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MI | 11.04.2012
Neuer Klöppel für Pummerin (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
CHRONIK
Pummerin bekam neuen Klöppel
Die Pummerin im Stephansdom hat am Mittwoch einen neuen Klöppel bekommen. Der alte musste ausgetauscht werden, weil er die Glocke zu stark belastet hatte. Die Glocke soll mit dem neuen Schlegel unverändert klingen.
Keine Probleme bei Einbau
Mehrere Stunden dauerten die Einbauarbeiten. Probleme gab es dabei keine. Zunächst hievte ein Kran den alten Klöppel vom Nordturm, wo sich die Pummerin befindet, herunter. Er war bereits Anfang Februar ausgebaut worden, wurde aber bis jetzt im Turm gelagert.

Anschließend wurde der neue, rund drei Meter lange Klöppel auf den Turm gehoben und in den Glockenraum getragen. Danach wurde er unter der Glocke aufgestellt, mit einem speziellen Hebegestell angehoben und schließlich montiert.

Am späten Nachmittag wurde die Pummerin schließlich zum ersten Mal von ihrem neuen Schlegel zum Läuten gebracht.
Pummerin läutet wieder.
200 Kilo leichter
Der Austausch des Klöppels war die Folge eines Belastungstests, der 2007 durchgeführt wurde. "Dabei ist herausgekommen, dass der alte Klöppel die Glocke viel zu stark belastet hat", so Peter Grassmayr von der Tiroler Glockengießerei Grassmayr, die den Klöppel-Austausch durchgeführt hat.

Der Schlegel sei in den dynamischen Verhältnissen falsch und außerdem zu schwer gewesen. Mit dem alten Klöppel hätte die Pummerin nur noch rund 200 Jahre "gelebt". Der neue Schlegel wurde in Süddeutschland aus Spezialstahl gefertigt. Er ist mit 613 Kilo um vieles leichter als sein 886 Kilo schwerer Vorgänger.

Entgegen anfänglicher Zweifel sollte der Klang der Glocke unverändert bleiben: "Durch die Änderung der dynamischen Verhältnisse schlägt der Klöppel weiterhin kräftig, allerdings schonender an", erklärte Grassmayr.
Neuer Klöppel für Pummerin (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
Der Klöppel-Austausch kostete insgesamt 25.000 Euro und wurde mit Sponsorengelder finanziert. Der alte Schlegel wird künftig im Glockenmuseum in Innsbruck zu sehen sein.
Glocke aus Kanonenmaterial gegossen
Die "Alte Pummerin", oder "Josephinische Glocke", wurde nach dem Ende der 2. Türkenbelagerung aus dem Metall eroberter Kanonen gegossen. Am 15. Dezember 1711 wurde sie geweiht, am 26. Jänner 1712 zur Rückkehr Kaiser Karls VI. erstmals geläutet. In den Jahren des Nationalsozialismus blieb sie still.

Am 12. April 1945 war die Pummerin bei dem Brand des Domes in die Tiefe gestürzt und zerschellt. Am 26. April 1952 kehrte die zweitgrößte Glocke Europas nach Wien zurück. Sie hatte bisher ein Gewicht von 21.383 Kilogramm und einen Durchmesser von 314 Zentimeter.

Geläutet wird sie nur zu bestimmten Anlässen, etwa zu kirchlichen Feiertagen und zu Silvester. Damit dies auch künftig möglich ist, wurde nun der Klöppel durch ein leichteres Modell ersetzt.
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