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MI | 11.04.2012
Kurt Rothschild (Bild: ORF)
MENSCHEN
Wirtschaftsdoyen Kurt Rothschild gestorben
Kurt Rothschild ist im 97. Lebensjahr gestorben. Er galt als Doyen der österreichischen Wirtschaftswissenschaften. Zuletzt beschrieb er in "Wie die Wirtschaft die Welt bewegt" die Wirtschaftstheorien der vergangenen 250 Jahre.
Viele Wirtschaftsgrößen gingen durch die Schule von Kurt Rothschild.
Viele prominente "Rothschildianer"
Kurt Rothschild wurde 1914 in Wien geboren, emigrierte während des Nationalsozialismus nach Glasgow, kehrte aber danach zurück nach Wien, wo er am österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut arbeitete.

Er war Gründungsprofessor der Universität Linz und bildete dort Generationen von Wirtschaftswissenschaftern aus. Unter Ihnen Ewald Nowotny, Herbert Walther, Peter Mooslechner, Christoph Matznetter oder Christoph Leitl.

Der ehemalige Leiter des österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts, Helmut Kramer, bezeichnete Kurt Rothschild zu dessen 90. Geburtstag als einen der wenigen weisen Ökonomen und sich selbst als "Rothschildianer".
Komplexe Zusammenhänge verdeutlichen
"Wir leben in einem Prozess, den wir nicht ganz durchschauen - keiner! Wenn es immer wieder gelingt, irgendwo ein Loch zu stopfen, können wir vielleicht einigermaßen unbeschädigt herauskommen", sagte Rothschild öfters über die Wirtschaftswissenschaften.

Rothschild war es wichtiger, echte Probleme zu sehen und auf sie aufmerksam zu machen, als in abstrakten Modellen an der Wirklichkeit vorbei zu theoretisieren. Etwa zeigte Rothschild auf, dass Macht ein wichtiges Phänomen in der Wirtschaft ist. Das gilt auf den unterschiedlichsten Ebenen.

"Geld ist Macht, das weiß doch jeder. Ohne Geld ist es schwer, etwas zu erreichen. Und in der aktuellen Finanzkrise ist es so, dass die großen Bankkonzerne versucht haben, Geld gewinnbringend zu veranlagen, indem sie Kredite vergeben haben, die sie nicht hätten vergeben dürfen. Aber sie hatten genügend Macht, um ein so brüchiges System zu schaffen", so Rothschild.
Anerkennung über Parteigrenzen hinaus
Er wollte die herrschende Lehre verbessern, war aber nie dogmatisch und immer objektiv, streute Wifo-Chef Karl Aiginger seinem Vorgänger Rosen. Rothschild habe die Welt verbessern wollen. Er habe aber immer auch gegenteilige Erkenntnisse zu seinen Positionen offengelegt. Das Rothschild über die Parteigrenzen anerkannt war, zeigen die Reaktionen auf seinen Tod.

"Mit Kurt W. Rothschild verliert Österreich eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im Bereich der Volkswirtschaftslehre", sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Von seinen Erkenntnissen, werden noch viele Generationen profitieren, so auch Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ).

"Er war ein hochgeschätzter Wissenschafter, der immer seinen unabhängigen Geist bewahrt hat und sich nicht vom jeweiligen Mainstream hat einfangen lassen", so Alexander Van der Bellen, außenpolitischer Sprecher der Grünen.
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