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MI | 11.04.2012
Pfleger Sascha Kirchmayer und die Wasserbüffel (Bild: Lukas Beck)
TIERE
Pfleger und Fotos erzählen vom Leben im Zoo
Ein Jahr lang haben Lukas Beck und Renate Pliem die Tiere und ihre Pfleger in Schönbrunn mit Kamera sowie Papier und Stift begleitet. Aus interessanten Erzählungen und eindrucksvollen Bildern entstand das Buch "Leben im Zoo".
Pfleger des Tiergartens Schönbrunns lassen hinter die Gehege blicken.
Gespür für Signale der Tiere
Zu den Arbeiten als Pfleger gehören nicht nur die idyllischen Vorstellungen vom Spielen mit den süßen, faszinierenden Tieren. Den Großteil machen körperliche Tätigkeiten wie Gehege säubern, Kot wegräumen, Wege kehren oder Futter vorbereiten aus.

Doch die Vertrautheit zum Tier macht den Reiz aus. Als Pfleger ist es wichtig, mit dem Tier vertraut zu sein und ein Gespür für seine Signale für Balz, Krankheit oder ähnliches zu entwickeln. Die Tiere erkennen ihre Betreuer meist am Geruch.

Von diesem Leben und Arbeiten mit den Tieren erzählen 71 Pfleger aus Schönbrunn im Buch "Leben im Zoo". Autorin Renate Pliem hat mit ihnen gesprochen, Fotograf Lukas Beck lieferte die Bilder zu den Erzählungen.
Pfleger Wilhelm Radobersky und die Seychellen-Riesenschildkröte Schurli (Bild: Lukas Beck)
Pfleger Andreas Eder und die Löwin (Bild: Lukas Beck)
Eine Scheibe trennt Pfleger Andreas von den Löwen.
Eisbären sind "kamerageil"
"Tiere und Pfleger sind die Säulen eines Zoos", so Tiergarten-Direktorin Dagmar Schratter im Vorwort zum Buch. In den „Doppelporträts“ erfährt man vom Alltag und den Besonderheiten des Lebens im Tiergarten.

Pflegerin Michaela erzählt zum Beispiel von der für sie sehr emotionalen Geburt der Eisbärenbabys und wie "kamerageil" ihre "Buam" sind: "Je mehr Kameras auf sie gerichtet sind, desto mehr lassen sie den Kasperl raushängen." Die Löwin liegt hingegen meist faul herum und kommt selten an den Rand des Geheges, weiß ihr Pfleger Andreas.

Das bereits zwölfte Elefantenkind, das Pfleger Mathias aufwachsen sieht, ist Tuluba. Bei der Geburt hat ihn dessen Mutter Numbi sofort "angerüsselt", erinnert er sich. Auch Pfleger Willi hat schon jahrelange Erfahrung: Die Riesenschildkröte Schurli kennt ihn bereits seit 36 Jahren. Willi steht kurz vor der Pensionierung, Schurli ist mit 100 Jahren im besten Alter.
Pfleger Alfred Maier und der Orang Utan (Bild: Lukas Beck)
Pfleger Alfred ist für die Orang-Utans eine Bezugsperson.
Orang-Utan, Giraffe und Panda trainieren
Das Training spielt bei vielen Tieren eine große Rolle. Mit Leckerlis werden ihnen bestimmte Befehle gelehrt. Neben Orang-Utans, Pandas und Giraffen wird auch das Panzernashorn trainiert. Gemüse bekommt es bei einfachen Anweisungen, einen Apfel, wenn Pfleger Michael ins offene Maul greifen kann. Für eine Ananas legt es sich sogar nieder.

"Schau, der Rudolf" hört man häufig, wenn Tiergartenbesucher am Rentiere-Gehege vorbeikommen. Pflegerin Manuela berichtet, wie neugierig Rentiere sind und von den Kämpfen um die Rangordnung. Sie finden auch zwischen Weibchen statt, da diese wie ihre männlichen Pendants ein Geweih tragen.

Die Giraffe ist weniger neugierig, eher ein schreckhaftes Tier. Auf die Farbe Rot reagiert sie mit Panik und wird sogar unruhig, wenn ein Besen am Gang steht, der nicht dorthin gehört. Wenn ein Weibchen paarungsbereit ist, dann ist Kimba aber nicht zu bremsen, erzählt Pflegerin Petra.
Pflegerin Petra Stefan mit Giraffe Kimba (Bild: Lukas Beck)
Giraffe Kimba ist über vier Meter groß, Pflegerin Sonja 1,58.
Pfleger Patrick Fagler und das Totenkopfäffchen (Bild: Lukas Beck) Auch die Nacktmulle wird gepflegt
Auch über Tiere, die man nicht als erste mit Zoo assoziiert, werden im Buch Geschichten erzählt: das Totenkopfäffchen, die Malaien-Quallen oder die Nacktmulle.

Sogar Tiere, die nicht zum Beobachten gedacht sind, kommen vor: Pfleger Michael kümmert sich um die Zucht von Mäusen und Ratten, die später Säugetieren oder Reptilien als Futter dienen. Bis zu 170 Mäuse und zehn Ratten werden pro Tag gebraucht.

Man erfährt weiters von Fidschi-Leguanen, dass sie ihre Farbe wechseln, wenn ihnen ein Weibchen gut gefällt, oder von der Norikerstute Gerti. Ihre Artgenossen sind seit jeher Arbeitspferde und wurden früher vom Adel vor den Wagen gespannt.
Pflegerin Sophia-Maria Wünsche und der Albino-Tigerpython Houdini (Bild: Lukas Beck)
Houdini ist ein "Ausbruchskünstler".
Die Natter fühlt sich an wie Massage, die Wasserbüffel wollen kuscheln.
Schlangen sind nicht glitschig
Angenehm wie eine Massage ist es, wenn sich die Bergkönigsnatter um den Hals legt, meint Pflegerin Miriam. Schlangen seien im Gegensatz zur landläufigen Meinung gar nicht glitschig.

Auch der "Ausbruchskünstler" Houdini, ein Albino-Tigerpython, ist fast zutraulich. Bei seinem Vorbesitzer brach er an den unmöglichsten Stellen aus und ist daher nach dem Entfesselungsspezialisten benannt.

Im Gegensatz zu den Schlangen sehen Flusspferde gutmütig aus, können aber umso gefährlicher sein, weiß Pflegerin Sonja. Die riesigen Wasserbüffel sind durchaus friedfertig und zutraulich. Sie wollen von ihrem Pfleger Sasche gestreichelt und gekrault werden, sobald dieser ins Gehege kommt.
Pflegerin Sonja Sladky und das Flusspferd (Lukas Beck)
Der Schein trügt: Die gutmütig aussehenden Flusspferde können gefählich werden.
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