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MI | 11.04.2012
Polizei (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
CHRONIK
Polizei: Gezielte Ausbildung gegen Rassismus
Immer wieder gibt es gegen Polizisten Rassismus-Vorwürfe. In Zukunft sollen vor allem mit gezielter Ausbildung rassistische Vorfälle verhindert werden.
Schere zwischen Theorie und Praxis
Rassismusvorwürfe gibt es gegen die Wiener Polizei immer wieder. Verkrustete Strukturen dürften daran Mitschuld haben. Bei der Polizei wird das Problem als "Cop-Culture" bezeichnet - also wenn Theorie und Praxis auseinanderdriften.

Denn Fakt ist: In der Polizeischule umfassen Kurse zum Thema Menschenrechte, Konfliktmanagement und Berufsethik bereits ein Viertel der gesamten Ausbildung. Im Alltag auf der Straße seien die guten Vorsätze mitunter aber schnell vergessen, wie immer wieder aus Polizeikreisen zu hören ist.

Das passiere vor allem dann, wenn ältere Kollegen schlechten Einfluss auf die Jungpolizisten ausüben würden.
"Sanfterer" Übergang von Ausbildung in die Praxis geplant.
Mentoren sollen helfen
Der oberste österreichische Polizeiausbildner Karl-Heinz Grundböck - er leitet auch ein Projekt zum Thema Menschenrechte und Polizei im Innenministerium - will ab 2012 mit Mentoren vor allem junge Polizistinnen und Polizisten stärken.

Langjährige, bewährte Polizisten sollen ihren jungen Kollegen dabei mit Rat und Rat zur Seite stehen und auch den Übergang von der Ausbildung in die Praxis begleiten, erklärte Grundböck gegenüber Radio Wien.
Polizeiarbeit soll genauer hinterfragt werden.
Kampf gegen "strukturellen Rassismus"
Weiters will man bei der Polizei noch dieses Jahr ein spezielles Pilotprojekt gegen Rassismus starten. Die Polizisten müssen dabei begründen, warum sie eine Person überprüft haben. Die Hautfarbe eines Verdächtigen dürfe dabei keine Rolle spielen beziehungsweise als Begründung herhalten.

Damit wolle man auch einem "strukturellen Rassismus" innerhalb der Polizei den Kampf ansagen, so Grundböck. Von den Beamten würde es oft heißen, dass es sich bei Drogendealern vor allem um Nigerianer handle. Dabei müsse aber hinterfragt werden, ob nicht einfach nur diese verstärkt von der Polizei kontrolliert werden.

Grundböck brachte dazu einen anschaulichen Vergleich: Wenn man jetzt verstärkt Alkoholkontrollen bei Autolenkern mit einem gelben Auto macht, dann würde die Statistik auch sehr schnell zeigen, dass vor allem Autobesitzer mit gelben Fahrzeugen alkoholisiert unterwegs seien.
Beginn eines langen Reformprozesses
Die verbesserte Ausbildung, Mentoren im Alltag und eine tiefergehende Analyse der Polizeiarbeiten sollen künftig also helfen, rassistische Vorfälle innerhalb der Polizei zu verhindern. Bei der Polizei ist man sich aber im Klaren, dass es sich dabei um einen langen Reformprozess handle.

Daniel Pichler, wien.ORF.at
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