Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Ariel Muzicant
RELIGION
Muzicant für Moscheen, aber gegen Minarette
Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Ariel Muzicant, fordert mehr Moscheen - allerdings ohne Minarette. Zudem wünscht er eine "respektvolle Islam-Diskussion".
Muzicant meldet sich nun in der Moschee-Debatte zu Wort.
"Bethäuser müssen ins Land passen"
"Ich finde, überall dort, wo Menschen für Bethäuser einen Bedarf haben, sollte es Bethäuser geben", gesteht Muzicant im APA-Interview den Muslimen durchaus mehr Moscheen zu.

"Nur müssen die Menschen dafür sorgen, dass diese Bethäuser gebaut werden. Das hat zwei Konsequenzen: Erstens müssen sie das Geld aufbringen und zweitens müssen sie dafür sorgen, dass sie Bethäuser bauen, die in das Land passen, wo sie gebaut werden."
Für eine europäische Moschee-Architektur
"Bethäuser sind Bethäuser, sie müssen die religiösen Grundlagen einer Religionsgemeinschaft erfüllen", meint Muzicant. Aber: "Für Minarette ist im Zeitalter des Handys und des SMS kein Bedarf."

Es müsse auch möglich sein, muslimische Architekten zu finden, die eine eigene mitteleuropäische Moschee-Architektur entwickeln. Sonst müsse man sich den Vorwurf gefallen lassen, aus Saudi-Arabien oder Istanbul "fremdgesteuert" zu sein.
Muzicant: Kein respektloser Umgang
Was Muzicant der Islamischen Gemeinde empfiehlt: "Sie werden von mir jetzt mehr und mehr zu hören bekommen, dass es eine vernünftige, respektvolle Diskussion braucht, wie sich der Islam in Österreich weiterentwickelt. Was derzeit abläuft, wird immer wieder zu Konflikten führen."

Der IKG-Präsident glaubt, nicht, "dass man in Österreich Parallelgesellschaften akzeptieren kann, weder in der jüdischen noch in der muslimischen Gemeinde". Und weiter: "Wenn es Leute gibt, die sich nicht integrieren lassen wollen, dann haben sie in Österreich nichts verloren."

Allerdings dürfe man auch "die große Mehrheit der Integrationswilligen nicht respektlos behandeln", warnt Muzicant. Als Beispiel nannte er das mittlerweile vom Netz genommene "idiotische, lächerliche, kindische" Anti-Minarettspiel der FPÖ Steiermark.
Zahl der Juden in Österreich erhöhen
Die Israelitische Kultusgemeinde selbst bereitet derzeit eine Zuwanderungsoffensive vor. Ziel ist es, die Zahl der Juden in Österreich langfristig von 15.000 auf 20.000 bis 25.000 zu erhöhen, weswegen Verhandlungen mit der Politik anstehen.

"Das ist eine Kooperation zwischen der öffentlichen Hand und der jüdischen Gemeinde, die da nicht einfach die Leute kommen lässt, sondern dafür sorgt, dass diese Menschen wertvolle Mitglieder der österreichischen Gesellschaft werden."
Muzicant kündigte seinen Rückzug als Präsident an.
Muzicant will 2012 nicht mehr kandidieren
Muzicant spricht von Fachkräften, Handwerkern aber auch Kulturschaffenden. Widerstand fürchtet er nicht: "Wir legen Wert darauf, dass das Leute sind, die integrierbar sind. Das ist ein Gewinn für Österreich."

Bis zur Neuwahl in der Kultusgemeinde dauert es noch mehr als zwei Jahre, Muzicant will dann nicht mehr kandidieren. "Ich möchte nach 40 Jahren auch irgendwann einmal etwas anderes machen und Jüngeren die Möglichkeit geben sich einzubringen."
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