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MI | 11.04.2012
Die Pummerin und ihr Klöppel bei der Untersuchung (Bild: Peter Grassmayr)
KULTUR
Neuer Klöppel für die Pummerin
Der Pummerin im Stephansdom steht ein Umbau bevor: Bei der Kirchenglocke wird der derzeitige 800 Kilogramm schwere Klöppel ausgetauscht. Ein leichterer Schlägel soll die Lebensdauer der Glocke erhöhen. Ihr Klang bleibt unverändert.
Der derzeitige Klöppel der Pummerin (Bild: Peter Grassmayr)
Der Klöppel beschädigt die Pummerin beim Schlagen.
Zu starke Belastungen
Die Pummerin hat schwer zu tragen: Ihr Klöppel wiegt 800 Kilogramm und beansprucht die Glocke bei jedem Schlag stark, so das Ergebnis des Belastungstests, der von Spezialisten des europäischen Kompetenzzentrums "ProBell" in Zusammenarbeit mit der Glockengießerei Grassmayr im Jahr 2007 durchgeführt wurde.

"Seither bemühen wir uns, für die Pummerin einen neuen Klöppel zu schmieden", erklärte der Innsbrucker Glockengießer Peter Grassmayr, der das Projekt Klöppelaustausch leitet. In den letzten Jahren wurden beständig Messungen angestellt, um einen leichteren Klöppel anfertigen zu können.

"Bisher fehlten uns aber die finanziellen Möglichkeiten zur Umsetzung", so Grassmayr. Nach einer langen Sponsorensuche konnte nun aber doch eine Lösung gefunden werden: Die Kosten von über 20.000 Euro sponsern die am Umbau beteiligten Firmen.
Am 4. Dezember wird der neue Klöppel hergestellt.
200 Kilogramm leichter
"Ich bin sehr froh, dass wir der Pummerin helfen können", erklärte Grassmayr. "Für mich ist sie ein Symbol Österreichs. Wenn sie zum Jahreswechsel nicht läutet, ist es nur ein halbes Silvester." Der neue drei Meter lange und 600 Kilogramm schwere Klöppel wird am 4. Dezember in einer Spezialschmiede hergestellt.

"Wir haben absichtlich dieses Datum gewählt", erzählte Grassmayr: "Denn an diesem Tag wird das Fest der Heiligen Barbara gefeiert, die mitunter die Schutzheilige der Schmiede und Glockengießer ist." Von 10.00 bis 16.00 Uhr wird das Schmieden des Klöppels dauern.

"Auf das Schmieden folgt das Nachglühen des Klöppels, um die Spannungen aus ihm herauszubekommen", so Grassmayr. "Auch ein Röntgen und ein Ultraschall muss gemacht werden."
Ein Blick zurück
Die "Alte Pummerin", oder "Josephinische Glocke", wurde nach dem Ende der Türkenbelagerung im Jahr 1683 aus dem Metall eroberter Kanonen gegossen. Am 15. Dezember 1711 wurde sie geweiht, am 26. Jänner 1712 zur Rückkehr Kaiser Karls VI. erstmals geläutet. In den Jahren des Nationalsozialismus blieb sie still.

Am 12. April 1945 war die Pummerin bei dem Brand des Domes in die Tiefe gestürzt und zerschellt. Am 26. April 1952 kehrte die zweitgrößte Glocke Europas nach Wien zurück. Sie hat ein Gewicht von 21.383 Kilogramm und einen Durchmesser von 314 Zentimeter.

Geläutet wird sie nur zu bestimmten Anlässen, etwa zu kirchlichen Feiertagen und zu Silvester. Damit dies auch künftig möglich ist, wird nun der Klöppel durch ein leichteres Modell ausgetauscht.
Anton Schützenauer und Peter Grassmayr vor der Pummerin (Bild: Peter Grassmayr)
Am Aschermittwoch soll die Pummerin wieder läuten.
Erstes Läuten am Aschermittwoch
Bevor aber der neue Klöppel in die Pummerin eingesetzt werden kann, wird der alte im Februar 2011 ausgebaut und der Kloben - jener Teil, in welchem der Klöppel nun hängt - demontiert. "Dann erst können wir mit der endgültigen Adaptierung des Klöppels an die Aufhängungsvorrichtung beginnen", erläuterte Grassmayr.

Montiert wird das neue Stück schließlich am 9. März 2011, dem Aschermittwoch. "Gegen 8.00 Uhr werden wir ihn aufziehen und die Halterung samt Klöppel montieren", so Grassmayr. Um 17.00 Uhr wird er dann erstmals läuten. Zeitgleich werden von der Fachhochschule Kempten die Belastungswerte der Glocke gemessen werden.

Entgegen anfänglicher Zweifel wird aber der Klang der Glocke unverändert bleiben: "Durch die Änderung der dynamischen Verhältnisse schlägt der Klöppel weiterhin kräftig, allerdings schonender an", versprach Grassmayr.
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