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MI | 11.04.2012
Fiaker (Bild: APA/Techt)
CHRONIK
Fiaker neu mit Nummerntafel und Fahrtenbuch
Einige Neuerungen kommen durch eine Gesetzesnovelle auf die Fiaker zu. So werden ein Fahrtenbuch und Nummerntafeln verpflichtend. Dazu soll garantiert werden, dass die Pferde nicht täglich im Einsatz sind.
Neu sind auch die "Pooh-Bag"-Pflicht und einheitliche Strafen.
Fütterungszeit muss dokumentiert werden
Die Neuerungen werden durch eine Gesetzesnovelle festgelegt, die frühestens in einem halben Jahr gültig wird. So wird stärker auf die regelmäßige Fütterung geachtet. Weiters muss es eine einstündige Ruhepause geben, die in einem Fahrtenbuch dokumentiert wird. Auch die Abfahrt vom Stall und die Zahl der Fahrten müssen eingetragen werden.

Künftig soll es auch eine fixe Fahrzeug-Identifikationsnummer geben, vergleichbar mit der Fahrgestellnummer beim Auto. Sie muss
gemeinsam mit den bisher schon üblichen Kennzeichen fix an der Kutsche angebracht werden. Bisher waren die Nummern lose auf den
Gefährten angebracht. Die neue Nummerntafel soll die rasche Identifizierung erleichtern.

"Pooh-Bags" müssen künftig verpflichtend verwendet werden. Ersatzzahlungen, mit denen man sich von der entsprechenden Pflicht befreien konnte, sind nicht mehr möglich. Die Auslaufzonen müssen sich innerhalb des Stadtgebiets befinden, der Strafenkatalog für Vergehen wird einheitlich. Als Höchststrafe drohen den Fiakern bis zu 3.500 Euro.
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32.4 % Finde ich unnötig.
Grüne und rote Platzkarten in der City
Auch bei den Standplätzen wird es eine neue Regelung geben. Mit grünen Platzkarten dürfen Standplätze in der City an geraden Kalendertagen angefahren werden, rote Karten gibt es für ungerade Tage.

Das Kartensystem soll sicherstellen, dass die Gespanne nicht jeden Tag im Einsatz sind. Vor allem bei kleineren Fiaker-Unternehmen soll das immer wieder der Fall sein.

Die Betriebszeiten bleiben prinzipiell unverändert. Die Wartezonen in der Innenstadt dürfen aber nur noch in der Zeit von 10.00 bis
22.00 Uhr angefahren werden, damit Gespann-Betreiber, die eine längere Anfahrtszeit haben, nicht benachteiligt werden.
In Wien gibt es derzeit rund 40 Fiaker-Unternehmer mit etwa 200 Kutschen. Ihnen stehen in der City insgesamt 58 Plätze zur Verfügung, die nach einem internen System vergeben werden.
Schärfe Prüfung für Konzession
Laut Tierschutzstadträtin Ulli Sima (SPÖ) und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) sind die meisten Fiaker vorbildlich, die Zahl der Beanstandungen ist demnach im Sinken. Im Vorjahr gab es 28 Anzeigen, unter anderem wegen Überschreitung der Betriebszeiten oder unsachgemäßer Anwendung des Zaumzeugs.

Mit den Gesetzesnovellen sollen jene Unternehmer genauer kontrolliert werden, die sich nicht im erforderlichen Ausmaß um ihre Pferde kümmern. Die bisherigen Kontrollen werden verstärkt. Unangekündigte Besuche des Veterinäramts wird es künftig sowohl in den Ställen als auch an den Standplätzen geben.

Auch die jährlich durchgeführte Konzessionsüberprüfung wird schärfer. Anders als bisher müssen künftig alle Pferde, das gesamte Kutscheninventar und sämtliches Geschirr vorgeführt werden.
Kritik wegen Beschränkung der Zufahrtszeiten
Bei den Fiaker-Vertretern stoßen die geplanten Neuerungen nicht nur auf Zustimmung. Andreas Curda, Geschäftsführer der Fachgruppe Beförderungsgewerbe in der Wiener Wirtschaftskammer, sieht etwa die Beschränkung der Zufahrtszeiten auf 10.00 bis 22.00 Uhr problematisch.

Damit könnten Kunden verloren gehen, die schon vorher eine Rundfahrt machen wollen, etwa in den heißen Sommermonaten. Zudem sei das Fahrtenbuch ein zusätzlicher
Verwaltungsaufwand. "Das ist nicht das, was wir als Wirtschaftskammer bevorzugen", meinte Curda.

Schwierig umzusetzen dürfte laut Curda auch die Regelung in Sachen Auslaufflächen sein. Diese dürfen sich nicht mehr in angrenzenden Gemeinden befinden. Einige Unternehmer hätten jedoch, so gab der Fachgruppen-Chef zu bedenken, Freiflächen und Ställe außerhalb Wiens.
Überprüfung "nicht Problem der Fiaker"
Auch der Fiaker-Sprecher in der Wirtschaftskammer, Walter Stolba,
äußerte Kritik wegen der Auslaufflächen. "Es ist nicht unser Problem, ob das überprüft werden kann oder nicht", so Stolba, der
selber Fiaker-Unternehmer ist.

Es würde jedenfalls die Flexibilität der Betreiber eingeschränkt werden, zeigte er sich überzeugt. Jeder solle individuell entscheiden können, auf welche Pferdekoppel er seine Pferde bringe. Er warnte davor, dass mit den umfassenden
Kontrollen "über das Ziel hinausgeschossen" werde.
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