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MI | 11.04.2012
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (Bild: ORF)
Heinz-Christian Strache
WIEN-WAHL 2010
Heinz-Christian Strache im Porträt
Seine Wahlplakate sorgen regelmäßig für Aufregung, sein politischer Kurs für heftige Kontroversen. Dennoch hat Heinz-Christian Strache es geschafft, seine FPÖ auf Kurs zu bringen und sich als Spitzenpolitiker zu etablieren.
Mit 21 Jahren wurde Strache jüngster Betriebsrat Wiens.
Vom Zahntechniker zum Bezirksrat
HC Strache, wie sich der FPÖ-Chef selbst nennt, wurde am 12. Juni 1969 in Wien geboren. Auch wenn seine Ausbildung zunächst keine politischen Tendenzen aufwies, begann er seine Politikerkarriere schon sehr früh. So wurde er nach Abschluss seiner Zahntechnikerlehre 1991 mit erst 21 Jahren jüngster Bezirksrat Wiens.

Als Straches erster großer Karrieresprung gilt seine Nachfolge auf Hilmar Kabas als Landesparteiobmann der FPÖ-Wien im März 2004. Als sich im April 2005 der damalige FPÖ-Chef Jörg Haider von der Partei trennte und das BZÖ gründete, fehlte es den Freiheitlichen an einer Spitze. Strache übernahm die Führung der zerrütteten Partei und brachte sie wieder auf Kurs.

Bei seinem ersten Antritt als Spitzenkandidat in Wien holte er 2005 fast 15 Prozent der Stimmen. Dies bedeutete zwar einen Verlust gegenüber der letzten Wahl, jedoch fiel dieser lange nicht so hoch aus, wie nach der BZÖ-Abspaltung erwartet. Bei der Nationalratswahl 2006 reichte es zu elf Prozent, bei den Neuwahlen 2008 dank Koalitionsschwierigkeiten sogar zu 17,5 Prozent.
FPÖ-Chef Heinz Christian Strache auf der Bühne sowie Kundgebungsteilnehmer der "Bürgerinitiative Rappgasse" gegen ein Islamzentrum vor dem Bezirksamt Floridsdorf (Bild: APA/Roland Schlager)
Strache bei der Demonstration gegen die Errichtung eines Islamzentrums in Wien.
Freund oder Feind des Islam?
Die politische Strategie Straches sorgt immer wieder für Kontroversen. Mit seinem Anti-Ausländer-Kurs, entsprechenden Statements und einschlägigen Parolen auf Wahlplakaten wirbt er um die Gunst der jungen Wählerschaft. Straches Haupt-Wahlkampfthemen sind die traditionellen FPÖ-Schwerpunkte Ausländer, Asyl und Kriminalität.

Dem fügen sich auch die Plakate aus vergangenen Wahlkämpfen. An Slogans wie "Daham statt Islam", "Pummerin statt Muezzin" und "Heimatflug statt Asylbetrug" sei hier erinnert. Seitens politischer Gegner, aber auch von Religionsvertretern brachte ihm dies den Vorwurf des Rassismus und der Islamfeindlichkeit ein.
"Der Islam verdient den größten Respekt."
Der FPÖ-Chef begegnet diesen Vorwürfen gerne, indem er sie als "linkslinken Populismus" und dergleichen bezeichnet. Gegenüber dem türkischen Botschafter betonte er sogar: "Der Islam verdient den größten Respekt und die größte Anerkennung". Auch die vielen islamischen Gebetshäuser seien kein Problem und eine Selbstverständlichkeit.

Klare Zeichen setzen und damit klare Fronten schaffen will Strache in der Islam-Frage aber dennoch nicht. Im ORF-Sommergespräch lehnte er Minarett und Muezzin in der Bundeshauptstadt dezidiert ab.
"Wiener Blut" ist laut Strache keine Nazi-Diktion, sondern bezeichnet die Wiener Tradition.
Wiener Blut in blauen Adern
Und dennoch attackiert Strache im jüngsten Wahlkampf die SPÖ als "Islamistenpartei" und warnte vor "zu viel Fremdem". Sprüche wie "Mehr Mut für unser Wiener Blut - Zuviel Fremdes tut niemandem gut" unterstreichen das und sorgen erneut für Aufregung.

Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ist sein größter politischer Gegner auf Landesebene. Ihm attestierte Strache, "geistig in Tiefschlaf zu sein" und wies die Kritik an den "Wiener Blut"-Plakaten als "linkslinke Pervertierung des Begriffs" zurück.

Strache möchte 2010 Bürgermeister von Wien werden. Das dürfte jedenfalls schwierig werden - Sorgen könnte er der SPÖ aber wohl einige bereiten. Deklariertes Wahlziel ist es, die rote Absolute zu verhindern.
Mehr Mut für unser Wiener Blut (Bild: APA / Herbert Neubauer)
Die aktuellen Wahlkampfplakate der FPÖ sorgen für Aufregung.
Der FPÖ-Chef feiert gerne, treibt Sport und gibt Autogramme auf Dekolletes.
Parties, Comics und Kung-Fu
Heinz-Christian Strache ist zweifacher Vater und von seiner aus der Gastronomen-Familie Plachutta stammenden Frau Daniela geschieden. Seither sorgte er mit seinem Beziehungsleben regelmäßig für Schlagzeilen. Von seiner letzten Freundin trennte er sich im Juni 2010. Die Beziehung zu der um 15 Jahre jüngeren Sissy Atzlinger hielt nur acht Monate.

Strache eilt sein Ruf als Partylöwe voraus. Die Nächte schlägt er sich gerne im Szene-Club "The Box" um die Ohren. Auch im "Stadl" trifft man den blauen Frontmann zu späterer Stunde öfters an. Seinen Fans gefällt das - Autogramme gibt er auf Wunsch sogar auf Dekolletes. Mit diesen Auftritten, seinen Comics als "HC-Man" und seinen Parolen punktet er bei den Jungwählern.

Regelmäßig Sport zu treiben ist für den 41-jährigen ebenfalls wichtig. Die asiatische Kampfsportart Kung-Fu zählt da beispielsweise zu seinen Hobbies. Strache liebt seine Kinder, bewundert seine Mutter und steht nur ungern früh auf, wie er auf seiner Homepage schreibt.
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