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MI | 11.04.2012
Der ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Siegfried Dohr (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
LEUTE
Ex-GÖD-Chef Dohr gestorben
Der ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Siegfried Dohr, ist am Sonntag nach schwerer Krankheit 75-jährig verstorben. Das teilte der amtierende GÖD-Chef Fritz Neugbauer (ÖVP) mit.
Von 1989 bis 1997 Vorsitzender der
Beamtengewerkschaft.
Klassische Gewerkschaftskarriere
Der Christgewerkschafter war am 2. Oktober 1934 in Klagenfurt geboren worden. Gleich nach der Matura trat er in die Finanzverwaltung des Bundes ein.

Seine gewerkschaftliche Laufbahn begann er als Mitglied des Gewerkschaftlichen Betriebsausschusses. 1969 wurde er dann Vorsitzender der Bundessektion Finanz. 1977 wurde Dohr als Dienstrechtsreferent in den Vorstand der GÖD berufen.

Zum Vorsitzenden der GÖD wurde Dohr 1989 gewählt. Im Dezember 1994 wurde ihm der Titel "Hofrat" verliehen. 1997 folgte ihm Neugebauer als Chef in der Beamtengewerkschaft nach, Dohr wurde auf Vorschlag seines Nachfolgers zum Ehrenvorsitzenden der GÖD gewählt.
Mitglied der Wiener ÖVP
Politisch stammte Dohr aus dem christdemokratischen Lager. Er war Mitglied der Landesparteileitung der ÖVP Wien, gleichzeitig auch Mitglied der ÖAAB-Bundesleitung und stellvertretender Vorsitzender der Fraktion Christlicher Gewerkschafter.

Im Jänner 1992 war Dohr zum Obmann der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA) gewählt worden.

Auch in der internationalen Gewerkschaftsbewegung war Dohr tätig. Er war Vizepräsident der Europäischen Föderation der öffentlich Bediensteten der Christgewerkschafter.
Ein Beamter mit Leib und Seele
Dohr galt als Beamter mit Leib und Seele. Von Politikern, die ihm in Verhandlungen gegenübersaßen, wurde er als traditionell, konservativ, und sogar altösterreichisch beschrieben.

Dohr hatte keine Scheu, sich mit seiner eigenen Partei, der ÖVP anzulegen. So warf er dem damaligen Parteichef Erhard Busek vor, eine Diktatur der Wirtschaftsbund-Sekretäre errichten zu wollen.

Er kandidierte auch auf der Wiener Liste der ÖVP, schaffte den Sprung ins Parlament aber nicht. Später beteuerte Dohr stets, wie recht es ihm gewesen sei, nicht durch ein Mandat in seiner Gewerkschaftstätigkeit behindert worden zu sein.
An "Pensions"-Vorsatz gehalten
Einen starken Auftritt verschaffte sich Dohr zu seinem Abgang 1997. Beim Gewerkschaftstag, bei dem er von Neugebauer abgelöst wurde, wurden die Regierungsmitglieder vom damaligen Bundeskanzler Viktor Klima (SPÖ) und Vizekanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) abwärts unter seiner Regie von den Delegierten gnadenlos ausgepfiffen.

Grund dafür war die damals geplante Pensionsreform, die dann sein Nachfolger Neugebauer abschloss - mit der von Dohr abgelehnten Einführung eines Durchrechnungszeitraumes.

An einen Vorsatz hat sich Dohr gehalten - er hatte sich vorgenommen, sich von der Pension aus nicht in die Politik einzumischen.
Pröll: "Blick auf das Gesamte nie verloren"
Vizekanzler ÖVP-Chef Josef Pröll zeigte sich in einer Reaktion "tief betroffen". Er würdigte Dohr als Personalvertreter, der sich für die Anliegen der öffentlich Bediensteten eingesetzt habe, "ohne dabei Konflikte zu scheuen", auch "ohne dabei aber jemals den Blick auf das Gesamte zu verlieren".

Mit Siegfried Dohr verliere die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst "eine prägende Persönlichkeit, die großen Anteil an der Modernisierung des Öffentlichen Dienstes in den vergangenen Jahrzehnten hat", sagte Neugebauer.

Tief bestürzt zeigte sich auch ÖVP-Wien-Klubobmann Matthias Tschirf: Mit Siegfried Dohr habe man "einen großen Kämpfer für die gewerkschaftliche Idee und für christlich soziale Werte in der Politik" verloren.
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