Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Wikipedia-Logo (Bild: EPA/dpa/Boris Roessler)
IT
Wiener Jubiläumsstammtisch feiert Wikipedia
Am 15. Januar 2001 ist die Plattform "wikipedia.com" online gegangen. Zur Feier des zehnjährigen Bestehens laden die Wiener Wikipedianer daher am Samstag zu einem Jubiläumsstammtisch.
Jedem seine Themen-Nische.
"Jäger-und-Sammler-Denken" als Motivation
"Es ist das 'Jäger-und-Sammler-Denken', das Wikipedia so reizvoll und interessant macht", erklärte Kurt Kulac, Obmann und Mitgründer des Vereins Wikimedia Österreich, gegenüber wien.ORF.at.

"Anfangs ist es ein Selbstversuch im Artikelschreiben, gibt es dann Rückmeldungen von anderen Usern, bekommt man neue Ideen, wächst in die Gemeinschaft hinein und findet die passende Themen-Nische für sich", so Kulac weiter. Die Themenwahl obliege dabei dem jeweiligen Nutzer.

Dabei stelle "Wikipedia ein Modell dar, das in der Praxis funktioniert und in der Theorie nie funktionieren würde", brachte der Rechtsanwaltsanwärter das Prinzip der Enzyklopädie-Seite auf den Punkt. Ein konkretes Büro, Redaktionsstatuten oder eine Organisation im klassischen Sinne gibt es jedoch nicht.
Artikelwachstum als größte Herausforderung.
Weltweit auf Platz zwei
"Jeder, der sich auf der Seite registriert, kann prinzipiell über alles schreiben", so Kulac. Die so entstandenen Artikel werden "minutenschnell von anderen Usern gelesen, ergänzt, korrigiert oder gelöscht", fuhr Kulac fort. Auch gebe es Wikipedianer, die nur für die Textkontrolle zuständig sind - ein "Überwachungssystem", so der 27-Jährige.

"Unsere größte Herausforderung heute ist, was vor ein paar Jahren als unser größter Segen galt - das starke Artikelwachstum", so Kulac weiter. In den Anfangszeiten seien vor allem einfache und kurz gehaltene Artikel entstanden. Heute gehe es vielmehr um Detailinformationen.

Immerhin liegt die deutschsprachige Wikipedia mit 1,2 Millionen Beiträgen nach der englischsprachigen Variante an weltweit zweiter Stelle.
Wiener, männlich, Student.
Wiener Wikipedianer
Im Bezug auf die tatsächliche Publikationstätigkeit der User sehen die Zahlen allerdings anders aus: "Im deutschsprachigen Raum gibt es 22.000 Personen, die öfters und 1.000, die täglich Artikel verfassen", schätzte Kulac.

Gemünzt auf Österreich ergibt das etwa 50 regelmäßige sowie zwischen zehn und 20 tägliche Schreiber. "Generell sind die Nutzer auf alle Bundesländer verteilt, wobei Wien einen Schwerpunkt bildet und rund 20 Prozent der österreichischen Nutzer hier zu verorten sind", so Kulac.

Dabei sei, laut einer anonymen Umfrage unter den registrierten Nutzern, der typische Wiener Wikipedianer männlich, um die 25 Jahre alt, Student oder gerade mit dem Studium fertig und an Technik und Computer interessiert. "Bei Frauen, die schreiben liegen wir leider unter 20 Prozent", meinte Kulac.
Spaßprojekt auf der Überholspur
Am 15. Januar 2001 starteten Jimmy Wales und Larry Sanger die englischsprachige Internet-Enzyklopädie "Nupedia" sowie die Plattform "wikipedia.com". Auf letzterer sollten Freiwillige Themen sammeln, die nach redaktioneller Bearbeitung in "Nupedia" übernommen wurden.

Es handelte sich damit um ein, wie es Sanger bezeichnete: "Spaßprojekt". Bereits zwei Jahre später hatte das Spaßprojekt seine Mutter überholt und verfügte 2003 über 130.000 Artikel in 28 Sprachen. In der Folge wurde "Nupedia" aufgegeben.

Seither entstanden weltweit 25 Gemeinschaften. In Österreich wurde der selbstständige Verein "Wikimedia Österreich" im Mai 2008 von Christoph Breitler, Kurt Kulac und etwa zehn Wikipedia-Autoren gegründet. Finanziert wird Wikipedia durch Spenden, mit denen unter anderem auch Stipendien gefördert werden.
Inhalte können frei von jedem Nutzer weiterverwendet werden.
In der Theorie nicht möglich
"Der meiste Austausch passiert über Chats und die Diskussionsräume auf Wikipedia", meinte Kulac. Einzuhalten sei einzig die Grundstruktur enzyklopädischer Artikel, eine neutrale Ausdrucksweise sowie gegenseitiger Respekt. "Auch ist es wichtig, dass die Nutzer ihre Texte frei schreiben und nicht irgendwo abschreiben", so Kulac.

Nach ihrer Veröffentlichung besteht jedoch kein urheberrechtlicher Anspruch seitens der Verfasser, sondern die Inhalte können frei von jedem Nutzer weiter verwendet werden. "Einer davon ist aktuell der Aufruf zu dem Wiener Stammtisch anlässlich des Jubiläums von Wikipedia", so Kulac.

Parallel mit 200 synchron stattfindenden Stammtischen weltweit sollen dabei Wikipedianer "zum Plaudern und Kennenlernen zusammentreffen", meinte Kulac.
Service:
Zu dem zehnjährigen Bestehen der Wikipedia veranstalten die österreichischen Wikipedianer am Samstag, den 15. Jänner 2011, um 18 Uhr in der "Hopfenstange" - parallel mit St. Pölten, Linz und Graz - einen großen Stammtisch.

Auch in anderen Ländern gibt es derartige Veranstaltungen.
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