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MI | 11.04.2012
Kellner (Bild: APA)
TOURISMUS
Beschäftigte leiden unter Arbeitsklima
Ein raues Arbeitsklima herrscht offenbar in der Tourismusbranche. Laut jüngstem Arbeitsklimaindex bereiten Zeitdruck, Führungsstil der Chefs und Entlohnung die größten Probleme.
1.532 Euro beträgt das durchschnittliche Einkommen.
Für 15 Prozent reicht das Geld nicht
Auffallend ist zunächst, dass die Beschäftigten die Situation ihres Betriebes und ihre eigene Lage offenbar meist unterschiedlich beurteilen. So sind 77 Prozent der Befragten optimistisch, was die Zukunft ihres Betriebes anbelangt.

Ihre eigene Situation beurteilen sie aber weit weniger optimistisch. So geben 15 Prozent der Beschäftigten an, dass ihr Einkommen für die Existenzsicherung "nicht reicht". 37 Prozent können von ihrem Einkommen leben, in anderen Branchen sind es 52 Prozent. 46 Prozent der Tourismusbeschäftigten sagen, "es reicht gerade", 41 Prozent sind es in anderen Branchen.

Inklusive Sonderzahlungen beträgt das durchschnittliche Einkommen im Tourismus 1.532 Euro, im Branchenschnitt sind es mit 2.330 Euro weit mehr.
44 Stunden als normale Arbeitszeit.
Arbeitszeit höher als anderswo
"Dazu muss man sagen, dass die durchschnittliche Arbeitszeit im Tourismus höher ist als in anderen Branchen", sagte Studienautor Georg Michenthaler vom IFES-Institut bei der Präsentation in Wien.

Sie beträgt real 44 Stunden in der Woche, in den anderen Branchen 42 Stunden. Mit 41 Stunden im Tourismus werden auch schon mehr Arbeitsstunden vertraglich vereinbart als in anderen Branchen (39 Stunden).
Kritikpunkte Zeitdruck und Führungsstil
Probleme machen den Beschäftigten Zeitdruck und Führungsstil ihrer Chefs. 45 Prozent gaben an, dass sie unter hohem Zeitdruck leiden. In anderen Branchen sind 27 Prozent.

Nicht die besten Noten gibt es für den Führungsstil in der Tourismusbranche. In der Spanne zwischen "sehr zufrieden" (1) und "gar nicht zufrieden" (5) gaben die Tourismus-Beschäftigten dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten die Note 2,24.

In der vorangegangenen Erhebung war dieser Wert mit 2,04 noch näher am Branchen-Querschnitt gewesen. Im Schnitt der Branchen hat sich der Wert von 2,06 auf 2,08 nur geringfügig erhöht.
Umfrage unter 4.000 Beschäftigten
Der Arbeitsklima-Index, den das IFES (Institut für empirische Sozialforschung) erstellt, liegt für die Tourismusbranche aktuell bei 102 Indexpunkten. Er besteht aus den Auswertungen von 25 Einzelfragen, die das Institut im Zeitraum August 2009 bis Mai 2010 österreichweit 4.000 Beschäftigten gestellt hat.

Im Schnitt der anderen Sektoren lag er mit 109 Indexpunkten um sieben Punkte darüber. "Seit 2007, als der Wert für beide bei 111 lag, driften die Werte der Tourismus- und der anderen Branchen auseinander", sagte Michenthaler.
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