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MI | 11.04.2012
Claudia Heill (APA/ GepaPictures)
SPORT
Judoka Claudia Heill verstorben
Österreichs erfolgreichste Judo-Sportlerin ist tot. Claudia Heill, Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen in Athen 2004, ist im 30. Lebensjahr verstorben.
Judoverband "vor den Kopf gestoßen".
"Eine Lücke, die nicht zu schließen ist"
"Claudia war in ihrem Studium sehr erfolgreich, war ein sehr aktiver Mensch. Alle, die sie gekannt haben, sind vor den Kopf gestoßen", so Judo-Verbandspräsident Hans Paul Kutschera in einem ORF-Interview zum Tod von Heill. "Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie, Österreichs Judosport hat einen schweren Verlust erlitten. Eine Lücke, die nicht zu schließen ist", so Kutschera.

Die ehemalige Judoka wurde gegen 3.15 Uhr in Wien-Landstraße tot aufgefunden. Sie war nach einem Sturz aus dem sechsten Stock eines Wohnhauses verstorben. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, es gebe keine Anzeichen für Fremdverschulden. Abschiedsbrief wurde keiner gefunden.
Nachwuchstrainerin in der Südstadt
Im Bundessportzentrum Südstadt arbeitete Heill zuletzt als Nachwuchstrainerin. Heill besuchte seit 2008 den Studiengang "Training und Sport" an der Fachhochschule Wiener Neustadt. Bei der Judo-EM 2010 in Wien war sie im Marketing des Organisationskomitees tätig.

Ihren größten Erfolg feierte sie 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen, Heill gewann in der Klasse bis 63 Kilogramm die Silbermedaille. Sie war damit die bisher einzige Österreicherin, die bei olympischen Spielen im Judo eine Medaille gewinnen konnte. 2008 wurde sie bei den Olympischen Spielen in Peking Fünfte.
Claudia Heill beim Jubeln (APA/ Schneider)
Claudia Heill bei den olympischen Spielen 2004 (Bild: APA/Harald Schneider) Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften
Bei den Weltmeisterschaften erreichte Heill 2001 in München den fünften Platz, 2007 wurde sie in Rio de Janeiro siebente. Bei Europameisterschaften konnte Heill insgesamt fünf Medaillen gewinnen, in Paris 2001 und Rotterdam 2005 jeweils Silber.

2006 gewann sie bei der Militärweltmeisterschaft in Vinkovci die Goldmedaille. 2009 beendete sie ihre Karriere.
Rohrauer und Paischer tief betroffen
Heills langjähriger Trainer Hubert Rohrauer fand keine Erklärung: "Wir waren noch am Abend davor zusammen, niemand konnte die Kurzschlusshandlung von Claudia erahnen. Sie war eine Perfektionistin, hatte einen starken Willen."

Auch Heills Teamkollege Ludwig Paischer, Silbermedaillengewinner bei den olympischen Spielen in Peking, war betroffen: "Ich kann es nicht glauben. Claudia war ein so lebensfroher, freundlicher Mensch. Ich werde sie vermissen."
Erschütterung im österreichischen Sport
Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) war ebenfalls tief erschüttert: "Claudia Heill war nicht nur eine große österreichische Sportlerin, ich habe sie auch als lieben und herzlichen Menschen kennen gelernt. Ich kann es noch nicht fassen, dass Claudia Heill nicht mehr unter uns weilt. Unsere Anteilnahme gilt in dieser schweren Stunde ihrer Familie".

Auch die Sportverbände waren betroffen. ASKÖ-Generalsekretär Michael Maurer zeigte sich erschüttert. "Uns fehlen die Worte zu dieser tragischen Nachricht", meinte Maurer in einer Aussendung. Heill kam aus dem Wiener Judo-Nachwuchs und kämpfte lange Zeit für einen ASKÖ-Verein. Auch die Sport-Union zeigte sich tief betroffen.
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