Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Stefan Wehinger, Geschäftsführer des privaten Bahnanbieters "Westbahn" (Bild: APA/Hans Klaus Techt)
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Westbahn gegen ÖBB: Kein "Preiskampf"
Im Dezember startet die erste private Konkurrenz für die ÖBB auf der Westbahn. Auf der Strecke will das Unternehmen Westbahn den ÖBB Gäste abwerben. Für Vorteilscard-Besitzer bleiben die Preise aber gleich.
Westbahn: Orientieren uns an ÖBB-Vorteilscard-Preis.
Ticketkauf im Waggon angekündigt
Ab 11. Dezember 2011 fährt das Unternehmen Westbahn des Industriellen Hans-Peter Haselsteiner (STRABAG) und des Ex-ÖBB-Vorstandes Stefan Wehinger täglich 13 mal die Strecke Wien - St. Pölten - Amstetten - Linz - Wels - Attnang-Puchheim - Salzburg und retour.

Anstatt sich mit den ÖBB einen "Preiskampf" zu liefern, wolle das Unternehmen mit Service punkten - insbesondere solchem, das die ÖBB nicht anbietet, betonte Wehinger.

So soll es etwa den Ticketkauf im Waggon ohne Zuschlag geben. Auch die Fahrzeit soll der der ÖBB entsprechen, obwohl die Westbahn an mehr Bahnhöfen hält. Ein Ticket soll soviel wie die Halbpreiskarte der Bundesbahnen nach dem Fahrplanwechsel im Dezember kosten. "Wir orientieren uns an der ÖBB-Vorteilscard", sagte Westbahn-Sprecher Manfred Mader.
Westbahn zahlt wie ÖBB "Schienenmaut" pro Kilometer.
130 Mio. Euro investiert
Eingesetzt werden sieben Doppelstockzüge, die barrierefrei bestiegen werden können und die die 312 Kilometer lange Strecke von Wien nach Salzburg in zwei Stunden und 57 Minuten bewältigen sollen. Die Züge und die Vorbereitung auf den Start lässt sich das Unternehmen 130 Millionen Euro kosten, so die Westbahn.

Von den knapp 200 Mitarbeitern sollen 85 Prozent direkt beim Kunden in den Zügen sein. Pro Waggon soll es einen Mitarbeiter geben. Für die Bahnreisenden stehen Ledersitze zur Verfügung - 500 Stück pro Zug.

Die Westbahn muss dem Staat, genauso wie die ÖBB, drei Euro "Schienenmaut" pro Kilometer Schiene zahlen. Das derzeit größte private Bahnunternehmen ist der Betreiber des Wiener "Flughafenzuges" CAT.
Einige Fragen noch ungeklärt
Wehinger hofft, mit der Westbahn in fünf Jahren operativen Gewinn zu machen. Derzeit herrsche aber noch das geordnete Chaos. Vieles habe sich als undurchführbar herausgestellt - wobei die Alternativplanung dann ohnehin die bessere gewesen sei.

Offen ist beispielsweise noch, ob es in den Zügen Raucherbereiche geben soll, ähnlich den Glashäuschen am Wiener Flughafen. Hier müssten erst arbeitsrechtliche Fragen geklärt werden.

Geklärt werden müsse auch noch der Einstieg der französischen Staatsbahnen. "Wir wollen mit ihnen abschließen", erklärte Wehinger. Schließlich seien die Franzosen bei Hochgeschwindigkeitszügen und beim Ticketverkauf über das Internet weltweit führend.
ÖBB wollen Service verbessern.
ÖBB: "Konkurrenz belebt den Markt"
Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gaben sich auf Nachfrage von wien.ORF.at gelassen. "Konkurrenz belebt den Markt", sagte Pressesprecher Thomas Berger.

Vorkehrungen würden aber dennoch getroffen, so Berger: "Wir werden versuchen unser Service zu verbessern und einige Innovationen umsetzen. Auch in Sachen Catering wird sich das eine oder andere tun".

Weiter wollte Berger nicht ins Detail gehen, um den neuen Konkurrenten nichts zu verraten. Die ÖBB seien jedenfalls guter Dinge, dass sie bestehen können, so Berger.
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