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MI | 11.04.2012
Kardinal Christoph Schönborn (Bild: APA/Roland Schlager)
CHRONIK
499 Opfer von Übergriffen in Kirche
499 Personen sollen Opfer von Übergriffen im kirchlichen Bereich geworden sein. Diese Bilanz der Ombudsstellen gab Kardinal Christoph Schönborn nach der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe bekannt.
Anzeigen in 125 Fällen.
Fälle überwiegend vor 40 Jahren
Bei 22 der 499 mutmaßlichen Opfer ist eine strafrechtliche Relevanz wahrscheinlich, 125 Fälle wurden zur Anzeige gebracht. Bei mehr als der Hälfte der Fälle ging es um sexuellen Missbrauch, ein Drittel der Opfer war von Gewalt betroffen.

Mehr als die Hälfte der Fälle bezog sich auf Ereignisse vor 1970, 42 Prozent betrafen den Zeitraum von 1971 bis 1992. Die Bischöfe ersuchten nach Abschluss der Frühjahrsvollversammlung, mögliche weitere Betroffene mögen sich bei einer kirchlichen Ombudsstelle oder bei der Opferschutzanwaltschaft melden.
Zahlungen bis zu 25.000 Euro
Die Bischofskonferenz arbeitet seit Herbst 2010 an der "Stiftung Opferschutz", an der sich die Diözesen und die Ordensgemeinschaften beteiligen. Über diese Stiftung wird die freiwillige finanzielle Hilfe der Kirche an die Opfer ausbezahlt. Vorsitzender ist der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng.

Grundlage für diese Auszahlungen sind die Entscheidungen der Opferschutzkommission unter der Leitung von Waltraud Klasnic. Die Zahlungen werden im Monatsrhythmus beschlossen. Die Summen betragen zwischen 5.000 und 25.000 Euro.
Klasnic will Arbeit in Kommission fortsetzen
Klasnic hatte betont, weitere drei bis vier Jahre in der Funktion bleiben zu wollen. Klasnic wurde vor einem Jahr von Schönborn als "Opferanwältin" eingesetzt.

Die Schicksale, mit denen sie konfrontiert sei, seien zu persönlich für ein schnelles Ende, begründete Klasnic. Bisher haben sich rund 800 Betroffene bei der Kommission gemeldet, 167 Entschädigungszahlungen wurden geleistet.

Neben Klasnic sind in der Kommission unter anderen der frühere Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz, der frühere Vorsitzende der Plattform "Wir sind Kirche" Hubert Feichtlbauer, sowie Udo Jesionek, Präsident der Opferhilfsorganisation "Weißer Ring", vertreten.
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