMA) geliehen hatte.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika strengte 1999 eine zivilrechtliche Einziehungsklage in New York an und behauptete, dass das Gemälde seinerzeit während der nationalsozialistischen Zeit von einem Nazi namens Friedrich Welz von Lea Bondi-Jaray gestohlen und 1997 unter Verletzung von US-Recht vom Leopold Museum eingeführt worden sei. Der Nachlass von Lea Bondi-Jaray machte im Rahmen des Verfahrens einen Anspruch auf das Gemälde geltend; und die US-Regierung erklärte sich damit einverstanden, dass man nach Einziehung des Gemäldes alle Eigentumsrechte hieran an den Nachlass übertragen werde.

Auf Grundlage des Beweismaterials, das im Rahmen dieser Sache vorgelegt wurde, kam die Lokalabteilung des Bundesgerichts (United States District Court) in New York 2009 zu dem Schluss, dass das Gemälde persönliches Eigentum von Lea Bondi-Jaray sei und dass Friedrich Welz, der ein Mitglied und Kollaborateur der Nazi-Partei gewesen war, sich das Werk im Wien der späten 1930er Jahre widerrechtlich angeeignet habe. Das Gericht stellte fest, dass das Gemälde nach dem Krieg von Welz durch die US-Streitkräfte in Österreich konfisziert und 1947 zusammen mit anderen Gemälden, die Welz von Dr. Heinrich Rieger erhalten hatte, einem jüdischen Kunstsammler, der dem Holocaust seinerzeit zum Opfer gefallen war, an das österreichische Bundesdenkmalamt (BDA) übergeben worden war.

1950 übergab das Bundesdenkmalamt Kunstwerke an einen Vertreter der Rieger-Erben, so auch das besagte Gemälde. Im späteren Verlauf des Jahres verkauften die Rieger-Erben ihre Werke an die Österreichische Galerie ("Belvedere"), wobei das Gemälde Teil des Lieferumfangs war. 1954 kam ein Geschäft zwischen dem Belvedere und Dr. Rudolf Leopold zustande, bei dem Dr. Rudolf Leopold das Gemälde erwarb. 1994 überließ Dr. Leopold das Gemälde dem Leopold Museum. Im Anschluss an die gerichtliche Feststellung dieser Streitpunkte wurde die Sache 2010 von der US-Regierung, dem Nachlass und dem Leopold Museum endgültig beigelegt. Das Leopold Museum erklärte sich bereit, dem Nachlass einen erheblichen Betrag zu bezahlen; im Gegenzug ist der Nachlass dazu verpflichtet, den Besitzanspruch auf das Gemälde zugunsten des Leopold Museums aufzugeben. Die US-Regierung verpflichtete sich, die Einziehungsklage abzuweisen und das Gemälde an das Leopold Museum freizugeben."
Vergleiche auch bei anderen Werken
In einem Statement der Leopold Museum Privatstiftung schlug Diethard Leopold einen versöhnlicheren Ton an. Ausgehend vom Fall "Wally" wird auch auf weitere in der Provenienz strittige Kunstwerke aus der Sammlung Bezug genommen.

Obwohl gesetzlich nicht dazu verpflichtet, werde die Stiftung "aus moralischer Verantwortung der Geschichte Österreichs und seiner jüdischen Mitbürger gegenüber handeln, Vergleiche anstreben und realisieren, die die Ansprüche und Vorstellungen beider Seiten zu befriedigen imstande sein werden", heiß es in dem Statement.

Man werde jeweils spezifische Einzellösungen anstreben, sagte Leopold auf Nachfrage. Der bei "Wally" eingeschlagene Weg sei auch dort denkbar, aber nur eines von "mindestens drei Szenarien", die derzeit geprüft würden.
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