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MI | 11.04.2012
Alfred Adler (Bild: Wikipedia)
CHRONIK
Asche von Adler kommt nach 74 Jahren zurück
Die Asche des Wiener Psychoanalytikers Alfred Adler ist jetzt in Schottland entdeckt worden. Fast 74 Jahre war sie verschollen. Nächste Woche wird sie nach Wien zurückgebracht.
An Herzattacke gestorben
Alfred Adler war der "Erfinder" des Minderwertigkeitskomplexes, er entwickelte auf der Psychoanalyse Sigmund Freunds aufbauend die "Individualpsychologie". Am 28. Mai starb er im Alter von 67 Jahren vermutlich an einer Herzattacke in Aberdeen.

Massiver Stress dürfte nach Meinung seiner Familie zum Ableben Adlers beigetragen haben, sagte die in Amerika lebende Enkelin Margot Adler dem "Guardian". Der Wissenschafter hatte damals von der Inhaftierung seiner ältesten Tochter Valentina, einer überzeugten Kommunistin, in einem sowjetischen Gulag erfahren.
Asche in Krematorium aufgetaucht
Die Feuerbestattung sei in der Familie üblich gewesen, so Margot Adler. "Edinburgh war der einzige Ort, wo zu dieser Zeit der Leichnam Adlers verbrannt werden konnte", so der österreichische Honorarkonsul in Schottland, John Clifford, gegenüber schottischen Medien. "Seine Familie kam zur Bestattung, aber seine Asche blieb zurück."

Fast 74 Jahre später wurde nun die verschollen gewesene Asche des Arztes vom österreichischen Honorarkonsul in Schottland, John Clifford, in einem Krematorium in Edinburgh entdeckt.
Alfred Adler (Bild: Sigmund Freud Copyrights) Ehrengrab auf Zentralfriedhof
Am 19. April wird eine Delegation des Österreichischen Vereins für Individualpsychologie nach Edinburgh reisen und die Urne Alfred Adlers nach Wien bringen.

Geplant sei ein Empfang durch den Bürgermeister von Edinburgh und ein Gedankenaustausch mit schottischen Kollegen, so die Präsidentin des Vereins, Margot Matschiner-Zollner.

Die sterblichen Überreste Adlers sollen dann am 12. Juli in einem von der Gemeinde Wien gewidmeten Ehrengrab am Zentralfriedhof beigesetzt werden. Dazu wird auch die Enkelin des Psychoanalytikers, Margot Adler, erwartet.
Suche lief seit 2009
Die Suche nach den sterblichen Überresten Adlers war laut Matschiner-Zollner 2009 gestartet worden, als eine Projektgruppe des Vereins für Individualpsychologie in Schottland zu recherchieren begann. Der österreichische Honorarkonsul Clifford habe sich dabei als sehr hilfreich erwiesen.
Kritisch gegenüber dem Begriff "Begabung"
Der überzeugte Sozialdemokrat Alfred Adler wurde am 7. Februar 1870 als Sohn eines jüdischen Getreidehändlers in Wien-Rudolfsheim geboren. Als Kind litt Adler, wie er später diagnostiziert hatte, an einer "Organminderwertigkeit", einer seiner Bausteine in seinen späteren Lehren: Er hatte Rachitis und einen Stimmritzenkrampf.

Er war ein "mittelmäßiger Schüler" mit Schwierigkeiten im Zeichnen und in Mathematik. Vom Lehrer als "unbegabt" beurteilt, gelang es Adler dann einmal, eine besonders schwierige Aufgabe zu lösen, worauf er zum besten Mathematikschüler der Klasse wurde. Dieser selbst-erlebte "Begabungswandel" machte ihn kritisch gegen den Begriff "Begabung".
Adler gründete seinen eigenen Verein.
Emanzipation von Freud im Jahr 1911
1902 begegnete Adler erstmals Sigmund Freud und nahm von da an an dessen Mittwochabend-Sitzungen teil, wo er in der Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse seine eigenen psychologischen Ansätze entwickelte.

1907 veröffentlichte er seine "Studie über die Minderwertigkeit von Organen" und zeigte so, dass er sich auf seiner eigenen Bahn weiterbewegte. 1911 kam es zum Bruch mit Freud.

Adler gründete seinen eigenen Verein und begann sein eigenes System aufzubauen, die Individualpsycholgie. Diese wurde bald in der Fachliteratur als Alternative zur Psychoanalyse anerkannt, ein wachsender Schülerkreis unterstützte ihn in seinen Bemühungen. Nach dem Ersten Weltkrieg widmete sich Adler Fragen der Erziehung.
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