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MI | 11.04.2012
Herwig Seeböck (Bild: APA/Hans Techt)
KULTUR
"Häfenliterat" Herwig Seeböck verstorben
Mit seiner "Häfenelegie" hat der Schauspieler, Kabarettist und Regisseur Herwig Seeböck 1964 ein Stück Kleinkunstgeschichte geschrieben. Am Dienstag ist Seeböck 71-jährig verstorben, wie die Familie gegenüber Radio Wien bestätigte.
"Häfenelegie" nach persönlichem Erlebnis.
Vier Monate Haft für Übermut in Grinzing
Seeböck wurde am 7. Dezember 1939 in Wien geboren. Er studierte zunächst an der Angewandten Malerei, entdeckte als Statist am Burgtheater allerdings schon bald das Schauspiel für sich.

25-jährig eskaliert ein Übermut in Grinzing: Als Seeböck mit einem Freund zwei Küchenmädchen im oberen Stock eines Wirtshauses besuchen will, werden sie für Einbrecher gehalten und von der Polizei gestellt. Seeböck habe eine Boxerstellung eingenommen und sich der Festnahme widersetzt, meinte der Inspektor. Notwehr, beteuerte der Verhaftete.

Viereinhalb Monate Gefängnis lautete das Urteil - und hatte in der "Häfenelegie" mit ihren Charakterstudien, kriminellen Tipps und Alltagsphilosophien hinter Gittern fruchtbare Folgen. 1965 wurde die "Häfenelegie" am "Neuen Theater am Kärntnertor" uraufgeführt. Gerhard Bronner hatte Seeböck schon vor der Haft in dieses Ensemble geholt.
Seeböck und Schüssel (Bild: APA/Schlager)
Der damalige Außenminister Wolfgang Schüssel und Seeböck im Gespräch auf der Freyung anlässlich des EU-Fests zum Europatag 1996. Das Dudelsackspielen war ein Hobby, das der schottischstämmige Abkömmling des MacLennon-Clans auch bei Drehpausen ausübte.
Mit Kabarettstar in "Muttertag" aufgetreten.
Düringer bei Seeböck in der "Lehre"
Fortan wirkte Seeböck als Schauspieler, Kabarettist, Regisseur, aber auch Maler und Übersetzer. Von 1967 bis 1969 war er in Graz, von 1970 bis 1973 und von 1977 bis 1979 am Volkstheater und zwischen 1973 und 1976 am Burgtheater engagiert.

Seit 1981 arbeitete er als freier Schauspieler und Regisseur und unterrichtete unter anderem am Max-Reinhardt-Seminar. Zu seinen privaten Schülern, denen er auch Fechtunterricht erteilte, gehörte etwa Roland Düringer. Mit ihm trat er auch in den Filmen "Muttertag" als Kaufhausdetektiv ("Hustinettenbär") und "Hinterholz 8" sowie im Kabarett auf.

Mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Erika Mottl, las er Stücke von Karl Valentin und gründete das "Seeböck Ensemble". Sohn Jakob Seeböck wurde ebenfalls Schauspieler und tritt unter anderem als Kommissar in der Serie "SoKo Kitzbühel" auf.
3.000 Aufführungen der "Häfenelegie"
Die "Häfenelegie" hat Seeböck etwa 3.000-mal gespielt, auch Sohn Jakob hat das Stück schon zur Aufführung gebracht. Herwig Seeböck hatte sich vor einigen Jahren von der Bühne zurückgezogen.

"Ich war bis fünfzig so wild, dass mir das heute wehtut. Mein wildes Leben rächt sich jetzt", sagte er vor einem Jahr in einem Ö1-Interview.
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