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MI | 11.04.2012
Kaiserin Elisabeth-Spital (Bild: ORF)
POLITIK
Wien reduziert Zahl der Spitäler
Eine Konzentration auf sieben Schwerpunktkrankenhäuser sieht die von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) präsentierte Spitalsreform vor. Das Kaiserin-Elisabeth-Spital wird zu einem Pflegehaus.
Kaiserin-Elisabeth-Spital wird bis 2015 Pflegehaus.
Sieben Standorte mit Schwerpunkten
Die sieben zentralen Standorte des Krankenanstaltenverbundes sind das Krankenhaus Hietzing, das Kaiser-Franz-Josef-Spital, das Wilhelminenspital mit dem mitgeführten Otto Wagner Spital, die Rudolfstiftung, das neue Krankenhaus Nord, das Donauspital und das AKH.

Die Konzentration auf die sieben Standorte ist laut Reform bis 2030 vorgesehen. "Mehr Qualität. Weniger Häuser" ist laut Wehsely ein Eckpunkt des Konzepts. Jedes der sieben Krankenhäuser soll Schwerpunktaufgaben übernehmen, damit sollen Doppelgleisigkeiten vermieden werden. So ist im Krankenhaus Hietzing eine Klinik für Schlaganfall, Diabetes und Rheuma geplant.

Auslöser der Reform sind die explodierenden Spitalskosten und die Kritik des Rechnungshofes.
Allein die Zahl der Spitalsärzte sei laut Wehsely in den letzten Jahren um über sechs Prozent auf knapp 2.900 angewachsen.
Auch SMZ Sophienspital wird aufgelassen
Das Kaiserin-Elisabeth-Spital in Rudolfsheim-Fünfhaus soll bis 2015/2016 ein Pflegewohnhaus mit sozialmedizinischer Betreuung werden. Die Chirurgie des Kaiserin-Elisabeth-Spitals mit Schwerpunkt Schilddrüse übersiedelt bis Ende 2012 in die Rudolfstiftung.

Dafür wird im Kaiser-Elisabeth-Spital die Pflege aus dem SMZ Sophienspital angesiedelt. Das SMZ Sophienspital wird bis 2016 aufgelassen, vorher übersiedelt die Akutgeriatrie in das Wilhelminenspital.

Durch die Übersiedlung der Standorte SMZ Sophienspital und Kaiserin-Elisabeth-Spital werden laut Wehsely jährliche Betriebskosten von 28 Millionen Euro für bauliche Investitionen im Rahmen des Konzepts frei. Die Mitarbeiter der beiden Spitäler wurden am Donnerstagvormittag von KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold über die Veränderungen informiert.
Kosten der Reform noch nicht absehbar
Durch die Maßnahmen will Gesundheitsstadträtin Wehsely die Weichen für die Zukunft stellen: "20 Jahre klingen weit weg, sind es aber nicht, wenn es darum geht, gewachsene Strukturen zu verändern". Die Spitäler seien im Schnitt 80, fünf sogar mehr als 100 Jahre alt. Die Sanierung dieser Häuser wäre teuer.

Wie viel die Maßnahmen der Spitalsreform kosten werden, konnte Wehsely noch nicht sagen. Derzeit sei die Planung im Gang.

Ein Punkt der Reform ist auch die Abkehr vom "Pavillonsystem hin zur geschlossenen Bauweise". Deshalb sind am Donnerstag auch Umbaupläne für das Wilhelminenspital und das Krankenhaus Hietzing bekanntgegeben worden.
Wiener Krankenanstalten nicht privatisiert
Laut Wehsely und Bürgermeister Häupl werden keine städtischen Krankenanstalten in Wien privatisiert. Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) bleibe eine Unternehmung nach der Wiener Stadtverfassung.

Mit einem neuen Messsystem soll bessere Einsicht in die Arbeit der Spitäler gegeben und damit eine bessere Grundlage zur Orientierung der Patienten geboten werden. Ein weiterer Eckpunkt ist die höhere Zufriedenheit bei den Mitarbeitern - der Spitalsreform zufolge soll besonderes Augenmerk auf Arbeitszeiten und Gesundheitsförderung gelegt werden.
Grüne und Ärztekammer reagieren positiv
Die Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen, Sigrid Pilz, hat die Spitalsreform als "Meilenstein für die Sicherstellung einer modernen Gesundheitsversorgung" bezeichnet. Ein effizienter Einsatz der Budgetmittel werde garantiert, Kostenbewusstsein und Qualitätssicherung seien kein Gegensatz, so Pilz.

Auch die Wiener Ärztekammer reagierte positiv. Die Eckpunkte des Konzepts hätten laut Ärztekammer-Präsident Walter Dorner "eine hohe Chance auf Umsetzbarkeit".

Besonders positiv bewertet Dorner die neue Raumverteilung der Krankenhäuser: "Mit der Verlegung von Spitalsbetten jenseits der Donau wird auf die veränderte Bevölkerungsstruktur in den großen Bezirken Floridsdorf und Donaustadt effizient eingegangen". Allerdings glaubt er, dass das Konzept nicht ohne zusätzliche finanzielle Mittel umgesetzt werden kann.
ÖVP und FPÖ sehen Forderungen erfüllt
Zufrieden zeigte sich auch die Gesundheitssprecherin der ÖVP Wien, Ingrid Korosec. "Endlich zeigt sich die Gesundheitsstadträtin dazu bereit, Forderungen der Opposition aufzunehmen und Doppelgleisigkeiten im Managementbereich in Zukunft zu vermeiden", meinte Korosec.

Nun würde nur noch ein Baubeginn für das Krankenhaus Nord benötigt werden. "Wir werden sehen, ob das wieder nur Ankündigungen und leere Versprechungen sind, wie man das aus dem Gesundheitsressort schon allzu sehr gewohnt ist", so Korosec.

Auch für FPÖ-Stadtrat David Lasar habe die SPÖ "nun die Notwendigkeit der Modernisierung von Wiens Spitälern begriffen". Nun dürfe nicht auf die Aufstockung des Pflegepersonals sowie der Ärzte vergessen werden, die Mitarbeiterzufriedenheit müsse gehoben werden.
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