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MI | 11.04.2012
Klüger (Bild: echokom)
KULTUR
Ruth Klüger erhält Theodor-Kramer-Preis
Der elfte Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und Exil wird 2011 an Ruth Klüger verliehen. Der mit 7.300 Euro dotierte Preis wird der Bestsellerautorin am 20. Mai übergeben.
Bereits im KZ Gedichte geschrieben.
Mit "weiter leben" einen Bestseller verfasst
Die Autorin habe es verstanden, "für viele Menschen die Mauer zwischen ihnen und der sogenannten Vergangenheit niederzureißen", so die Begründung der Jury. "Sie hat uns schreibend zu Mitverschworenen im Ringen um persönliche Souveränität werden lassen."

Ruth Klüger, geboren am 30. Oktober 1931 in Wien, wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, 1944 nach Auschwitz. Der Selektion entging sie, indem sie sich als bereits 15-Jährige ausgab. Sie wurde kurz darauf nach Christianstadt zur Schwerarbeit überstellt. Bereits im KZ begann sie, Gedichte zu schreiben. Während der Evakuierung der Lager 1945 gelang ihr die Flucht.

Nach der Emigration nach New York 1947 studierte Klüger Germanistik in Berkeley und unterrichtete später an verschiedenen US-Universitäten. Mitte der 70er Jahre wandte sie sich verstärkt feministischen Themen zu. Mit ihrem Erinnerungsband "weiter leben. Eine Jugend" verfasste sie 1989 einen preisgekrönten Bestseller.
Jury lobt "die Kunst behutsamen Erzählens"
"Die Energie Ihrer vorwärtsdrängenden Sprache, die Kunst behutsamen Erzählens und Erwägens - ohne dadurch die notwendige Stellungnahme zu verabsäumen - rufen unsere Bewunderung hervor. In Ihrem Werk verschmelzen kritische Pointierung und hermeneutische Einfühlung zu seltener Einheit", würdigt die Theodor-Kramer-Jury die Autorin.

"Zu rühmen sind die Vielfalt der Formen und der Kenntnisreichtum, mit denen Ruth Klüger dem so widersprüchlichen Weltinhalt zu Leibe rückt - mit dem Gedicht, der wissenschaftlichen Abhandlung, dem Essay, der Autobiographik und der unter deren Dramatik oft verborgenen Erzählung."

Stets "im Wissen um die Differenz und das Unrecht zwischen den Geschlechtern, multiperspektivisch, in Vor- und Rückgriffen, immer den Zusammenhang suchend mit dem Gang der menschlichen Dinge", so dir Jury.
Preisverleihung in Niederösterreich
Die 1984 gegründete Theodor Kramer Gesellschaft vergibt seit 2001 alljährlich einen Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil. Es werden sowohl die literarische Qualität als auch die Haltung und das Schicksal der Preisträgerin oder des Preisträgers gewürdigt.

Das Schreiben in deutscher Sprache ist keine Bedingung. Die vom Land Niederösterreich, der Stadt Wien und vom Unterrichtsministerium geförderte Auszeichnung erhielten in den vergangenen Jahren Elazar Benyoetz (2010), Ilana Shmueli und Josef Burg (2009), Tuvia Rübner (2008) und Jakov Lind (2007).

Der mit 7.300 Euro dotierte Preis wird am 20. Mai im Unabhängigen Literaturhaus Niederösterreich in Krems übergeben.
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