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MI | 11.04.2012
Cafe Museum (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
CHRONIK
Cafe Museum in neuem Gewand
Das Cafe Museum hat am Montag nach einer Generalrenovierung wieder geöffnet. Mit Plüschbänken und Sitzkojen soll es mehr Gemütlichkeit geben, doch die hat auch ihren Preis. Eine Melange kostet 4,40 Euro.
Originalinterieur von Adolf Loos nach Umbau wenig goutiert.
Plüsch und Kugellampen
111 Jahre ist das als Künstlercafe bekannte Cafe Museum in der Operngasse 7 alt. Zu den Stammgästen wurden Karl Kraus, Franz Werfel, Oskar Kokoschka, Joseph Roth, Egon Schiele und Gustav Klimt gezählt.

2009 musste das Cafe Museum schließen. Im Juli hatte es Berndt Querfeld, Betreiber des Cafes Landtmann, übernommen. Er ließ das an Adolf Loos angelehnte Interieur entfernen und setzt stattdessen auf Plüschbänke und Sitzkojen, die den Entwürfen von Josef Zotti nachempfunden sind. "Unser Ziel war es, wieder Gemütlichkeit reinzubringen", so Querfeld bei der Eröffnung.

Anders als nach dem Loos-Rückbau im Jahr 2003, der auf eine freie Tischaufstellung und kühle Schlichtheit setzte, prägen jetzt Marmortische, Thonetstühle in klassischem Schwarz, 35 messingvernickelte Wandleuchten und neun große Metallkugellampen das Cafe. Insgesamt finden 207 Gäste Platz.
Cafe Museum (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
 Neuerungen im Cafe Museum (Bild: ORF/Hellin Sapinski)
Eine Melange für 4,40 Euro.
Hochpreisiges Angebot
Man wolle frühere Stammgäste zurückgewinnen, auch Schachspielen sei erlaubt, versicherte Irmgard Querfeld. Ob sich diese trotz des hochpreisigen Angebots wieder einfinden, wird sich weisen. Für eine Melange muss man jedenfalls 4,40 Euro rechnen, für eine Kanne Tee mit 4,60 Euro zu und eine 0,33-Liter-Flasche Cola kommt immerhin auf 3,50 Euro.

Serviert werden zudem Mittagsmenüs, Hauptspeisen und kleineren Kaffeehausgerichte sowie hauseigene Patisserie. Für Laptopbenutzer gibt es Steckdosen und kostenlosen Internetzugang. Rauchern stehen im hinteren Teil des Etablissements zwei Räume zur Verfügung.
 Neuerungen im Cafe Museum (Bild: ORF/Hellin Sapinski)
Lieferanten müssen fit sein
Laut den Hausherren habe man für die Rekonstruktion der Zotti-Einrichtung gemeinsam mit Architekt Hans-Peter Schwarz diverse Kellerräume sowie Garagen und Lager privater Sammler durchforstet. Auch die räumlichen Gegebenheiten stellen Herausforderungen dar: So steht dem Personal lediglich eine Küche von acht Quadratmetern zur Verfügung.

Außerdem "müssen unsere Lieferanten sehr fit sein", da sämtliche Waren im Keller gelagert werden müssen, der lediglich über eine äußerst schmale Treppe zugänglich ist, erklärt Irmgard Querfeld.
Das Cafe Museum (Bild: ORF/Hellin Sapinski) Umbau teurer als budgetiert
Laut Betreiber habe man die ursprünglich budgetierten 500.000 Euro deutlich überschritten. Neo-Besitzer Querfeldt sieht es gelassen. Er habe seiner Bank gesagt, dass es für das Lokal keinen Businessplan gebe: "Wie viel Umsatz wir machen werden? Keine Ahnung. Wir müssen nicht davon leben, wir haben Gott sei Dank noch andere Lokale."

Das Cafe Museum ist der achte Standort des Wiener Kaffeehausmoguls. Neben dem Landtmann betreibt Querfeld unter anderem die innerstädtischen Cafes Mozart und Hofburg oder das Cafe Residenz in Schönbrunn.
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