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MI | 11.04.2012
Dai Sijie bei "Eine Stadt. Ein Buch" (Bild: APA/Roland Schlager)
LITERATUR
Start zur Gratisaktion "Eine Stadt. Ein Buch"
Bei der Gratisbuchaktion "Eine Stadt. Ein Buch" wird Dai Sijies "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" verteilt. Der Autor war zum Auftakt im Messezentrum zu Gast, für ihn ist es der erste Wien-Besuch.
Autor vom Erfolg selbst überrascht
Dai Sijie lebt in Paris und war eigens für die Aktion "Eine Stadt. Ein Buch" nach Wien gekommen. Bei seinem ersten Wien-Besuch will er sich das Freud-Museum, die Oper und den Musikverein ansehen.

Dass der Roman ein derart großer Erfolg wird, habe ihn überrascht, versicherte er. Es handle sich um eine sehr intime Geschichte: "Ich
habe nicht damit gerechnet, dass das so viele Leute interessiert." Vieles von dem, worüber in dem Buch berichtet wird, hat der im Exil
lebende Chinese selbst erlebt. Auch wenn er sich die dichterische Freiheit genommen hat, Fakten zu ändern.

"In der Realität war die Schneiderin eine Bäuerin", berichtete Dai Sijie. Und er zeigte sich überzeugt: "Sie wäre sehr stolz, wenn sie
wüsste, dass dieses Buch, in dem ich von ihr erzähle, hier verteilt wird."
Bücher in China offiziell nicht erhältlich
In China sind seine Bücher und auch seine Filme offiziell übrigens nicht erhältlich. Inoffiziell schon: "Sie sind ein ziemlich großer Erfolg am Schwarzmarkt", freute sich der Autor und Regisseur.

In der Geschichte, die er in seinem ersten Roman "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" erzählt, geht es um zwei Schüler, die während der Kulturrevolution zum Arbeitsdienst in ein Bergdorf geschickt werden. Ihre Eltern sind Ärzte, sie gelten darum als Intellektuelle, die dem Regime suspekt sind.

In der Verbannung stehlen sie einem Kollegen Bücher - mit deren Hilfe sie versuchen, das Herz einer Schneiderstochter zu gewinnen. Die Lektüre - unter anderem lernt die junge Frau Balzac kennen - hat aber auch noch andere Auswirkungen: Sie beginnt sich zu
emanzipieren und verlässt letztendlich das Dorf.
Dai Sijie mit Gratisbuch "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" (Bild: APA/Roland Schlager)
Geringe Auswahl an E-Books bei "Buch Wien 10".
Schwerpunkt mit Saudi-Arabien
Die dritte Ausgabe von Österreichs größter Buchmesse ist am Mittwoch in der Halle D der Messe Wien eröffnet worden. 250 Aussteller sind dabei vertreten.

Elf Nationen präsentieren literarische Höhepunkte, ein Schwerpunkt der Messe ist in diesem Jahr dem Königreich Saudi-Arabien gewidmet. Der arabische Staat zeigt aktuelle Neuerscheinungen aus Belletristik und Sachbuch.

Spezialecken gibt es bei der "Buch Wien 10" auch für Kinder und Köche oder für Liebhaber von antiquarischen Titeln und kunstvollen Notizbüchern. Das E-Book wird dagegen eher am Rand behandelt, die Auswahl ist in diesem Bereich gering.
Die Messebuchhandlung der "Buch Wien 10" (Bild:  Reed Exhibitions Messe Wien)
Plädoyers für das gedruckte Buch
Die Eröffnungsrede der Messe hielt der österreichische Autor und Journalist Christian Ankowitsch. Er prophezeite dem gedruckten Buch eine rosige Zukunft: "Verglichen mit dem iPad hat das Buch nämlich eine ausgereifte Benutzeroberfläche, einen extrem geringen Stromverbrauch, ein spiegelfreies Display und ein unüberbietbares Handling."

Die unbestrittene Bedeutung des gebundenen Buches als "Medium des gesicherten, autorisierten Wissens" betonte auch
Hauptverbands-Präsident Gerald Schantin. Sei doch nicht zuletzt der österreichische Buchmarkt wiederum gewachsen, eine Entwicklung, die
auch "ein Verdienst der heimischen Verlagswelt" sei.
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