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MI | 11.04.2012
Sonnenfinsternis über Wien (Bild: ORF/Leopold Wimmer)
WISSENSCHAFT
Sonnenfinsternis: Klare Sicht auf "Seltenheit"
Beste Sicht herrschte Dienstag früh in Wien auf eine partielle Sonnenfinsternis. Dutzende Interessierte nutzten die Gelegenheit und beobachteten das Himmelsereignis vom Flakturm im Esterhazypark aus.
Dutzende Menschen beobachten die partielle Sonnenfinsternis vom Flakturm im Esterhazypark (Bild: APA/Georg Hochmuth)
Dutzende Beobachter am Flakturm im Esterhazypark.
"Hörndel, dessen Spitzen nach oben zeigen"
Auf dem Flakturm waren zahlreiche Teleskope und Fotoapparate auf die sich verdunkelnde Sonne gerichtet und der Wiener Astronom und Volksbildner Hermann Mucke erklärte das astronomische Spektakel: Der Mond, der sich zwischen Erde und Sonne schiebt, lässt "nur ein Hörndel über, dessen Spitzen nach oben zeigen - eine Seltenheit".

Kurz nach 8.00 Uhr begann die Sonnenfinsternis. Von rechts oben schob sich der Mond vor die Sonnenscheibe. Der Höhepunkt der Eklipse war kurz vor 9.30 Uhr erreicht, als rund drei Viertel der Sonne bedeckt waren. Nur eine schmale Sonnensichel lugte unter dem Mond hervor.

Das Tageslicht war zu diesem Zeitpunkt sehr fahl, allerdings nicht so dunkel wie bei der letzten totalen Sonnenfinsternis in Österreich im Jahr 1999. Kurz vor 11.00 Uhr war das Phänomen dann vorbei.
Sonnenfinsternis über Wien (Bild: ORF/Karrigl)
Warten auf nächste Sonnenfinsternis
Wer die heutige Sonnenfinsternis versäumt hat, muss einige Zeit warten, bis es wieder so weit ist. Drei weitere partielle Sonnenfinsternisse in diesem Jahr sind in Österreich nicht sichtbar.

Erst am 20. März 2015 ist wieder eine partielle Sonnenfinsternis in Österreich zu sehen, die nächste totale Sonnenfinsternis kann man hierzulande erst wieder 3. September 2081 beobachten.
Beobachten der Sonnenfinsternis (Bild: ORF/Fiedler)
Oftmals als Unheilsboten gedeutet
Sonnen- und Mondfinsternisse galten in der Geschichte lange Zeit als angsteinflößende Ereignisse und Unheilsboten. Vielfach ist überliefert, dass etwa Machthaber die Kenntnisse von Astronomen nutzten, um mit ihren Vorhersagen andere Menschen zu beeindrucken.

So wird Christoph Kolumbus nachgesagt, er habe 1504 die Gunst der Einheimischen auf Jamaika erlangt, indem er eine derartige Mondfinsternis voraussagte. Einer Mondfinsternis ist auch der Untergang Athens im Peloponnesischen Krieg zuzuschreiben, da die Athener wegen dieser den Rückzug um ein Monat verschoben.

Im 15. Jahrhundert konnten türkische Belagerer die Stadt Byzanz einnehmen, da die christlichen Verteidiger die Verdunkelung als unheilvolles Zeichen des Himmels ansahen.
"Farben, die nie ein Auge gesehen"
Schon beim Tode Christi soll sich die Sonne verdunkelt haben, heißt es im Lukasevangelium. Livius berichtet das selbe vom Tod Cäsars.

Von vielen Herrschern wurde die Verdunkelung als schlechtes Zeichen gewertet - sie mussten es schließlich wissen, da sie ja den Himmelsgöttern angeblich am nächsten standen. Der abergläubische Ludwig I. starb im Jahr 840 nach Beobachtung einer Sonnenfinsternis.

Speziell Sonnenfinsternisse waren aber auch Inspirationen für Künstler. So beschrieb Adalbert Stifter die totale Verdunkelung des Jahres 1842 als "das Holdeste", was er je an Lichteinwirkung gesehen habe. Er schildert in einem Aufsatz: "Farben, die nie ein Auge gesehen, schweiften durch den Himmel. Ich war von Schauer und Erhabenheit so erschüttert, es war als hätte Gott ein deutliches Wort gesprochen."
*Teilnahmebedingungen: Pro Teilnehmerin und Teilnehmer sind mehrere Fotos zugelassen. Die Auswahl der Bilder obliegt ausschließlich dem ORF. Der Rechtsweg ist jedenfalls ausgeschlossen. Jeder Einsender erkennt die Teilnahmebedingungen mit jeder Einsendung automatisch an und tritt sämtliche zeitlich und territorial unbeschränkten Nutzungsrechte an seinen Fotos an den ORF zur (auch künftigen) Veröffentlichung in dessen Medien ab.
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