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MI | 11.04.2012
"Die Malkunst" Vermeer, um 1666/68 (Bild: KHM)
KULTUR
Vermeer-Gemälde wird nicht restituiert
Das Gemälde "Die Malkunst" von Jan Vermeer soll im Kunsthistorischen Museum (KHM) bleiben und nicht restituiert werden. Das empfiehlt der Kunstrückgabebeirat. "Die Malkunst" gilt als teuerstes Gemälde Österreichs.
Bedeutendstes Gemälde von Jan Vermeer.
Einstimmige Empfehlung des Rückgabebeirats
Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) hielt sich bisher stets an die Empfehlungen des Beirats und kündigte das auch für diesen Fall an. Der Kunstrückgabebeirat unter Vorsitz von Clemens Jabloner kam am Freitag einstimmig zu der Empfehlung, das Bild nicht an die Erben des früheren Besitzers Jaromir Czernin zu restituieren.

"Die Malkunst" gilt als bedeutendstes Gemälde von Vermeer. Es ist eines von nur 37 erhaltenen Bildern des niederländischen Malers, noch dazu das größte. Vermeer hatte das Gemälde 1666 bis 1668 gemalt.

Im Kunsthistorischen Museum reagierte Direktorin Sabine Haag mit Erleichterung auf die Entscheidung. "Die Malkunst" zähle zu den wertvollsten Gemälden des Hauses, seit der neuen Hängung im holländischen Kabinett komme es noch besser zur Geltung.
"Die Malkunst" von Jan Vermeer  (Bild: APA/KUNSTHISTORISCHES MUSEUM)
Nach Zweitem Weltkrieg ins KHM
Jaromir Czernin hatte das Bild 1932 geerbt. 1940 wollte er das Gemälde an den Hamburger Philipp Reemtsma verkaufen. Adolf Hitler untersagte den Verkauf und wünschte, "dass das Bild in der Galerie verbleibt und ohne meine persönliche Genehmigung über das Bild nicht verfügt wird".

Im Jahr 1940 kam die Abmachung für einen Preis von 1,65 Millionen Reichsmark zustande. Hitlers Sekretär Martin Bormann schrieb danach in einem Telegramm: "An sich hat dieses Bild des Vermeer einen internationalen Wert, der weit über den bewilligten Preis hinaus geht."

Nach dem Zweiten Weltkrieg übergab die amerikanische Militärregierung das Bild der österreichischen Bundesregierung und diese dem Kunsthistorischen Museum. 1958 wurde das Gemälde im KHM inventarisiert.
Neue Diskussion über Rückgabe seit 2009
Zwischen 1949 und 1960 hatten Czernin und seine Erben drei Rückstellungsgesuche gestellt. Diese wurden mit dem Verweis auf den freiwilligen Verkauf zu einem angemessenen Preis abgewiesen.

Die Erben von Czernin regten im September 2009 neuerlich eine Rückgabe an. Sie argumentierten, dass es sich bei Czernin und seiner Frau Alix-May um Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes gehandelt hatte.

Deshalb seien die beiden zu einem Verkauf unter dem von ihnen angestrebten Preis gezwungen worden. Alix-May galt als "Vierteljüdin".
"Verkauf ohne Zwang abgeschlossen"
Der Kunstrückgabebeirat argumentierte am Freitag, dass Czernin den Verkauf an Hitler ohne Zwang abgeschlossen hatte. Zudem sei der Verkauf aktiv von Czernins Rechtsanwälten betrieben worden, Hitler habe den Erwerb des Gemäldes nicht aktiv verfolgt.

Die Darstellungen von Czernin, er sei politischer Verfolgung unterlegen, waren laut Kunstrückgabebeirat nicht belegbar. So spreche sein Antrag auf Aufnahme in die NSDAP vom April 1940 nicht für eine distanzierte Haltung gegenüber dem NS-Regime.

"Der Beirat übersieht keineswegs, dass Alix Czernin antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt war, eine Kausalität mit dem Verkauf des Bildes durch ihren Ehemann ist jedoch nicht zu erkennen", hieß es in der Begründung.
Schoenberg: "Sie stehen in den Schuhen von Adolf Hitler und verteidigen Adolf Hitler".
Erbenanwalt über Beirat empört
"Das ist eine Beleidigung", ärgerte sich Randol Schoenberg, Anwalt der Czernin-Erben. Er sei nicht von der Entscheidung verständigt worden. Und wenn man sich diese ansehe, sei sehr klar, dass man das Papier formuliert habe, ohne sein umfangreiches Gutachten von Ende Februar zu berücksichtigen.

Für ihn sei unverständlich, wie man nicht klar sehen könne, unter welchem Druck Czernin und vor allem seine als "Vierteljüdin" eingestufte Frau Alix-May als Verfolgte standen: "Jeder, der zur Schlussfolgerung kommt, dass sie nicht verfolgt war, ist ein Idiot."

Es sei auch kein Argument, dass Czernin 1940 um Aufnahme in die NSDAP angesucht habe - dies sei eine Überlebenstechnik gewesen. "Sie stehen in den Schuhen von Adolf Hitler und verteidigen Adolf Hitler", zeigte sich der Anwalt von den Entscheidungen des Beirats enttäuscht: "Das ist eine Verharmlosung von dem, was die Nazis taten." Er fordert nun ein Schiedgericht wie bei den Klimt-Bildern.
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