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MI | 11.04.2012
Van der Bellen (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
WIEN-WAHL 2010
Wahl-Endergebnis: Mandate blieben gleich
Nach der Auszählung der Briefwahlstimmen liegt das vorläufige Endergebnis der Wien-Wahl vor. Die Aufteilung der Mandate blieb gleich. Alexander Van der Bellen schaffte bei den Grünen den Sprung von Platz 29 auf Platz eins.
FPÖ gewann 14 Mandate dazu
Dem vorläufigen Endergebnis zufolge erreichte die SPÖ 44,34 Prozent der Stimmen. Die FPÖ kam auf 25,77 Prozent, die ÖVP auf 13,99 Prozent, die Grünen erreichten 12,64 Prozent. Daher hat die SPÖ 49 Sitze im Gemeinderat, die FPÖ 27, die ÖVP 13 und die Grünen elf Mandate. Als einzige Partei gewann die FPÖ Sitze (+14), die anderen Parteien verloren Mandate (SPÖ -6, ÖVP -5, Grüne -3).

Das BZÖ kam im endgültigen Wahlergebnis auf 1,33 Prozent und verfehlte ebenso wie die KPÖ (1,12 Prozent) den Einzug in den Gemeinderat.

Das offizielle amtliche Endergebnis wird am 27. Oktober vorliegen, wenn der entsprechende Beschluss durch die Stadtwahlbehörde erfolgt.
Bis auf Innere Stadt ist Wien rot
In der Inneren Stadt, seit 2005 von ÖVP-Aushängeschild Ursula Stenzel regiert, konnte die ÖVP auf Gemeinderatsebene die SPÖ mit 32,82 Prozent zu 31,08 Prozent auf Distanz halten. In allen übrigen 22 Bezirken landete die SPÖ auf Platz 1 bei der Gemeinderatswahl.

Beim Urnengang 2005 hatten auf Landesebene noch die Wähler in Währing die ÖVP zur stärksten Partei gemacht, jene in Neubau die Grünen.
Auch Wahlbeteiligung stark gestiegen.
Rekord an Briefwählern
Die Wahlbeteiligung ist ein Gewinner der Wien-Wahl. Sie ist gegenüber 2005 um 6,82 Prozentpunkte auf nunmehr 67,63 Prozent gestiegen. Im Bundesländer-Vergleich wurde Wien damit den letzten Platz los, dort liegt jetzt Tirol. In der vergangenen Landtagswahlrunde verzeichnete nur Vorarlberg einen höheren Zuwachs - und zwar um 7,80 Prozentpunkte.

Groß wie nie zuvor war die Zahl der Briefwähler: Die Zahl der abgegebenen Stimmen wuchs gegenüber dem Wahlsonntag um 122.865 auf nunmehr 774.079. Fast 123.000 Wiener haben demnach ihre Stimme per Briefwahl abgeben. Das macht 15,87 Prozent der abgegebenen Stimmen bzw. mehr als zehn Prozent der Wahlberechtigten aus.

Dazu hat wohl auch die Aktion der Stadt Wien beigetragen, Wähler mittels zugeschicktem Wahlkartenantrag samt Rückantwortkuvert für die - erstmals auf Landtagsebene angebotene - Briefwahl zu gewinnen.
Briefwähler stimmten anders ab
Betrachtet man das fiktive Wahlergebnis unter den Briefwahlstimmen ergibt sich ein anderes Bild als in der Gesamtrechnung: Die SPÖ kam demnach bei den Briefwählern auf 44,6 Prozent, die FPÖ auf 19,4 Prozent, die ÖVP auf 17,9 Prozent und die Grünen auf 14,9 Prozent.

Experten erklären die Unterschiede einerseits mit "taktischem" Wählen, also der (eigentlich verbotenen) Stimmabgabe nach dem Wahlschluss am Wahlsonntag. Außerdem dürften in der ersten Briefwahltranche überdurchschnittlich viele "organisierte" Briefwahlstimmen enthalten sein - und die Grünen klassische "Spätwähler" sein.
Bürgermeister Michael Häupl (Bild: ORF)
12.030 Personen gaben Häupl die Vorzugsstimme-
Häupl knapp vor Van der Bellen
Der ehemalige Chef der Grünen, Alexander Van der Bellen, sicherte sich mit 11.952 Stimmen den Sprung von Platz 29 der Grünen Landesliste auf Platz eins. Vor ihm schaffte das noch kein Kandidat. Ob er das Mandat annimmt, ist aber noch nicht fix. Wenn es eine rot-grüne Koalition gibt, wird Van der Bellen auf jeden Fall in den Gemeinderat übersiedeln, unabhängig von seiner Position in dieser Regierung.

Bleiben die Grünen in Wien in der Opposition, will Van der Bellen noch Gespräche mit Maria Vassilakou und Eva Glawischnig führen. Klar sei für ihn aber: "Auch dann ist es zu überlegen."

Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) bekam die meisten Vorzugsstimmen. Mit 12.030 schlug Häupl den ehemaligen Grünen-Chef nur denkbar knapp. Auf Platz 3 der unter Vorzugsstimmenwählern Beliebtesten kam mit einigem Respektsabstand FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, dem 9.936 Menschen ihre explizite Zustimmung gaben.
Wieden künftig mit SPÖ-Bezirksvorsteher
Eine knappe Entscheidung gab es bei der zweiten Auszählungsrunde um die Bezirksvorstehung in Wieden. Nach der ersten Auszählungsrunde betrug der Vorsprung der SPÖ noch 84 Stimmen. Dieser Vorsprung schmolz zwar, der bisherigen Bezirksvorsteherin Susanne Reichard (ÖVP) fehlten aber letztlich 14 Stimmen. Somit stellt die SPÖ mit dem 62-jährigen Hauptschuldirektor Leopold Plasch künftig in Wieden den Bezirksvorsteher.

Die Grünen konnten sich in Wieden noch verbessern und die ÖVP überholen. Letztlich fehlten den Grünen aber fünf Stimmen auf Platz eins der Bezirksvertretung.
Gespräche mit ÖVP und Grünen: Für Kritiker eine "Koalition der Wahlverlierer".
SPÖ startet mit Koalitionsgesprächen
Schon vor dem endgültigen Ergebnis der Wien-Wahl war klar, dass die SPÖ ihre absolute Mehrheit verlieren wird. In den nächsten Tagen soll es die ersten Koalitionsgespräche geben, das kündigte Bürgermeister und SPÖ-Obmann Michael Häupl an.

Nach wie vor ist offen, mit wem Häupl regieren will. Mit der ÖVP und den Grünen will er Gespräche führen, mit der FPÖ nicht. Aufgrund der teils kräftigen Stimmenverluste wird es also eine "Koalition der Wahlverlierer" geben, wie Politikexperten und Kritiker Rot-Schwarz oder Rot-Grün bereits nannten.
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